21. Juli 2018

Julia Krajewski und Chipmunk FRH gewinnen - Weckruf für das deutsche Team

 Einen spannungsgeladenen Tag erlebte Julia Krajewski als strahlende Siegerin des CICO*** im Sattel des ehemaligen Bundeschampions Chipmunk FRH. Spätestens am DHL-Wasser (Hindernisse 18 bis 20 von 25) war klar, dass es eine ganz "enge Kiste" werden würde. Chris Burton / Quality Purdey hatten mit der einzigen Inside-the-time-Runde die Führung übernommen, Julias Polster aus Dressur und Springen war genau 17 Sekunden dick.

 

Sie schafft es - sie schafft es nicht. Die Einschätzung wechselte im Takt der ablaufenden Uhr. Unter tosendem Applaus ritt das Paar ins Stadion. Den Früchteoxer mit viel Elan überwunden. Da könnte noch was gehen. Vorm Wasser kurz aufgenommen. War es jetzt genau diese Parade, die am Ende fehlen sollte? Gut ins Nass, noch neun Sekunden vor der Bestzeit. Und wieder heraus Richtung Heckenkombination. Just über dem mittleren Element springt die Uhr um von grün auf rot, von den verbleibenden lediglich 17 Sekunden ist die erste verbraucht, die Anzeigetafel zeigt ganz nüchtern die sich addierenden Strafpunkte.  Über "C". Jetzt noch eine Wendung und zum Abschluss das DHL-Haus. Problemlos. Fünfzehn, sechzehn - die Uhr stoppt. Das Publikum tobt, Standing Ovations begleiten Julia und Chipmunk aus der Arena heraus. Ihr erster Sieg in Aachen. Gratulation.

 

"Wenn man Erster und Zweiter ist, hat man natürlich große Ziele. Trotzdem habe ich versucht das eigentlich wegzuschieben und mich nur auf das Gelände heute zu konzentrieren. Dass das mit Samourai du Thot nicht funktionierte ist sehr, sehr frustrierend, kam für mich überraschend. Ich glaube, wir wissen alle, dass er hier und da schon mal unsicher war, aber eigentlich war seine Form in den letzten zwei Jahren überzeugend. Sicherlich hätte ich mir noch mehr Zeit nehmen können zu dem ersten schmalen [Trapez], andersrum beim zweiten oder dritten Versuch hätte man ja auch rüberspringen können. Das war schon ein Schlag mit dem Hammer vor den Kopf" so der Kommentar von Julia Krajewski zu ihrem Erlebnis mit Samourai du Thot, der völlig überraschend an Hindernis 16 die Zusammenarbeit einstellte.

 

Zwei Trapeze waren vor und hinter die ehemalige Sunken Road gebaut worden und umgeben von zahlreichen Elementen des Hindernisses für die Vierspänner. Gesehen haben die Pferde den Sprung er im fast allerletzten Moment - und für viele war die Anforderung zu hoch: Insgesamt sechs Paare belasteten hier ihr Punktekonto, darunter auch Ingrid Klimke und SAP Hale Bob OLD; mit Will Coleman / OBOS O'Reilly schied ein weiteres Paar hier aus.

 

"Eigentlich war mein Team sehr schnell da und hat gesagt: Komm, jetzt nicht drüber nachdenken, hinten anschieben. Ich hab' mir dann ein paar andere angeguckt, über Chip nachgedacht. Ich weiß auch, dass die beiden total verschieden sind und nur weil der eine mal nicht so läuft heißt das nicht, dass das auch für den anderen gilt und bin dann recht optimistisch auf Chipmunk gestiegen" berichtete die da schon Siegerin über die Zeit zwischen den Starts. "Bevor ich losgeritten bin habe ich so ein bisschen kalkuliert, wie viel Zeit ich so hab'. Er ist zwar ein sehr grundschnelles Pferd, aber da er noch eher jung ist, lange Beine hat, ein bisschen aufwändig galoppiert und der Kurs sicherlich der technisch anspruchsvollste ist, den er bisher gegangen ist war mir klar, dass ich hier und da ein bisschen Zeit brauche, um ihn vorzubereiten." Julia Krajewski weiter: "Ich muss aber ehrlich sagen, wahrscheinlich hätte ich mir gar nicht so viele Gedanken machen müssen, der wollte einfach rüber. Chipmunk ist so ehrlich, straight forward und einfach, der will einfach alles richtig machen. Alles was er halbwegs versteht versucht er und das hat ihm dann unheimlich viel Spaß gemacht. Ich hab gemerkt, von Anfang an, dass ich so ein bisschen hinter meinen Minutenpunkten bin und dann habe ich hinten raus gehofft, dass es gerade reicht. Passte auch, und das ist ein Wahnsinngefühl."

 

Hinter Chris Burton sicherte sich Tim Price das dritte Preisgeld. Mit der Boekelo-Siegerin Cekatinka arbeitete sich der Neuseeländer vom 14. Platz nach der Dressur kontinuierlich nach vorne. Andrew Hoy / Vassily de Lassos verbesserten sich gar von 23 auf 4. Vor einigen Monaten haben sie zusammen das CCI**** in Adelaide gewonnen, heute führten 16 Zusatzsekunden auf Platz 5: Clarke Johnstone und Balmoral Sensation.

 

Mutig ins Nass: Viamant du Matz und Sandra Auffarth

Alle weiteren deutschen Starter bewältigten den von Rüdiger Schwarz konzipierten Geländekurs ohne Hindernisfehler, drei Paaren gelang in diesem top-besetzten Feld eine Platzierung: Die Uhr für Bettina Hoy / Designer stoppte bei 7:32 Minuten: Platz 11. In der Ergebnisliste direkt darunter stehen Sandra Auffarth und Viamant du Matz, die zeitgleich über die Ziellinie galoppierten.


Auf dem Weg zum Preisgeld: Hamilton und Josefa Sommer

Die Schleife für den 14. Platz bekam Hamilton an die Trense gesteckt. Mit Josefa Sommer war der Braune eine Sekunde schneller als Designer und Viamant du Matz.

 





Überfliegerin: FRH Corrida unter Andreas Dibowski

Andreas Dibowski ritt beide Pferde (FRH Butts Avedon und FRH Corrida) sicher durch die Soers (17. und 31.) und konnte das gestern in eine Schieflage geratene Bild wieder gerade rücken, SAP Hale Bob OLD beendeten die Prüfung auf Grund der bereits erwähnten Verweigerung auf dem 19. Rang.

 



Zwei besondere Moment erlebte Kai Rüder, der genau um 12:04 Uhr auf die Geländestrecke gehen sollte. Ab diesem Zeitpunkt lief die Uhr, aber Colani Sunrise noch nicht. Der weigerte sich standhaft, den schmalen Weg zur Startbox auch nur mit einem Huf zu betreten. Eine knappe Minute dauerte die Überzeugungsarbeit. Im DHL-Wasserkomplex sprang der 12jährige Wallach beim mittleren Element zu früh ab, fußte mit einem Vorderbei auf das Hindernis und rette sich gerade noch herüber. Kai kam vor den Sattel, konnte sich aber oben halten. Am Ende war es das Paar, das die längste Zeit unterwegs war (Platz 28).

Tim Lips / Bayro beendeten den Ritt nach einer Verweigerung, insgesamt vier Teilnehmer schieden aus, darunter Thibault Fournier und Oliver Townend nach Stürzen. Fournier erwischte es mit Siniani de Lathus an der Normandiebank, der Absprungpunkt war unglücklich, das Pferd strauchelte zwar noch den Aufsprung herauf, aber der Sturz war zu diesem Zeitpunkt leider unverhinderbar. Reiter und Pferd blieben unverletzt.

Ballaghmor Class hatte im ersten Wasserhindernis den Schwung verloren, sprang aber trotzdem noch über die Ecke. Oliver Townend konnte den Satz nicht aussitzen und landete im Wasser. Reiterlos galoppierte das Pferd weiter, sprang sogar über die Absperrung in die Zuschauer. Nach unbestätigten Meldungen anderer Zuschauer sollen sich dabei zwei Menschen verletzt haben. Vom Veranstalter lag bis zum Abend dazu noch kein Statement vor.

Den ganzen Vormittag strömten wahre Menschenmassen in die Soers, um die Vielseitigkeitsreiter zu sehen und anzufeuern. Eine knappe Stunde vor dem Ende der Prüfung mussten die Offiziellen die Pforten schließen. Frank Kemperman, der Turnierdirektor des CHIO: "Es waren 35.000 Menschen auf der Strecke. Mehr konnten wir aus Sicherheitsaspekten nicht hereinlassen." Ein ausverkaufter Cross-Country-Tag in Deutschland - einmalig und wahrscheinlich auch nur in Aachen möglich.

Das deutsche Busch-Team bekam rechtzeitig vor der Weltmeisterschaft einen Weckruf und wurde bis auf Platz fünf durchgereicht. "Das ist echt eine Enttäuschung. Wir hatten eigentlich vor, hier zu gewinnen. Wir hatten, glaube ich, eine gute Ausgangsposition und hatten auch im Vorfeld vom Gelände her nicht das Gefühl, dass das ein Risiko ist. Eigentlich sind wird das in anderen Kursen alles schon gesprungen" fasste Bundestrainer Hans Melzer den Verlauf des Samstags zusammen. Durch den Ausfall von Samourai du Thot wurden alle anderen Ergebnisse (SAP Hale Bob OLD, Colani Sunrise und FRH Corrida) gewertet und summierten sich auf 206,60 Punkte. Mit den gelben DHL-Decken für die Sieger galoppierten die neuseeländischen Pferde aus dem Stadion. Die Franzosen behielten ihren zweiten Platz, das schwedische Team verbesserte sich auf Rang drei.

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Aachen - Melanie Buckmann (Bilder) & Klaus Kurk (Text)


Alle Detailergebnisse hat die    Rechenstelle  eingepflegt.



20. Juli 2018

Vorne alles wie gehabt - dahinter gibt es erhebliche Verschiebungen

Die Führung des CICO bleibt auch nach dem Springen in Deutschland und auch Julia Krajewski grüßt weiterhin von der Spitze. Das war's dann auch schon in Sachen Kontinuität beim Parcoursspringen - das Feld wurde mächtig durcheinandergewirbelt.


Samourai du Thot und Julia Krajewski auf dem Weg zur Ziellinie

Julia Krajewski und ihr Rio-Olympia-Partner Samourai du Thot präsentierten sich als deutsche Startreiterin in der schon gewohnt guten Form. Da passte alles, und an der Ziel-Lichtschranke auch die Zeit (86,33 Sekunden bei 88 Bestzeit). Um zehn Plätze auf Rang 20 verbesserten sich Josefa Sommer und Hamilton, die ohne Springfehler blieben, allerdings fünf Strafpunkte (nun 37,10) für die Zeitüberschreitung verbucht bekamen. Bundestrainer Hans Melzer: "Man muss einfach sagen, dieser Platz ist schon anders wie andere Turnierplätze, durch diese Größe ist er einfach schwerer." Weitere dreizehn Teilnehmer handelten sich ebenfalls Zeitfehler ein.

 

Nach einem verpatzten Start war alles wieder im Lot: Bettina Hoy und Designer

Bettina Hoy und Designer hätten dem Anschein nach auf dem Abreiteplatz noch zwei weitere Trainingssprünge nehmen sollen, im Parcours jedenfalls touchierte der ansonsten springgewaltige Braune genau die beiden ersten Hindernisse so, dass jeweils die Stangen fielen. Das Zwischenergebnis vor dem Gelände (17. Platz mit 35,30 Punkten) beinhaltet auch fünf Zeitfehler.

 


Einen im Ergebnis rabenschwarzen Springtag erwischte Andreas Dibowski - und das mit beiden Pferden. Mit FRH Corrida war er zunächst sehr gut unterwegs, auf jeden Fall bis Hindernis 9. Danach kam der mit einem Steilsprung überbaute Graben. Hans Melzer beschreibt die Situation: "Die hat da einfach reingeguckt. Sie kam da vielleicht nicht ganz gerade, guckte in den Boden rein und hat dann das Wasser gesehen. Da ist sie dann doch noch ein jüngeres Pferd, wo man dann noch mal nacharbeiten muss." Beim zweiten Versuch erhöhte Dibo den Druck, dabei rutschte die Stange aus der Auflage. Weitere 16 Strafpunkte für die Zeitüberschreitung führen dazu, dass es morgen von Startplatz eins ins Gelände geht.

 

Einer von zwölf, so erging es FRH Butts Avedon an Sprung 6, einem luftigen Steilsprung mit einer roten Stange. Es war das Hinderniss, das am häufigsten gerissen wurde. Für Avedon war es aber leider nur der Anfang. Gut an sieben, gab es an acht und neun zwei weitere Abwürfe. Auch der Einsprung zur dreifachen Kombination wurde dem Paar aus Döhle zum Verhängnis (43,40 Punkte - 35. Platz).

 

Direkt hinter Designer reiht sich Viamant du Matz (18. mit 35,90 Punkten) ein. Sandra Auffarth war mit dem französischen Fuchs sehr gut unterwegs, auch die Zeit passte, sie konnte die Ziellinie schon sehen. Am letzten Oxer berührte Viamant du Matz recht leicht mit dem rechten Hinterhuf die vordere Stange, vier Fehler.

 

Platz eins direkt vor seinem Stallgefährten: Chipmunk FRH

Julia Krajewski ritt ein zweites Mal in die Arena. Mit dem guten Gefühl der ersten Null-Runde pilotierte sie auch Chipmunk FRH fehlerfrei über alle Sprünge inklusive der beiden Kombinationen und war dabei sogar eine Sekunde schneller als beim ersten Auftritt. Mit weiterhin 19,70 Punkten wird sie morgen als letzte Starterin durch die Soers galoppieren. "Was mich heute Nachmittag besonders glücklich gemacht hat, ist dass Chipmunk fehlerfrei gesprungen ist. Dass Samourai du Thot null springen kann wissen wir ja, der springt ja meistens fehlerfrei - zum Glück. Mit Chipmunk war es das erste Mal in einem so großen Stadion mit so viel Atmosphäre. Und ich hab schon gemerkt, dass er ein bisschen angespannt war, und ich vielleicht auch. Aber er hat trotzdem einfach hingeguckt -wie wir sagen- und sich auf seinen Sprung konzentriert. Und ehrlich, ich bin sehr glücklich."

 

Ohne Hindernisfehler, leider etwas zu langsam: Colani Sunrise und Kai Rüder

Spielend wurde Colani Sunrise mit allen Hindernissen fertig, das war alles im Plan. Nicht jedoch die drei Zeitfehler "Ich weiß auch nicht, wo die geblieben sind", die jetzt das Konto von Kai Rüder belasten. Trotzdem ging es von Platz 16 rauf auf 11 (30,80 Punkte).




Bis hierhin fehlerfrei: SAP Hale Bob OLD und Ingrid Klimke am Einsprung der dreifachen Kombination

Den Schlusspunkt setzten Ingrid Klimke und SAP Hale Bob OLD. Fast schon übermütig wartete der amtierende Europameister auf das Startsignal. Hans Melzer dazu: "Der ist voller Saft und Kraft. Der ist schon etwas entspannter wenn er das Gelände im Bauch hat, dann hat er sich so ein bisschen ausgetobt." So wurde es die drittschnellste Runde des Tages, bei der es dann am vorletzten Sprung, dem Aussprung der dreifachen Kombination, leider einen Hinterhandfehler zu vermelden gab (4. Platz mit 26,10 Punkten). Vor dem Münsteraner Paar rangiert ein niederländischer Gast: Tim Lips und Bayro behielten ihr Dressurergebnis von 23,30 Punkten bei.

Lediglich 15 der 41 Starter absolvierten den Kurs fehlerfrei, elf davon in der Zeit. Clara Loiseau aus Frankreich kam nach einem Sturz sofort wieder auf die Beine.

In der Mannschaftswertung machte das französische Team (90,90 Punkte) durch Null-Runden der besten drei Dressurpaare einen Sprung von Platz 7 auf den Rang hinter Deutschland (79,40). Dahinter folgen Neuseeland (92,50), Australien (96,80) und Großbritannien (105,20).

Seit der Rückkehr der Vielseitigkeit in die Soers könnte Julia Krajewski morgen -als zweite Reiterin nach Ingrid Klimke in 21015-  einen Doppelsieg feiern.

Aachen - Klaus Kurk


Für alle Ergebnisse gibt es wieder den hervorragenden Service der     Rechenstelle     .

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