18. Juli 2018


Dem Nachwuchs eine Chance

Als einer der letzten Veranstalter vor dem Bundeschampionat Anfang September richtete der Reit- und Fahrverein Greven zwei Qualifikationsprüfungen für die vielseitigen Nachwuchspferde aus. Auf dem derbyähnlichen Platz hatten die fünf- und sechsjährigen Pferde die Möglichkeit ihre Eignung für Warendorf unter Beweis zu stellen. Aus züchterischer Sicht war das Feld weit gefächert: Die 46 gestarteten Pferde hatten 42 verschiedene Väter und stammten von 46 verschiedenen Muttervätern ab. Black Jack (Cornet Obolensky / Heraldik xx), Intendant xx (Lando xx / Incenza xx), Primeur's As (Pavarotti v.d. Helle / Ramiro) und der ehemalige Weltmeister der jungen Vielseitigkeitspferde Mighty Magic (Mytens xx / Heraldik xx) waren doppelt vertreten.

Sechs Pferde stammten direkt von Vollblutvätern ab, dreizehn Mutterväter hatten das "xx" im Pedigree, in den Platzierungslisten waren die Blut-Abkömmlinge leicht überproportional vertreten. Deutlicher wurde der Unterschied bei den Müttern: In der "A" hatten fünf von elf platzierten Pferden einen xx-Muttervater, in der "L" sogar fünf von sieben.


Alexia - Clara Blau: Siegreich in der GP A - hier schon in der L-Prüfung unterwegs

Die Geländepferdeprüfung A (ausgeschrieben für die Jahrgänge 2012 bis 2014) gewann die 5jährige Alexia, eine Aragorn-Tochter aus einer Spaceman-Mutter mit Clara Blau im Sattel. Die Stute galoppierte sehr aufmerksam über den Platz, war jederzeit gut zu händeln und wurde mit der Note 8,5 bewertet. Von der Abstammung her würde man Dee fee (Don Index / Lauries Crusador xx - der zusammen mit Weltmeyer auf beiden Seiten der Abstammung auftaucht) wohl eher in einer Dressurpferdeprüfung vermuten. Dennoch überwand die ebenfalls 5jährige Stute die 15 Hindernisse sehr gleichmäßig, war unspektakulär aber gut unterwegs und erhielt eine 8,4. Auf Platz 3 (8,2) das einzige Reitpony in der Platzierung: Centis (FS Champion de Luxe / Via Mala), vorgestellt von Sabine Schulze Beckendorf.

Gemeinsame vierte (8,1) wurden Greta Johannsmann / Consin S von Conen aus  einer Vollblut-Mutter von Royal Dragon xx und Charlotte Vornholt / Miss Mighty von Mighty Magic x Londonderry. Miss Mighty fiel auf, da sie eine absolut souveräne Runde galoppierte und dabei sehr schonend mit ihren Ressourcen umging.

Favoritas xx und Heops zeichnen für Red Joker verantwortlich, der vom ****-Sterne-Reiter Julien Despontin auf den sechsten Platz (8,0) geritten wurde. Der Fuchs brauchte zeitweise die Erfahrung des Reiters und zeigte dabei, dass er sowohl "auf groß", als auch "drunter" kann. Gleich zwei Pferde ritt Arne Bergendahl auf Rang sechs: Zunächst Escondido von Eldino / Samum xx, der gleichzeitig das einzige vierjährige Pferd in der Platzierung war. Der sehr hoch im Blut (75 % in der Elterngeneration - und im vierten Viertel tauchen bei den Ahnen Ladykiller xx und Rantzau xx auf) stehende Fuchs war altersgemäß gut unterwegs und zeigte am Sprung, dass er mit jeder Distanz fertig wird. Zum Abschluss ritt er den fünfjährigen Crossfire von Cayado / Champion Du Luys, der sowohl am Sprung als auch zwischen den Hindernissen sehr sicher unterwegs war. Die Notiz auf dem Spickzettel: Einer für mehr.


Cini-Mini - Jarno Debusschere: Das Paar mit den zwei Schleifen - im positiven Sinne genetisch vorbelastet

Zwei weitere Pferde erhielten die Note 8,0: Lightning Cily von Levisonn / Carry, vorgestellt von Melanie Landmeier und der von Jarno Debusschere gerittene Cini-Mini. Der 5jährige Cellestial-Sohn -übrigens das einzige Pferd, das in beiden Prüfungen platziert war (auch 6. in der "L" - 8,0)- gefiel besonders durch die Gleichmäßigkeit, die Übersicht und das angedeutete Potenzial für höhere Aufgaben. Cini-Mini stammt aus einem sportlich sehr interessanten Stutenstamm: Die Mutter Anuschka von Star Regent xx aus der Andora von Kronenkranich xx / Wiesenbaum xx war zunächst in Aufbauprüfungen mit ihrem Züchter Friedrich Butt erfolgreich unterwegs, bevor Kathrin Krage in den Sattel stieg und bis zur Klasse M (inklusive der Teilnahme am Bundeschampionat) und international bis CIC* erfolgreich war.

Die vorgenannte Andora hat ebenfalls Friedrich Butt zum Züchter, wurde ebenfalls von ihm erfolgreich in Aufbauprüfungen vorgestellt und ging dann zur weiteren Ausbildung zu Andreas Dibowski. Erfolge bis CCI*** stehen in der gemeinsamen Vita inklusive des vierten Platzes mit dem Team bei der Euro 1997 in Burghley (11. in der Einzelwertung). Andora ist Mutter des Heraldik xx-Sohns FRH Butts Avedon, der mit seinem ständigen Reiter nahezu 100 Schleifen von der Eignungsprüfung bis CCI**** in Pau, Luhmühlen und Badminton gesammelt hat. Eine Goldmedaille gab es Teammitglied der Europameisterschaft 2013 in Malmö.

Last but not least "im Geld": Julien Despontin mit Chili Supreme (7,8), einer Tochter von Casscoltairo aus einer Vollblut-Mutter von Surako xx, die sehr effizient sprang.

 

Kunststück - Julien Despontin: Von wegen Kunststück, der Gewinn der GP L war der Lohn für eine gute Leistung

In der Geländepferdeprüfung L (für fünf- bis siebenjährige Pferde) stand er dafür bei der Siegerehrung ganz vorne. Die Richter bewerteten die sehr souveräne Runde mit dem 2012 geborenen Kunststück mit 8,4. Der dunkelbraune Kiton xx-Sohn war mit einer sehr rationellen Galoppade sehr zügig unterwegs, erkannte die Aufgaben und löste sie sicher. Mit Lady Lemon FRH hat Kunststück eine sehr berühmte Mutter: Die Lemon xx-Tochter war viele Jahre mit Andreas Ostholt im großen Vielseitigkeitssport bis CCI**** erfolgreich unterwegs. Ihr Großvater Volturno (Vollkorn xx / Manolete xx) sicherte Otto Ammermann 1978 sowie 1980 die deutsche Meisterschaft und gewann mit dem Team Medaillen in Montreal (Olympia 1976) und Lexington (WM 1978).

 

Königsblauer xx - Charlotte Vornholt: Der einzige reine Vollblüter auf dem Geländeplatz

Der zweite Platz (8,2) wurde doppelt vergeben: Isabel Mengeler / Mighty Carrera (Mighty Magic / Chequille) und Charlotte Vornholt / Königsblauer xx (Intendant xx / Sholokov xx) gingen gemeinsam auf die Ehrenrunde. Der fuchsfarbene Vollblüter gefiel durch seinen Bewegungsablauf und einen gesunden Zug zum Sprung. Intendant xx und Kiton xx sind beide Söhne des Ittlinger Derby-Siegers Lando xx.


 

Siena just do it - Ingrid Klimke: Viel Galopp, viel Potenzial

Luthien von La Calido / Templer GL xx galoppierte unter dem Sattel von Arne Bergendahl mit viel Mechanik über den Platz, zeigte sich an den Hindernissen sehr aufmerksam und wurde mit 8,1 und dem vierten Platz belohnt. Auch diese Position in der Ergebnisliste war mit Ingrid Klimke / Siena just do it (Semper Fi / Weltrat) doppelt besetzt. Die professionell vorgestellte sechsjährige Stute -die auch schon in M-Springen erfolgreich ist- bekam die notwendige Unterstützung, um die große Übersetzung und den Elan auszugleichen.

Zusammen mit dem in der A-Prüfung schon ausführlich beschriebenen Cini-Mini ging Flashdancer von Franziskus / Lavirco xx auf die Ehrenrunde (8,0). Der braune Wallach bewegte sich unter dem Sattel von Vanessa Bölting sowohl zwischen als auch über den Sprüngen sehr sicher, vor den Hindernissen wäre er einige Male mit einem Galoppsprung weniger auch gut hingekommen.

Klaus Kurk

 

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