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07.06.2026 - KK

Jubelgesänge in Aachen für die Vielseitigkeits-Weltmeister

So eng liegen Freud und Leid beieinander, Emotionen pur waren heute im weiten Rund des Aachener Stadions angesagt. Nur noch die letzten drei Sprünge des Frank Rothenberger-Kurses auf dem fast schon heiligen Rasen der Soers, die Zeit passt, da ist sogar noch etwas Reserve. Jetzt noch zwei, nur noch eins, die Ziellinie bereits im Blickfeld, noch einmal abheben, dann sicher landen - geschafft, die rechte Faust in den blauen Nachmittagshimmel gestreckt geht es auf die erste Ehrenrunde. Die Vielseitigkeitsreiter haben ihr 2026er Weltmeisterpaar und 40.000 Menschen auf den Rängen feiern es mit stehenden Ovationen.

Zugegeben, es ist noch Zukunftsmusik und der Blick in die Glaskugel ist arg verschleiert, aber in zehn Wochen und wenigen Stunden wird es in Aachen bei DEM Saisonhöhepunkt um Titel und Medaillen gehen. Eben wegen dieser Titelkämpfe fand der deutsche Nationenpreis der Vielseitigkeitsreiter in diesem Jahr im Haupt- und Landgestüt Marbach statt. Dort gab vor drei Wochen, am Sonntag zwischen Verfassungsprüfung und Abschlussspringen, der Bundestrainer Peter Thomsen einen ausführlichen Einblick in seine Championats-Planungen, äußerte sich zum Trainingsstand von Pferden und Reiter und zeigte den weiteren Weg des deutschen Teams in Richtung des Saisonhöhepunktes auf.

Das erste WM-Gold der deutschen Vielseitigkeitsreiter

Sechzig Jahre nach der ersten Weltmeisterschaft in Burghley und zwanzig Jahre nach den unvergessenen Weltreiterspielen in Aachen mit dem ersten WM-Sieg eines deutschen Teams in der Besetzung

RINGWOOD COCKATOO / Bettina Hoy
SLEEP LATE / Ingrid Klimke
AIR JORDAN / Frank Ostholt
MARIUS VOIGT-LIGISTIK / Hinrich Romeike

trifft sich die Weltspitze also wieder in der Kaiserstadt und wird die Besten der Besten küren.

Vom

12. August (Mittwoch, Verfassungsprüfung ab 9:30 Uhr) bis zum

16. August (Sonntag, Springen ab 12:30 Uhr)

werden sich die Augen der globalen Vielseitigkeitsfreunde auf die Soers richten.

Wie in anderen Sportarten durchaus auch üblich, gingen sich in diesem Frühjahr die vermeintlichen vier Schwergewichte der Szene (Equiratings vom 4. Juni) aktiv aus dem Weg:

JL DUBLIN / Tom McEwen (4.) haben in Kronenberg 4*-S mit ihrem Dressurergebnis gewonnen

LONDON 52 / Laura Collett (3.) galoppierten in Belsay (4*-S) an der Tête und waren beim britischen Nationenpreis in Bicton mit 33 Extrasekunden im Gelände 2.

LORDSHIPS GRAFFALO / Ros Canter (2.) setzten mit ihrem dritten Badminton-Sieg einen weiteren Meilenstein

FISCHERCHIPMUNK FRH / Michael Jung (1.) bescherten den Zuschauern in Marbach einen Start-Ziel-Sieg

Bis zum 6. Juli gibt die FEI den Teilnehmern noch die Möglichkeit, das bzw. die notwendigen Qualifikationsergebnisse (entweder ein 5*-MER oder ein 4*-L-MER plus ein 4*-S-MER seit Anfang 2025) einzufahren. Für das „L“-Ergebnis wird es langsam knapp, da bleiben in Europa noch die Turniere in Bramham am kommenden Wochenende, Luhmühlen Mitte Juni und am Monatsende Strzegom.

Der Bundestrainer in Marbach

Dazu Peter Thomsen: „Je mehr qualifizierte Paare wir haben, desto einfacher ist es nachher in irgendeinem Worst-Case-Szenario. Wenn jemand krank wird, Pferde krank werden, können wir dann einfacher rotieren. Aber ich glaube, dass in Deutschland im Mai alle die Qualis fertig haben sollen. Da bleiben jetzt noch Baborowko und Chaumont [en Vexin], dann war es das auch. Natürlich, den Strich ziehe ich erst am letzten Tag.“

Du hast im Olympiakader neun Reiter mit vierzehn Pferden. Wenn heute der 27. Juli wäre, wer würde die deutschen Farben in Aachen vertreten?

„Mit dem Beginn der Saison fang ich an, die Kader intern zu rangieren. Mit jedem Turnier das gewesen ist, verändere ich diese Rangierung. Daher könnte ich Stand 17. Mai sagen, wer vorne liegt, aber nächste Woche gehen wieder Pferde, übernächste Woche gehen wieder Pferde und das ändert sich immer. Man hat dann so ein bisschen eine Diskussionsgrundlage auch im Ausschuss. Gestern haben wir zusammengesetzt und geschaut, wie ist denn aktuell der Status Quo und da kann ich das dann erzählen.“

Wie ist der Stand am 17. Mai?

„Der ist bei mir im Kopf und bleibt da auch, weil er sich täglich ändert.“

Allerdings hat sich der Verbands-Olympiakader bereits deutlich dezimiert.

Peter Thomsen: „TIMMO ist leider ein bisschen verletzt, er muss Pause haben und wird wohl für die WM nicht infrage kommen. ALTAIR DE LA CENSE wird in Richtung Millstreet [U25-WM] vorbereitet, THE PHANTOM OF THE OPERA hatte leider auch eine Verletzung, ist jetzt wieder leicht im Training, aber das wird in Richtung Aachen zeitlich eng. Das könnte knapp werden, aber am Ende steht eh das Wohl des Pferdes im Vordergrund. Er kann ja noch weitere Euros oder Olympische Spiele gehen. BLACK ICE ist leider auch verletzt und wird wohl bis zur Weltmeisterschaft nicht fit werden. Das tut uns weh, aber ist jetzt so.“

Aus der ersten Garde kann sich der Bundestrainer sein Aachen-Team damit noch aus zehn Pferden mit sieben Reitern gestalten, die ihre Qualifikationsergebnisse bereits alle in der Tasche haben. Auch zu diesen Kandidaten gab er eine kurze Einschätzung:

CARAMIA FRH [Libussa Lübbeke] ist hier supertoll vorgestellt worden und hat uns gestern eine traumhafte Geländeleistung gezeigt, war schon toll in der Dressur und wir hoffen jetzt auf ein gutes Springen. Sie könnten sowohl in Millstreet, als auch in Aachen starten und wir warten heute das Springen nochmal ab, aber im Moment geht es bei diesen Ergebnissen eher Richtung Aachen.“

CARLITOS QUIDDITCH K [Malin Hansen-Hotopp] ist super in Form, hat top geliefert in Strzegom und wir hoffen, dass das so weiter geht - und dann haben die beiden super Voraussetzungen.“

TULLABEG PLATINUM [Julia Krajewski] hat sich in den letzten beiden Prüfungen überragend gezeigt. Es freut mich riesig, dass Julia da so ein tolles Zweitpferd hat. Wenn sie jetzt in Luhmühlen und Avenches nochmal so gut sein werden, spricht das für eine Formkurve die deutlich nach oben geht.“

CARAMIA FRH und Libussa Lübbeke

*2010, Hannoveraner-Stute von COMTE aus der FLORETTA von FABRIANO x LAURIES CRUSADOR xx

Züchterin: Annelie Lübbeke, Wingst
Besitzer: Annelie und Dr. Martin Lübbeke

Ein Musterbeispiel für den klassischen deutschen Förderweg: Über die Goldene Schärpe, Nachwuchs-Euro und Senioren-Euro könnte im Aachen-Kontingent ein Platz frei sein für Libussa Lübbeke

CARLITOS QUIDDITCH K und Malin Hansen-Hotopp

*2012, Holsteiner Wallach von QUIWI DREAM aus der AMSTERDAM von CASSINI I x ROMINO

Züchterin: Miriam Kühl, Brodersdorf
Besitzerin: Dr. Bodil Ipsen

Nach zwei Europameisterschaften steht die WM-Tür ziemlich weit offen

TULLABEG PLATINUM und Julia Krajewski

*2014, ISH-Wallach von DIGNIEFIED VAN'T ZORGVLIET aus der TULLABEG HERO von CULT HERO xx x CLOVER MAN

Züchter: Nicholas Cousins
Besitzer: Michael Sperl

Die aktuelle 4*-Vita: 2 x 2., 1 x 3.

UELZENER’S NICKEL [Julia Krajewski] ist super in Schuss. Er ist einmal in Italien sehr gut gegangen, war in Strzegom sehr gut, peilt nun die Deutsche Meisterschaft an und ist auf einem guten Weg.“

BRONCO NRW [Arne Bergendahl] ist national VS platziert und startet jetzt in Chaumont [en Vexin - FRA]. Beide sind auf einem guten Weg.“

D’ACCORD FRH [Christoph Wahler] ist wieder voll im Training und wird sich auf der Deutschen Meisterschaft in Luhmühlen zeigen. Theoretisch ist bei ihm Luhmühlen, Avenches, Aachen denkbar.“

UELZENER'S NICKEL und Julia Krajewski

*2014, Holsteiner Wallach von NUMERO UNO aus der ORCHIDEE V von LORENTIN I x CALETTO III

Züchter: Hindrick Stüvel, Rosengarten

Besitzer: Prof. Dr. Bernd Heicke

Nach dem Blenheim-Verzicht jetzt mit Kurs Aachen unterwegs

BRONCO NRW und Arne Bergendahl

*2016, Westfalen-Wallach von BLOCKBUSTER I aus der LUTHIEN NRW von LA CALIDO x TEMPLER GL xx

Züchter: Helmut Bergendahl, Hamminkeln
Besitzerin: Dr. Susanne Dörner

Der Schimmel ist der Youngster im deutschen Olympiakader

D'ACCORD FRH und Christoph Wahler

*2012, Hannoveraner-Wallach von DIARADO aus der ANETTE von AARKING xx x WALHALL

Züchterin: Christa von Paepke, Lehmkuhlen
Besitzer: Hendrik von Paepke & Stefan Haupt

Stehen mit den Empfehlungen der Top-10 Resultate in Lexington und Badminton auf des Trainers Spickzettel


FISCHERCHIPMUNK FRH [Michael Jung] war gestern [Samstag] und Donnerstag top. Michi sagt, er hat ihn jetzt noch nicht ganz oben. Aber wir brauchen die Pferde mit der Top-Form ja auch erst Mitte August und darauf bereitet er ihn vor.“

Hast Du irgendwelche Bedenken wegen seiner achtzehn Jahre?

„Nein, das Pferd ist gesund und er war auch heute in der Verfassungsprüfung exzellent, bewegte sich auch gestern nach dem Gelände und heute Morgen gut.“

FISCHERSOLUTION II [ex DZOKER - Michael Jung] war sehr gut in Radolfzell und soll jetzt in Kronenberg und wohl anschließend in Avenches gehen.“

Wie groß hast Du den Namen auf Deinem Spickzettel stehen, da er erst vier Vier-Sterne-Prüfungen beendet hat?

„Michi ist immer ein Kandidat und das Pferd hat immer sehr gute Ergebnisse geliefert. Sicherlich ist CHIPMUNK erste Wahl und wenn da etwas passieren sollte, dann müssen wir wieder gucken.“

FISCHERCHIPMUNK FRH und Michael Jung

*2008, Hannoveraner-Wallach von CONTENDRO I aus der HAVANNA von HERALDIK xx x RAMIRO Z

Züchter: Sabine und Dr. Hilmer Meyer-Kulenkampff, Engeln
Besitzer: Sabine & Klaus Fischer, Joachim Jung und das DOKR

Für die Analysten von Equiratings sind sie aktuell das beste Paar der Vielseitigkeitsszene

FISCHERSOLUTION II und Michael Jung

*2016, PZHK (SP)-Wallach von HARLEY VDL aus der DZINGER von GRAND PRESIDIUM xx x JAPE xx

Züchter: Stadnina Koni Nad Wigrami Gospodarstwo , Polen
Besitzer: Klaus Fischer

Das zweite Pferd des Jahrgangs 2016 im Olympiakader



LUTHIEN NRW [Arne Bergendahl] hatte in Badminton ein paar Kleinigkeiten im Gelände, aus denen wir wieder etwas gelernt haben.“

PALM BEACH hatte ein bisschen Pech, ist ausgerutscht und wird wohl das erste Mal wieder in Luhmühlen gehen und dann sehen wir weiter. Theoretisch kann er danach noch in Avenches starten, aber wir wollen erst einmal sehen, wie es in der ersten Prüfung geht, aber er ist im Moment schon ein bisschen hinten dran.“

LUTHIEN NRW und Arne Bergendahl

*2012, Westfalen-Stute von LA CALIDO aus der TARAMANGA von TEMPLER GL xx x SIR SHOSTAKOVICH xx

Züchter: Heinrich Bergendahl, Hamminkeln
Besitzer: Helmut Bergendahl

Keine 4*-L im Angebot, dafür das einzige deutsche Pferd mit zwei 5*-Quali-Ergebnissen

PALM BEACH 32 und Nicolai Aldinger

*2011, DSP (Sa-Thü)-Wallach von PALMARES aus der LANDA B von LAFITTE x JUPITER II

Züchterin: Tanja Schramm
Besitzerin: Christa Lindenberger
Aktuell ein Kandidat mit Außenseiterchancen



Wie sieht es mit den Möglichkeiten der Perspektivkader-ReiterInnen aus, wie groß sind deren Namen auf Deinem Spickzettel?

„Diejenigen, die die Quali-Ergebnisse haben, haben auch die Chance, sich mit guten Ergebnissen in Szene zu setzen. Wir haben Heike Jahnke, die eine tolle Saison geritten ist und in Luhmühlen Fünf-Sterne reiten wird. Katharina Meyer hatte hier ein tolles Ergebnis im Gelände und wird in Luhmühlen auch die Fünf-Sterne reiten. Wenn die dort ein Top-Ten-Resultat liefern sollten, wäre das natürlich schon ein Ausrufezeichen. Wir haben Brandon Schäfer-Gehrau, der zweiter war in Oudkarspel, wir haben Pauline [Knorr], die in Strzegom in der Vier-Sterne-Lang ein super Ergebnis hatte. Insofern ist für alle die Tür offen und am Ende kommt alles, Papierergebnisse, Formkurve, Belastbarkeit, Nervenstärke und Fitness des Reiters, Gesundheitszustand des Pferdes, mit in die Entscheidungsfindung hinein.“

Die zeitliche Enge zwischen Luhmühlen und Aachen, also theoretisch zwei Fünf-Sterne-Prüfungen in acht Wochen, ist für Dich OK?

„Ich glaube, ja. Es kommt natürlich immer darauf an, wie die Pferde die erste Prüfung wegstecken. Ich glaube aber auch, das beide Reiterinnen Luhmühlen jetzt nicht nutzen möchten, um sich für Aachen in Szene zu setzen, sondern beide reiten ihre erste Fünf-Sterne, wollen mit tollen Null-Runden aus dem Gelände zurückkommen und am Ende tolle Ergebnisse haben. Klar resultiert daraus dann natürlich eine Empfehlung, aber ich glaube bei beiden liegt die volle Konzentration auf Luhmühlen.“

Für den Fall der Fälle stehen aus der zweiten Reihe zusätzlich acht Paare bereit, die sich über Vier-Sterne-Lang und Kurz die formelle WM-Qualifikation gesichert haben. Apropos: Da es keinen direkten Zugang zum originären Datenbestand der FEI gibt, war es erforderlich, die Ergebnisse manuell zu selektieren. Sollte jemand fehlen, steckt da keine -gar böse- Absicht hinter, dann wurde ein Resultat schlichtweg übersehen. Falls so etwas auffällt, auf jeden Fall bitte kurz melden oder einen Kommentar verfassen.


AEVOLET M-A-F und Pauline Knorr

*2014, Hannoveraner-Stute von ABKE aus der HAVANNA von HERALDIK xx x HOHENSTEIN

Züchter: Marco Fischer, Parthenstein
Besitzerin: Ute Thümler


ASPEN T und Katharina Meyer

*2010, Hannoveraner-Wallach von CANSTAKKO aus der ANAKONDA von SIR SHOSTAKOVICH xx x STAR REGENT xx

Züchterin: Katharina Meyer, Munster
Besitzerin: Monika Tietz

JARD 4 und Pia Leuwer

*2012, PZHK (M)-Wallach von HUZAR aus der JULITA von DIVISOR xx x ELSING xx

Besitzer: Prof. Dr. Bernd Heicke


Die Heim-WM ist der absolute Höhepunkt des Jahres, da gibt es auch keine Rücksichtnahme auf die U25-WM in Millstreet Ende Juli?

„Wir haben ganz klar gesagt, wir priorisieren die Weltmeisterschaft in Aachen, weil es einmal im eigenen Land ist und weil es die Olympiaquali ist. Aber wir werden dann schon nach Luhmühlen mit der Longlist die U25-Reiter so aufteilen, dass sie sich dann auf ihr Championat vorbereiten können. Unglücklich ist, dass es so dicht zusammen ist. Schöner wäre es, wenn da zwei, drei Monate zwischen wären, dann könnten sie beides gehen. Das Worst-Case-Szenario wäre natürlich, dass einer auf die U25-WM verzichtet und dann, warum auch immer, aus dem Aachen-Team rausrutscht. Aber wir haben gesagt, wir ordnen alles der Weltmeisterschaft in Aachen unter und die Reiter haben da voll mitgezogen und am liebsten wäre es mir, wir müssen darüber gar nicht groß nachdenken, sondern es passt einfach so.“

Deine Anforderungen an die Qualifikanten, gehst Du da streng nach belegter Leistung, also das, was an Resultaten abgeliefert wurde, vor?

„Ja natürlich, jeder hat eine Historie und wir schauen schon, wie waren sie in den letzten Jahren, sind sie Fünf-Sterne geritten, wie sicher ist eine Null-Runde im Gelände, und und und. Aber natürlich auch die aktuelle Formkurve, das ist einfach so. Das heißt, die Pferde die mit guten Vorjahresergebnissen und einer sehr guten Form in diesem Jahr sind die, die für uns im Moment am meisten in Frage kommen.“

Diese weichen Faktoren, wie machst Du die messbar?

„Es gibt einmal die Papierleistung, also die Ergebnisse, aber dann gibt es natürlich schon viele, viele, viele kleine Faktoren, die nicht messbar sind. Es gibt die Fitness des Reiters, es gibt die Belastbarkeit des Reiters.“

MIGHTY SPRING FRH und Heike Jahncke

*2010, Hannoveraner-Stute von MIGHTY MAGIC aus der LASIZ von LANDCLASSIC x CASHMAN

Züchter: Jörg Bätje, Kranenburg
Besitzer: Carsten Küst und Heike Jahncke

OLIMOND'S QUIBELLE OLD und Heike Jahncke

*2016, Oldenburger Stute von VERDI TN aus der FEE von FLANAGAN x FÜRST PICCOLO

Züchterin: Helena Wayand, Elsoff
Besitzerin: Heike Jahncke

READY TO GO NRW und Vanessa Bölting

*2012, Westfalen-Wallach von ROCK FOREVER I aus der WEINGOLD GD von WEINBERG x PARADOX I

Züchter: Jörg Winterscheid, Arnsberg
Besitzer: Hubert Hermesmeyer


Bei der Auswahl der fünf, die Du dann am Ende mitnimmst, spielt da Olympia 28 auch schon eine Rolle oder ist das ‚Jetzt ist Aachen und was danach kommt, ist eine neue Zeit‘?

„Genau, es ist jetzt Aachen und Aachen ist der Zwischenschritt zu den Olympischen Spielen. Ich glaube, wir werden uns nächstes Jahr in Avenches [Euro 2027] schon mehr damit beschäftigen, welche jüngeren Pferde können mal ein Championat, also LA gehen, aber jetzt müssen wir einfach liefern. Am Ende möchte ich die mitnehmen, die ein sehr, sehr gutes Ergebnis in Aachen abliefern können. Wenn das ein jüngeres Pferd ist, kann das durchaus sein, aber wir haben zum Beispiel in Blenheim tatsächlich Erfolg gehabt mit etwas älteren Pferden, erfahrenen Pferden und das System wollen wir langfristig versuchen aufrecht zu erhalten.“

Hat jemand von dir eine Wildcard bekommen?

„Nein, wir haben ganz klar die Regeln festgelegt. Wir haben zwei Prüfungen vorgegeben - und dann wird nominiert. Aber natürlich gibt es Reiter die besonders erfolgreich sind, mit alten Pferden wo wir wissen, wenn die gesund sind, dann haben wir große Chancen.“

Was ist, wenn zum Beispiel FISCHERCHIPMUNK FRH ausfallen würde, würdest Du lieber Michael mit seinem zweiten Pferd dabei haben oder käme ein anderes Paar zum Zuge?

„Das muss man dann sehen. Es ändert sich ja praktisch jeden Tag etwas und wenn dieser Fall eintreten sollte, dann werden wir auf die Liste mit den qualifizierten Pferden und Reitern gucken und versuchen rauszukriegen, welches Pferd wird wohl bei dem Turnier die beste Leistung haben. Das ist ja dann unser Job und dann sehe ich, ob Michi mit dem Zweitpferd dabei ist oder jemand anderes.“

Bis zum 6. Juli haben die Verantwortlichen noch Zeit, sich auf maximal 15 (Vorgabe der FEI) potenzielle Aachen-Starter festzulegen, danach schließt die FEI das Nennungsportal. Die finale Meldung der fünf WM-Teilnehmer (vier Paare für das Team, ein Einzelstarter) hat bis zum 27. Juli nach Lausanne zu erfolgen. Allerdings will Peter Thomsen seine Empfehlungen bereits vorher aussprechen:

„Wir halten uns an die an die Nominierungsbedingungen, die wir in der Aktivenversammlung und in der AG-Spitzensport beschlossen haben: Zwei mindestens Vier-Sterne-Prüfungen sind in 2026 zu reiten, die letzte Sichtung ist Avenches und wenn die Bedingungen dort gut sind, gehen alle Pferde dort. Die Trainerteams und auch die Tierärzte sind immer bei den deutschen Veranstaltungen, ansonsten richten wir uns ein bisschen nach den Aspiranten und teilen uns auf. Nach Luhmühlen erstellen wir die Longlist, nach Avenches die Shortlist. Wir werden dann dazu einen Reservisten berufen, der auch mit ins Trainingslager kommt und im Falle eines Tausches optimal vorbereitet ist.“


RIS DE TALM und Antonia Baumgart

*2015, Holsteiner Wallach von ADAGIO DE TALMA aus der RAISA von CARVALLO BB x LINARO

Züchter: Hans-Niko Höck, Großsolt
Besitzer: Antonia & Dietrich Baumgart

ALTAIR DE LA CENSE und Calvin Böckmann

*2010, SF-Stute von JENNY DE LA CENSE  aus der NINJA von HAARLEM x ROSSINI

Züchter: Diego & Filipa Horta E Costa
Besitzer: Simone, Jason und Liam Böckmann

VERY SPECIAL und Brandon Schäfer-Gehrau

*2015, Hannoveraner-Stute von VISCOUNT aus der NOVA EH von NOBRE xx x FABRIANO

Züchterin: Ulrike Edel-Heidhues, Bad Harzburg
Besitzerin: Dagmar Schäfer-Gehrau


Wie sieht die unmittelbare Vorbereitung aus?

„In Bonn-Rodderberg richten wir für vier oder fünf Tage unser Trainingslager ein und fahren von dort aus direkt nach Aachen. Wir werden uns dort alle treffen und mit alle Mann versuchen, den Teamspirit zu bilden. Alle Pferde sollen dort noch einmal galoppieren und wir wollen schauen, wie sie sich dann am nächsten Tag bewegen.“

Wie ist Dein Plan für Aachen?

„Ich glaube, dass in Aachen ganz, ganz wichtig wird, dass die Reiter sich voll auf die Weltmeisterschaft konzentrieren. Die ganzen Fans, Reitvereine, Trainer, Freunde kommen nach Aachen. Das ist nicht so wie in Blenheim. Wir müssen uns da sicherlich ein bisschen abschotten und das auch proaktiv verkaufen. Am meisten hilft man den Reitern und dem Team, wenn wir uns voll auf den Wettkampf konzentrieren können - und danach können wir eine Woche Interviews geben, Geländeführungen machen, wir können feiern, wir können uns unterhalten. Aber diese fünf Tage müssen wir im Tunnel sein und müssen einfach nur versuchen, so gut wie möglich zu reiten.“

Was erwartest Du im Aachener Cross?

„Wir wissen, wer aufbaut, wir kennen seine Handschrift. Giuseppe [della Chiesa] und Marcin [Konarski] bauen sicherlich sehr, sehr anspruchsvolle direkte Wege. Natürlich werden bei einer Weltmeisterschaft auch mittellange Wege und ganz lange Wege angeboten und man wird versuchen, viele Teams nach Hause zu bringen.“

Wie werdet Ihr auf den Geländekurs reagieren?

„Am einfachsten ist es immer, direkt nach der Geländebesichtigung zu sagen, wer Mannschaft reitet und wer in der Einzelwertung dabei ist. Natürlich hast du das Im Kopf, aber bis dahin passiert noch viel. Wir wissen dann, wie das Gelände ist, wie das Geläuf. Wir wissen dann auch, wie die Pferde angekommen sind. Damit waren wir in der Vergangenheit sehr erfolgreich und ich sehe keinen Anlass, daran etwas zu verändern.“

Braucht es mehr Tagesform oder mehr Glück?

„Ich sage mal Tagesform. Die Vorbereitung am Ende und das Abwickeln des Turniers, also die sportliche Leistung, wird es entscheiden. Der Sieger wird keinen Fehler machen und so sollte es ja auch sein.“

Heißt das, der Sieger kommt mit seinem Dressurergebnis nach Hause?

„Ich vermute, dass die Zeit sehr, sehr schwer zu halten sein wird. Das ist ja auch immer ein Mittel des Parcourschefs, die Reiter dazu zu zwingen, etwas oberflächlicher die Sprünge anzureiten und dann hast du sofort einen Flaggenfehler, ein ausgelöstes MIM oder ein Run Out. Deswegen würde ich sagen, dass die Einteilung des Rittes, die Kräfte des Pferdes, die Konditionen, alles zusammen wird den Sieger ergeben.“

Du hast angesprochen, dass die Europameisterschaft 2027 in Avenches vielleicht auch noch notwendig sein könnte, um sich für Olympia 2028 zu qualifizieren. Welches Ziel hast Du in Aachen?

„Mein Ziel für Aachen ist eine Team-Medaille. Das ist der Anspruch in Deutschland und da ändern  wir auch nichts dran - und natürlich ist das Minimalzeil die Olympiaquali. Wir sind amtierender Weltmeister, wir sind amtierender Europameister und ich bin sehr optimistisch. Die Pferde sind gut in Schuss, nichtsdestotrotz Ist die Decke oben dünn und wir müssen abwarten, wer uns am Ende auch zur Verfügung steht.“

Wem gibst Du das Favoritenschild?

„Ganz klar England. Amerika finde ich sehr stark, Neuseeland finde ich sehr stark, die Franzosen sind gut in Schuss und hatten in Badminton tolle Paare. Belgien und die Schweiz sind immer ein Geheimtipp, die Japaner waren Dritte bei den Olympischen Spielen. Am Ende brauchen wir ein gutes Wochenende, müssen auf uns selber gucken und top-performen und dann Ist alles drin, aber Fehler machen dürfen wir nicht.“

Und in der Einzelwertung?

„Michi Jung, Laura Collett, Julia [Krajewski], Ros Canter - es gibt mindestens 10 Paare, die das Turnier gewinnen können. Du kennst meine Einschätzung dazu, man muss die richtigen Reithosen anhaben, das Wochenende muss passen, es muss bei dem Weltmeister alles von A bis Z passen. Da kann eine Sekunde im Gelände oder ein offenes Halten schon den Ausschlag machen.“

Worauf freust du Dich besonders in Richtung Aachen?

„Das wird ein Mega-Event werden, wir können Werbung machen für den Reitsport, für die Vielseitigkeit. Wir haben das deutsche Publikum hinter uns, das wird ein Spektakel und ich wünsche mir natürlich ein erfolgreiches Ende. Das Wichtigste ist, dass wir den Sport top präsentieren, aber dann kommt natürlich der Erfolg der deutschen Vielseitigkeitsreiter und dafür arbeiten wir.“

Eine Wiederholung des 2006-Ergebnisses wäre für Dich OK?

„Das nehm‘ ich gerne.“



Eine klare Team-Marschroute hat auch die Vorsitzende des Warendorfer Vielseitigkeitsausschusses, Dr. Annette Wyrwoll, bereits in Marbach ausgegeben:

„In Aachen wollen wir aufs Podium.“


Danke an 

Diana Jung (facebook.com/dianajung.fotografie.7) und

Ingo Wächter (iw-images.de)

für die Unterstützung bei den Bildern.

Einen Blick in die Historie der Weltmeisterschaften der Vielseitigkeitsreiter, eine ausführliche Tryon-Nachschau und die komplette Pratoni del Vivaro-Berichterstattung aus 2022 gibt es hier.

Sie haben das Ende der aktuellen Berichterstattung erreicht  -  danke für Ihr Interesse!

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DAS Magazin für den Vielseitigkeitssport