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Die besten Nachwuchsvielseitigkeitspferde suchen ihre Weltmeister in Le Lion-d'Angers (FRA)...

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Für alle Bilder: Einfach anklicken, dann wird's groß.



24.10.2021-KK

Lagona und Cute Girl

sind die Champions der jungen Vielseitigkeitspferde

Lagona mit Anna Lena Schaaf im Sattel gewinnt in Le Lion-d'Angers das CCI2*-L und ist als Nachfolgerin von Cascamara (Ingrid Klimke) für die nächsten zwölf Monate die Weltmeisterin der 6-jährigen Vielseitigkeitspferde. Fibonacci des Lessac HDC gewinnt mit Nicolas Touzaint die Silbermedaille, Bronze geht an Bonmahon Chelsea und Rebecca Chiappero. ChinTonic und Julia Krajewski sind nach dem Springen 5., Great Twist d'Ive Z verbessert sich auf den 14. Platz.

Cute Girl mit Kevin McNab ist die neue Titelträgerin der 7-jährigen Vielseitigkeitspferde. Die Holsteiner Stute beendete das CCI3*-L mit ihrem Dressurergebnis vor Outback und Laura Collett sowie Cooley Snapchat und Selina Milnes. Cinnamon Red und Josephine Schnaufer-Völkel fahren nach einem Abwurf mit der Schleife für den 8. Platz nach Hause. Lillybelle EA und Anna Siemer stehen mit einer kleinen Zeitüberschreitung in der Ergebnisliste auf dem 34. Rang, Just Jaques und Caro Hoffrichter folgen nach zwei Springfehlern an 48. Stelle.


Für Lagona (von Lavagon - Cartani / Züchter: Theodor Sporkmann) und ihre Besitzerin und Reiterin Anna Lena Schaaf wurde es ein Start-Ziel-Sieg

Aller guten Dinge sind Drei: Nach den beiden Siegen in den Vorbereitungsprüfungen in Jardy und Langenhagen machten Lagona und Anna Lena Schaaf im wahrsten Sinne des Wortes den Sack zu und beendeten die WM in Le Lion mit ihrem Dressurergebnis. Fünf Jahre nach ihrem ersten internationalen Titel gewinnt die erst 20-jährige Rheinländerin ihren bereits dritten Einzeltitel mit der braunen OS-Stute, die sie wenige Tage vor dem letztjährigen Bundeschampionat erworben hat. Apropos Bundeschampionat: Vielleicht ist der Gewinn heute so etwas wie der Ausgleich für den verpassten Titel in 2020, den das Pferd gewonnen hätte, wäre die Reiterin vor der Finalrunde dem Wasser fern geblieben.

Einige Minuten vor ihrem Start stand sie mit Marcus Döhring an der Bande vor der Zuschauertribüne und holte sich die letzten Tipps für den Parcours mit den 11 Hindernissen und 13 Sprüngen. Marcus Döhring: "Die ersten Reiter hatten Zeitprobleme. Und was machen die Richter? Sie nehmen die Bestzeit noch weiter runter. Eigentlich sollte Leni die 30-Meter-Distanzen mit acht Galoppsprüngen reiten, das haben wir dann auf sieben umgestellt."

Die Runde auf dem großen Platz erwies sich als schwierig. Bevor Lagona und Anna Lena das Stadion betraten, waren erst fünf Paare fehlerfrei geblieben. Fest stand in diesem Moment, dass sich Bonmahon Chelsea und Rebecca Chiappero vom 10. mindestens auf den 3. Platz verbessern würden, Fibonacci de Lessac HDC und Nicolas Touzaint hatten mit einer Doppel-Null die Führung übernommen, dabei davon profitiert, dass Fair Lady des Broucks und Thomas Carlile die gute Ausgangsposition als 2. nach dem Gelände mit drei Abwürfen aus der Hand gegeben hatten. Aus der möglichen einen Sekunde Zeitüberschreitung waren zwei geworden, das war es dann aber auch schon.

Mit dem Minenspiel einer Pokerspielerin, die alle Trümpfe in der Hand hat, pilotierte Anna Lena Schaaf Lagona durch den Parcours. Jeder Absprung saß, jede Distanz passte. Als die 5er zwischen der Triplebarre (Hindernis 5) und dem nächsten Steilsprung etwas eng wurde, half eine kurze Korrektur und ein leises "Hohhh" der Reiterin. Die Oxer-Steil-Kombination mit den zwei Galoppsprüngen, der für einen Galoppsprung als vorletztes Hindernis aufgebaute Doppelsprung Steil-Oxer und auch der blau-rote Hochweitsprung mit dem Eiffelturm als Schlusssprung  - es sah alles aus, wie tausend Mal trainiert, erfolgreich trainiert. Sieg. Chapeau! Und was die mögliche kleine Zeitüberschreitung betraf - Lagona legte die schnellste aller Runden hin.

Anna Lena Schaaf, nach dem der erste Jubel-Trubel vorüber war: " Irgendwie ist es immer noch nicht ganz wirklich. Vorhin habe ich erst einmal den LKW gepackt, damit wir direkt nach der Siegerehrung fahren können." In den letzten Wochen hatte sie mit der Euro-Silbermedaille, dem Team-Titelgewinn und dem ersten 4*-Sieg vor einer Woche in Strzegom wahrlich einen super Lauf. Da drängte sich die Frage, ob sie ein Glückskind sei oder eine fleißige Erfolgsreiterin geradezu auf: "Ich glaube, beides, ich glaube, ohne beides geht es nicht. Ohne Fleiß geht es nicht, ohne Glück geht es aber genauso wenig. Das Quäntchen Glück braucht man gerade am Ende im Springen. Fleiß ist es, denke ich, aber auch. Ich glaube, ich mache schon sehr viel dafür - und es ist natürlich schön, wenn es sich dann irgendwann so auszahlt. … Jetzt ist erst einmal Pause und Lagona geht zu meiner Mama auf die Wiese, sie wird mal ausreiten, dann gehen wir ganz entspannt in die Winterarbeit - und dann gucken wir mal, ob wir uns nächstes Jahr hier wiedersehen."


ChinTonic (von Contendro - Heraldik xx / Züchter: Wolfgang Lutz / Besitzer: Wilhelm Dumrath, Friederike Plagmann und die Reiterin) und Julia Krajewski beenden das CCI2*-L mit 31,90 Punkten auf einem hervorragenden fünften Platz  -  und ist damit seinem berühmten Vollbruder fischerChipmunk FRH schon mal einen Schritt voraus

Für den deutschen Auftakt hatten Great Twist d'Ive Z und Julia Krajewski gesorgt. Der Schimmel, der am Freitag in der Arena noch so scheute, absolvierte sein Programm heute bilderbuchmäßig. Mit ganz viel Vermögen, Übersicht und Ausgeglichenheit nahm er alle Aufgaben an und querte am Ende die Ziellinie mit einer kleinen Zeitüberschreitung. Mit ihrem zweiten Pferd ChinTonic hätte Julia im Falle einer fehlerfreien Runde das Spitzentrio gehörig unter Druck setzen können. Hätte. Zum Ende hin wurde die Fahrt ganz schön flott und in der zweifachen Kombination rollte eine Stange aus der Auflage.

Great Twist d'Ive Z (von Gemini xx [einem Klon von Gem Twist] - Quidam de Revel / Züchterin: Isabelle van Eeckhout / Besitzer: Bernd Heike und die Reiterin) und Julia Krajewski beenden die Aufholjagd mit 35,80 Punkten auf dem 14. Platz

"Great Twist sprang sehr, sehr gut. Er ist einfach ein ganz, ganz tolles Pferd. Ich glaube, er hat im Gelände und im Springen gezeigt, warum ich glaube, dass er ein Weltpferd ist. ChinTonic wollte eigentlich gerne null springen, kam dann aber ein bisschen doll in letzte Kombination rein, leider. Er war da nicht so ganz vor mir, wir waren uns nicht schnell genug einig. Und trotzdem ist es ein ganz tolles Ergebnis, ein fünfter Platz bei der WM. Besonders für mich, weil ich ihn selber angeritten habe. Ich hab' ihn, seit er ein Fohlen war und so schnell geht das, dann sind sie plötzlich sechs. Ich glaube, dass die jungen Pferde von hier ganz, ganz viel mitnehmen. Es ist ja doch immer eine Überraschung, wie sie damit umgehen. Man freut sich, wenn man am letzten Tag das Gefühl hat, die können noch, die springen und haben das alles gut verarbeitet. Ich freue mich auf die nächsten Jahre mit den beiden."

Die drei Sekunden Zeitüberschreitung heute kosteten Great Twist d'Ive Z die Platzierung, die Unerfahrenheit am Freitag eventuell den Sieg, und dennoch war es eine starke Leistung.


Eine Parcoursrunde und ein Ergebnis, das die Reiterin glücklich gemacht hat:

Cinnamon Red (von Cascadello I x Cordino / Züchter: Helmut Bergendahl / Besitzer: Schnaufer GbR) und Josephine Schnaufer-Völkel rangieren im CCI3*-L mit 32,50 Punkten auf dem 8. Platz

Cinnamon Red und Josephine Schnaufer-Völkel zeigten eine sehr souveräne Parcoursrunde, hatten zehn der elf Hindernisse, darunter eine zwei- und eine dreifache Kombination, sicher überwunden, konnten sich schon fast mit der neuen Führung anfreunden - da viel vom letzten Oxer eine Stange in den weißen Sand.

"Wir haben ein bisschen Pech gehabt, aber ich bin trotzdem sehr, sehr zufrieden mit der Leistung, die der kleine gemacht hat. Ich bin froh. Top-10, was will man mehr, dafür, dass er vor einem Jahr noch unreitbar war. Ich habe ihn bekommen, da war er dreijährig und er war nie einfach. Vierjährig, glaube ich, hat er jeden Tag seinen Reiter erst einmal runter geschmissen. Fünfjährig habe ich mich dann wieder raufgetraut. Wir haben alles versucht, aber er ist überall stehen geblieben. Sechsjährig fing es dann an, besser zu werden und das wir heute hier sind, das hat noch keiner geglaubt. Und dann noch Top-10, da bin ich sehr zufrieden. Heute hat er sich auf dem Abreiteplatz schon super präsentiert. Eigentlich so, wie ich es erwartet habe. Es ist ein super Springpferd. Von daher kann ich mehr als zufrieden sein. Der Fehler am letzten Sprung hat doch wohl noch was mit der Kraft zu tun. Er ist da wohl mehr nach vorne als nach oben gesprungen. Das ist jetzt einfach Pech gewesen und das macht ihn nicht schlechter. Beim nächsten Mal müssen wir es einfach noch besser machen. Jetzt macht er Winterpause, geht auf die Wiese, macht ein bisschen Aquatraining. Dann fangen wir irgendwann ganz in Ruhe wieder an, werden viel ausreiten. Das Ziel für das nächste Jahr wird sein, irgendwann im Herbst eine leichte 4* zu gehen. Gestern im Gelände hat er mir gezeigt, dass er das kann und darauf auch Lust hat."


Lillybelle EA (von Diarado - Lissabon / Züchterin und Besitzerin: Elisabeth Ahn) und Anna Siemer: Alles ist machbar nach diesem 34. Platz mit 67,50 Punkten

"Nein!" Und zum Schreiber gewandt: "Manchmal ist nein sagen einfach schön." Schon ein paar Minuten nach dem Parcoursauftritt schwirrten zwei Menschen aus dem Umfeld von Caroline Powell um Lillybelle EA herum, ehe sie mit der Frage nach der Verkäuflichkeit der Stute die Katze aus dem Sack ließen. Aber das Thema erledigte sich Dank Anna Siemers Einsilbigkeit prompt. Die braune Stute hatte über die bunten Stangen ihrer Spring-Abstammung alle Ehre gemacht, spielte mit den Anforderungen und ließ sich gut reiten. Das die Uhr am Ende einen Bruchteil einer Sekunde zu spät stoppte, war der Distanz von der zweifachen Kombination zum letzten Oxer geschuldet. Nach Annas Aussage klebte Lillybelle einen Moment an der Bande und brauchte daraufhin einen Galoppsprung mehr.

"Besser geht immer, ich heiß ja nicht Michi" sagt sie und lächelt dabei. "Da muss man das Pferd so ausbilden, dass sie auch aus der Distanz fehlerfrei springt. Das hab' ich geschafft, die Zeit habe ich wohl vor der Triplebarre verloren. Sie sprang super, sie braucht keinen Fehler draußen. Die kannst du abspringen wie zum normalen A-Springen. Also, das macht viel Spaß." Auf die Fragen nach den Erfahrungen der sechs Frankreich-Tage: "Also Stufe raus, bei der Geländebesichtigung hab' ich noch gesagt, das hat sie ja schon mal gemacht oder so ähnlich. Wann ist sie denn dieses Jahr eine Stufe aus dem Wasser gesprungen? Gar nicht, also nicht ein einziges Mal, in keiner Prüfung. Im Training bestimmt mal, aber nicht einmal auf einem Turnier. OK, letztes Jahr. Wo ist sie im letzten Jahr eine Stufe 'rausgesprungen? [Pause] Gar nicht. Also, das war so, sie hat das wirklich noch nicht gemacht, aber sie ist ja grundsätzlich ein Pferd, das gerne mitmacht. Deshalb habe ich gedacht, wir liegen gut und die Zeit für die Alternative können wir uns nicht erlauben und wir probieren es. Dann berührte sie ganz leicht mit dem linken Vorderbein die Stufe und dadurch 15, 20 Zentimeter zu weit nach links - und dann war's eben vorbei. Aber wir lernen daraus, dass wir das nächstes Jahr über, den Rest können wir ja jetzt. Das ist doch gut" und lächelt dabei wieder. "Jetzt ist er mal Pause, erst mal so ein bisschen runter kommen von der ganzen Nummer. Dann werden wir Wechsel üben, Rückwärtsrichten üben, Wechsel üben. Irgendwie reiten wir ja immer weiter Dressur und das werde ich auch weiter üben. Ansonsten sie gesund und fit halten, und fröhlich."


Der Überflieger mit der Amatuer-Pilotin:

Just Jaques (von Black Jack - Nautilus) mit seiner Züchterin, Besitzerin und Reiterin Caro Hoffrichter fahren als Ankommer zurück ins Rheinland; 48. Platz mit 108,40 Punkten

Als wolle er noch etwas beweisen, flog Just Jaques mit Caro Hoffrichter über die Hindernisse. Zum Ende hin fehlte wohl ein Konglomerat aus Routine, Kraft und Glück: Bei den letzten drei Sprüngen sammelten sich die acht Fehlerpunkte (Einsprung der Kombination und der Oxer-Schlusssprung) an.

"Ich habe ein super Pferd, muss aber im Winter wieder ein bisschen Springen reiten. Die Routine ist durch die ganzen durch Corona ausgefallenen Turniere weg. Ich bin Amateurin und durfte den ganzen Winter über kein Turnier reiten und das merke ich einfach in dieser Saison. Die komplette Saison über habe ich immer wieder Reiterfehler gemacht, die durch Routine so in den letzten Jahren eigentlich nicht mehr passiert sind. Zwei Fehler mit einem Pferd das abartig springt, muss man einfach nicht haben.

Hier gingen auch beide Fehler auf meine Kappe, ich hätte ihn einfach vor dem letzten noch mal schließen müssen, den letzten Sprung einfach besser vorbereiten müssen. Das ging wirklich auf meine Kappe, die muss er nicht haben. Insgesamt nehme ich aus Le Lion mit, dass es als Amateur schon ganz schön schwierig ist, den Aufgaben gewachsen zu sein. Das habe ich gestern im Gelände gemerkt. Mit einem siebenjährigen Pferd so einen Kurs zu bewältigen, das war nicht ohne. Da habe ich schon das Gefühl, dass die Profis mehr Trainingsmöglichkeiten haben, die sie auch nutzen und dadurch die Pferde die Aufgaben schon mal kennen, dass sie wissen, da gibt es noch ein C-Element. Sachen, die wir im Training gar nicht so oft geübt haben. So wie mit dem Wasser. Rein, raus und dann kommt da sofort ein dritter, da war er nicht ganz drauf vorbereitet. Und trotzdem nehme ich mit, dass es als Amateur möglich ist, selbst wenn man dann mal nicht ganz so gut abschneidet und das es natürlich toll ist, das mir die Möglichkeit gegeben wurde, mitzufahren. Das Turnier ist einfach der Wahnsinn. Ich habe noch nie ein so schönes Turnier erlebt. Wirklich nicht."

Der Runner-Up der 6-jährigen mit 26,80 Punkten:

Fibonacci de Lessac HDC (von Carinjo*HDC - Bright Silver) unter Nicolas Touzaint

Bronze bei den 6-jährigen mit 31,70 Punkten:

Bonmahon Chelsea (von Chellsini - Ramiro B) unter Rebecca Chiappero

Vierter bei den 6-jährigen mit 31,90 Punkten:

Cil Dara Dallas (von Diarado - Koyuna Quarterback) mit Isabel English im Sattel


Auch Cute Girl (von Coventry - Clearway / Züchter: Hobe Magens / Besitzer: Scuderia 1918 / Reiter: Kevin McNab) sammelte Punkte ausschließlich auf dem Dressurviereck und hat im zweiten Anlauf einen Le Lion-Titel gewonnen

Runner-Up bei den 7-jährigen mit 27,20 Punkten

Outback (von Duke of Hearts xx - Sixtus / Züchter: Trakehner Gestüt Grigoleit) unter Laura Collett

Bronze bei den 7-jährigen mit 28,30 Punkten:

Cooley Snapchat (von Kannan - VDL Arkansas) unter Selina Milnes


Vierter bei den 7-jährigen mit 29,80 Punkten:

Johan-Some (von Lexicon - Rabiat Z) unter Gemma Tattersall

Fünfter bei den 7-jährigen mit ebenfalls 29,80 Punkten:

Heads up (von OBOS Quality x Lux Z) mit Hayden Robert Hankey im Sattel  -  den Ausschlag bei der Rangierung pro Gemma gab ihr besseres Geländeergebnis








Alle Ergebnisse hält Worldsporttiming bereit:

https://results.worldsporttiming.com/event/68

Die Top-15 des Jahrgangs 2015…

… und die aus 2014




24.10.2021-Ad hoc aus Le Lion:

Sie haben es gemacht  -
Lagona mit Anna Lena Schaaf
ist die neue Weltmeisterin der 6-jährigen Vielseitigkeitspferde!!!!!!!!

Fibonacci des Lessac HDC gewinnt mit Nicolas Touzaint die Silbermedaille, Bronze geht an Bonmahon Chelsea und Rebecca Chiappero.

ChinTonic und Julia Krajewski sind nach dem Springen 5., Great Twist d'Ive verbessert sich auf den 14. Platz.

HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH an ALLE!!!  🥇🥈🥉



23.10.2021-KK

Lagona / Anna Lena Schaaf

und Cute Girl / Kevin McNab führen in Le Lion

Die beiden führenden Paare zeigten im Cross von Le Lion-d'Angers mit fehlerlosen Runden ihre Führungsqualitäten. Bei den 6-jährigen Pferden sind auch die Verfolger von Lagona und Anna Lena Schaaf diejenigen, die es gestern schon waren: Fair Lady des Broucks / Thomas Carlile,  Finbonacci de Lessac HDC / Nicolas Touzaint und ChinTonic / Julia Krajewski behalten ihre Plätze zwei bis vier. Mit Great Twist d'Ive Z verbesserte sich Julia auf den 21. Platz.

Der 2014er Jahrgang genehmigte sich ein paar mehr Veränderungen: Hinter Cute Girl / Kevin McNab und Outback / Laura Collett konnten sich Cooley Snapchat / Selina Milnes sowie Evita AP / Sarah Bullimore um je einen Platz verbessern. Cinnamon Red und Josephine Schaufer rücken nach einer Doppel-Null-Runde ebenfalls um einen Rang auf 6. vor. Lillybelle EA und Anna Siemer sind nach einem Stopp 40., Just Jaques und Caro Hoffrichter nach zweien 50. Promising Pete TSF / Felix Etzel und Italia / Liv Elin Gunzenhäuser haben diese Weltmeisterschaft vorzeitig beendet.

Den Auftakt-Wettkampf des Tages entschied gerade rechtzeitig zum ersten Starter die Sonne gegen den Nebel für sich. Nur sehr langsam lösten sich die über der gesamten Rennbahn liegenden Schwaden auf, gaben nur widerwillig den Blick auf das Vorbereitungsareal sowie die ersten und letzten Hindernisse frei. Nach dem Corona-Ausschluss im letzten Jahr strömten heute rund 26.000 Zuschauer auf das Gelände, schon an den beiden Dressurtagen waren insgesamt 14.000 Menschen auf die Isle Briand gekommen. Hans Melzer meinte gar: "Gefühlt waren es heute mehr als in Boekelo."

Alle Details zu den beiden Prüfungen -und auch zu einigen weiteren deutschen Pferden- stehen heute bei den Bildern. Freundlicherweise hat sich der scheidende Bundestrainer Hans Melzer am frühen Abend die Zeit genommen, seine Einschätzungen und die einiger ReiterInnen zu erzählen. Diese Infos finden sich ebenfalls in den Fotobeschreibungen.

Der Fence-Report für die 6-jährigen Pferde ist schnell erzählt, kommt doch seit Jahren der überwiegende Teil der Aspiranten mit den gestellten Anforderungen hervorragend zurecht. Dieser Umstand ist nachvollziehbar, da jede Nation maximal 3 Pferde schicken darf, und wenn man davon ausgeht, dass sich jeder Verband bestmöglich präsentieren will, kommen diese Ergebnisse dabei heraus. Damit die Aussage im richtigen Licht bleibt: Die gestellten Aufgaben sind ganz oben an der Grenze des CCI2*-L, alle verschiedenen Aspekte wurden im Cross abgefragt. Eine Aussage von Hans Melzer dazu: "Die Kombination im ersten Wasser [8ab] war mit den vier Galoppsprüngen schon heftig. In einer normalen 2-Sterne steht sie auch schon mal auf sechs oder sieben."

Mit dem fast-optimalen Ergebnis beendeten 23 Pferde diesen Kurs (niemand traf die Bestzeit von 8:44 Minuten genau), 12 weitere ohne Hindernisfehler. Drei Paare schieden nach Stürzen aus, die alle glimpflich ausgingen: Zwei ereigneten sich nach Ausrutschern hinter dem steilen Abhang vor Hindernis 20 beim Wechsel auf die Rennbahn, einer an 13b. Drei Mal stoppten die Pferde am Steilsprung (4b) hinter dem Löwen, zwei Mal am B-Element des ersten Wasserkomplexes (8). Die Gießkanne (1) und die Schlange (19) benötigten je einmal einen zweiten Versuch.

Von den 7-jährigen Pferden stiegen drei Reiter vorzeitig ab (7b, 7b und 13c), einen bösen Sturz hatte Heloise le Guern an 19b: Respektlos sprang Carentina d'Orvaux Z vom Hausdach (19a), bremste auch vor dem Trapez kein wenig ab, rasierte es quasi. Aus etwa 100 Meter Entfernung sah es so aus, als wäre die Reiterin beim anschließenden Rotationsfall unter das Pferd gekommen. Trotz der Sicherung drehte sich der Sprung um 180 Grad. Schnell waren die Sichtschutzzäune aufgebaut, die Sanitäter und der TD vor Ort. Es dauerte rund 20 Minuten, bis Heloise unter dem Beifall der Zuschauer den Ort des Geschehens verlassen konnte. Für weitere Untersuchungen wurde sie nach Angers ins Krankenhaus gebracht. Bis jetzt (23:30 Uhr) liegen noch keine Informationen über ihren Gesundheitszustand vor. Dem Pferd geht es laut dem FEI-Bulletin gut.

Die Hindernisfolge 19ab und 20 hatte es in sich: Insgesamt sind dort 12 Verweigerungen notiert, genau so viele, wie an allen anderen Sprüngen zusammen. Dreizehn Paare haben nach wie vor nur ihre Punkte aus der Dressur in der Ergebnisliste, weitere 20 Teilnehmer kamen lediglich mit einer Zeitüberschreitung von einer Sekunde bis zu mehr als einer Minute ins Ziel.

Ein Hinweis mit zwei Varianten: Wer beide Kurse mit allen Hindernissen sehen möchte, kann entweder hier bis Freitagmittag zurückscrollen oder wechselt zu www.eventing-inside.de und ist dann nur noch einen Klick von der Galerie entfernt.

Alle Ergebnisse und Listen hält Worldsporttiming bereit:

https://results.worldsporttiming.com/event/68



Lagona (von Lavagon - Cartani / Züchter: Theodor Sporkmann) und ihre Besitzerin Anna Lena Schaaf an Hindernis 2  //  1. mit 25,80 Punkten

Mit 22 Sekunden Reserve überquerten sie die Ziellinie und führen weiterhin das Feld der 6-jährigen Pferde mit einem allerdings kleinen Vorsprung an, eine Sekunde Zeitüberschreitung ist auf jeden Fall möglich, bei einer zweiten könnte der Sieg an Fair Lady des Broucks gehen

Hans Melzer: Lagona, ja, Lagona. Leni und Lagona, das ist so eine kleine Geschichte. Erst einmal ist Lena unheimlich in Form im Moment. Sie hat ein unheimliches Talent und ist fleißig. Sie kann richtig reiten, kann Pferde ausbilden - und das hat man hier gesehen. Sie macht das für ihr Alter schon unheimlich professionell. Im Frühjahr schon hat Marcus [Döhring] zu mir gesagt, dass ich mir den Namen Lagona merken soll. Er meinte, sie müsse mit nach Le Lion. Aus dem Wasser [15] heraus, da war das Pferd einmal nicht sicher, wo der letzte Galoppsprung vor der Hecke hingehen sollte. Sie wollte nicht vorbeilaufen, kam aber etwas aus der Richtung. Da hat Anna Lena reagiert wie ein alter Reiter, einmal richtig zugegriffen und das war sie drüber. Toll, echt toll. Reiter und Pferd, da ist viel Zukunft. Anna Lena war natürlich total begeistert davon, wie ihr Pferd gegangen ist.



Cute Girl (von Coventry - Clearway / Züchter: Hobe Magens / Besitzer: Scuderia 1918) und Kevin McNab an Hindernis 2  //  1. mit 26,90 Punkten

Sie haben damit weitergemacht, wo sie im letzten Jahr unterbrochen wurden: Mit einer fehlerfreien Geländerunde, die nach 8:55 Minuten 9 Sekunden vor dem Zeitlimit beendet war. Ob es an Kevins Fauxpas aus 2020 liegt ist unbekannt, aber heute wurden die Hindernisse der jeweils anderen Prüfungen mit roten und weißen Flaggen gekreuzt. Das Zwischenresultat ist alles andere als ein Ruhekissen, schon der Hauch einer Zeitüberschreitung kann den Titel kosten.



ChinTonic (von Contendro - Heraldik xx / Züchter: Wolfgang Lutz / Besitzer: Wilhelm Dumrath, Friederike Plagmann und die Reiterin) und Julia Krajewski an Hindernis 20  //  4. mit 27,90 Punkten  -  heute eines der 23 Doppel-Null-Paare bei den 6-jährigen Pferden

HM: Er war super und Julia war auch ganz begeistert. Wie er sich hier verhalten hat, wie er sich dargestellt hat, das war wirklich gut. Er hat schon richtig Talent, nicht nur, weil er der Vollbruder von Chipmunk ist. Julia sagt sogar, dass er in vielen Dingen einfacher ist, als Chip in dem Alter. Er ist kleiner und handlicher, der andere ist so eine richtig große Maschine. Er hat eine tolle Einstellung, den kann man richtig arbeiten. Das hier war sein bestes Turnier. Er hat das Talent für die Championate - und die richtige Reiterin hat er auch. Gute Pferde werden halt gemacht, und das Julia das kann, haben wir an allen drei Top-Pferden, die sie in Richtung Olympia und so geritten ist, gesehen. Das kann sie und ich bin sicher, dass ChinTonic auch mal einer werden kann. Es ist noch ein langer Weg, nächstes Jahr ist er sieben Jahre und er muss gesund bleiben. Ich glaube, die Pferde haben heute hier alle viel mitgenommen. Die Atmosphäre ist schon besonders und der Kurs für die sechsjährigen war deutlich technischer als sonst.



Cinnamon Red (von Cascadello I x Cordino / Züchter: Helmut Bergendahl / Besitzer: Schnaufer GbR) und Josephine Schnaufer-Völkel an Hindernis 2  //  6. mit 28,50 Punkten, die auch nach der Dressur schon in der Ergebnisliste standen

HM: Josi hat ein tolle Runde geritten, es ist ein tolles Paar für die Zukunft. Das Pferd hat ganz viel Vermögen und Qualität, der kann dicht, der kann auch mal groß - das spielt alles keine Rolle. Und er kann easy in die Zeit laufen. Er hat einen riesen Galopp, ein riesen Springvermögen und lässt sich reiten - und sie hat einfach toll geritten, das sah super aus. Ich glaube, dass beide im nächsten Herbst Vier-Sterne gehen.



Great Twist d'Ive Z (von Gemini xx [einem Klon von Gem Twist] - Quidam de Revel / Züchterin: Isabelle van Eeckhout / Besitzer: Bernd Heike und die Reiterin) und Julia Krajewski an Sprung 4b  //  21. mit 25,80 Punkten, die dem Dressurergebnis entsprechen  

HM: Der war toll im Gelände, das war einfach super. Vom körperlichen ist er schon viel weiter entwickelt als ChinTonic, dazu hat er viel Blut und ganz viel Vermögen. Ich glaube, das ist ein ganz, ganz tolles Pferd für Julia. Er kam heute so fit in Ziel, der hat gar nicht gepustet. Er kam hier an, als wenn nichts gewesen wäre. Das ist ein Pferd für deutlich mehr.



Lillybelle EA (von Diarado - Lissabon / Züchterin und Besitzerin: Elisabeth Ahn) und Anna Siemer an Hindernis 21  //  40. mit 67,10 Punkten  -  nach einem Vorbeiläufer an Sprung 13c

HM: Von Lillyelle bin ich ein bisschen enttäuscht, da hatte ich mir mehr versprochen. Am Bildschirm haben sie den Vorbeiläufer einmal in der Zeitlupe gezeigt. Sie sprang ein bisschen groß, ein bisschen sehr hoch die Kante raus und kam dadurch ein bisschen weit, ihr ein bisschen aus der Spur. Wir hatten noch gesagt, ein bisschen rechts bleiben, da, wo die Hecke höher wird - dann gehen die sowieso noch 'nen halben Meter nach links. Sie sprang so groß raus, dass sie ein bisschen weit nach links kam. Anna hat dann noch versucht, dass zu retten, aber bei nur einem Galoppsprung ist das einfach Glücksache, wenn man da dann noch 'rüber kommt. Das war schon eine schwierige Linie und was dauernd wechselte, war das Licht. Mal war die Kante in der Sonne, dann war die Kante im Schatten, vielleicht war sie da auch einfach irritiert. Es ist ein tolles Pferd, da mache ich mir keine Sorgen, dass die nicht über 4-Sterne geht. Sie hat alles drin an Vermögen und lässt sich arbeiten. Sie braucht noch ein Jahr, ist auch körperlich noch nicht fertig. Aber man braucht nicht viel Fantasie, um sie sich im 4-Sterne-Bereich vorzustellen.



Just Jaques (von Black Jack - Nautilus) mit seiner Züchterin, Besitzerin und Reiterin Caro Hoffrichter an Hindernis 18  //   50. mit 100 Punkten  -  nach zwei Stopps an 7c und 19b

HM: Caro war sehr happy mit ihrem Ritt, sie sagt aber auch, dass sie mehr trainieren muss. Sie meinte, dass er den schmalen Sprung im Wasser gar nicht gesehen hat, dass er ihn gar nicht wahrgenommen hat. Das sind natürlich so Sachen, die man immer wieder trainieren muss. Er kann ganz viel Springen, hat leider im Schritt seine Schwäche. Er geht einen super Galopp, hat eine tolle Trabtour, das ist alles gut, aber dieser Schritt ist schon schwierig. Wenn er keine Anlehnung hat, geht das. Da muss man viel spazieren reiten und am Berg klettern, dann lernt er das vielleiht noch. Beim Dach runter musste sie ein bisschen loslassen, damit das Pferde sich balancieren kann. Dann ist er leider so halb hin zu der Triple-Hecke, aber sie konnte nicht mehr abwenden. Das waren da schon genau acht Minuten und es ist am Ende eine schwere Aufgabe.



Promising Pete TSF (von Hirtentanz x Hyalit / Züchter: Dr. Hans-Peter Karp / Besitzer: Judith und Michael Dütemeyer sowie das DOKR) und Felix Etzel an Hindernis 4b  //  fehlerfrei, aber mit einem unguten Gefühl hat Felix den Ritt vorzeitig beendet

HM: Ich hab' bis jetzt nur gehört, dass er schon am Anfang sehr klemmig war, auch bei 8abc, die Häuser mit der Ecke und Felix das Gefühl hatte, dass er total fest war und gar nicht zog. Dann hat er da aufgehört, weil er einfach merkte, das es heute nicht geht. Er sprang draußen sehr vorsichtig, sehr hoch, aber im Kurs rutschte er heute hier rüber und da rüber. Er kam nicht einmal so richtig in Gang, und normal ist das eine Galoppiermaschine. Wenn man so ein Gefühl hat, hat Felix alles richtig gemacht, als er aufgehört hat. Bevor noch irgendetwas passiert.



Italia (von Icare d'Olymp AA - Der Dürer / Züchter: Gestüt Inselhof - Dr. Mechthild Bause / Besitzer: Ole Christian Gunzenhäuser) und Liv Elin Gunzenhäuser an Hindernis 5  //  Nach der Aussage von Hans Melzer hat Liv nach der zweiten Verweigerung an Hindernis 11 aufgegeben, im Fence Report sind drei Verweigerungen festgehalten

HM: Schade. Sie war die letzten Turnier gut, hier, das war ihr großes Jahreszielt. Sie war vorher in Warendorf zum Training, das war alles gut. Beim Abreiten war alles normal. Am Bildschirm habe ich gesehen, dass das erste Wasser schon mühsam war, obwohl die Distanz für ihn gut gepasst hat. Und bei den Gräben zog er gar nicht hin, er hat richtig gebremst. Sie kam aus der Wendung und musste richtig reiten und er guckte nur unten in den Graben. Beim zweiten Mal blieb sie schon fünf Meter davor stehen, so, als wenn sie noch nie vorher einen Graben gesehen hätte. Untypisch, da sie ja schon gute Platzierungen in 3-Sterne hat und schon anspruchsvolle Prüfungen gegangen ist. Beim Abreiten hatte ich das Gefühl, die beiden sind topp drauf.


Fair Lady des Broucks (von Upsilon - Chin Chin) und Thomas Carlile an Hindernis 20 // 2. mit 26,50 Punkten bei den 6-jährigen

Fibonacci de Lessac HDC (von Carinjo*HDC - Bright Silver) und Nicolas Touzaint an Hindernis 17  //  3. mit 26,80 Punkten

SHB Big Wall (von Pissance - Courage II) und Izzy Taylor an Hindernis 6  //  5. mit 28 Punkten  -  weil sie im Gelände eine Sekunde langsamer, und damit näher an der Bestzeit, waren, als…


Dourough Ferro Class (von Creevagh Ferro ex Siebe - OBOS Quality) und Sarah Ennis an Hindernis 17  //  6. mit 28 Punkten


Headlys Deluxe (Holsteiner von Duke of Hearts xx - Casall / Züchter: Headley Stud Eventing LLP Julien Stiller) und Giovanni Ugolotti an Hindernis 11  //  16. mit 33,60 Punkten nach einer recht kurzen Geländerunde: Bereits bei 8:37 Minuten stoppte die Uhr


Outback (von Duke of Hearts xx - Sixtus / Züchter: Trakehner Gestüt Grigoleit) und Laura Collett an Hindernis 4b  //  2. mit 27,20 Punkten bei den siebenjährigen, die wie das Führungsduo nach 8:55 Minuten -natürlich- ohne Hindernisfehler im Ziel waren

Cooley Snapchat (von Kannan - VDL Arkansas) und Selina Milnes an Hindernis 18  //  3. mit 27,50 Punkten

Evita AP (OS-Stute von Con Air - Flyinge Electro / Züchterin: Anne Peyer) und Sarah Bullimore an Hindernis 1  //  4. mit 27,90 Punkten


Cooley Rosalent (von Valent - Roselier) und Oliver Townend an Hindernis 5  //  5. mit ebenfalls 27,90 Punkten  -  sie waren einfach drei Sekunden zu schnell


Senor Crocodillo (ex: Cusco S / Holsteiner von Connor - Exorbitant xx / Züchterin: Anke Siewertsen) und Samantha Lissington an Hindernis 5  //  31. mit 55,80 Punkten nach einem Stopp an 19b




22.10.2021-KK

Vorne kleine Verschiebungen - und zwei deutsche Spitzenreiter

Niemand konnte Lagona und Anna-Lena Schaaf -der ein britischen Magazin gestern das Attribut 'Wunderkind' zuschrieb- heute das Wasser reichen. Sie führen bei den 6-jährigen Pferden weiterhin vor Fair Lady des Broucks / Thomas Carlile. Finbonacci de Lessac HDC / Nicolas Touzaint setzten sich in der Rangierung vor ChinTonic / Julia Krajewski, die mit Great Twist d'Ive Z nach einigen Schrecksekunden noch auf den 30. Platz reiten konnte.

Bei den 2014 geborenen Pferden haben Cute Girl und Kevin McNab die Phalanx der britischen Reiter gebrochen und die Spitzenposition übernommen. Hinter Outback / Laura Collett sowie Heads Up / Hayden Robert Hankey folgen weitere drei Reiter von der Insel. Cinnamon Red und Josephine Schnaufer sind 7., Lillybelle EA und Anna Siemer schließen die Top-10, Promising Pete TSF / Felix Etzel folgen auf dem 16. Rang. In einem sehr dicht gedrängten Mittelfeld rangieren Italia und Liv Elin Gunzenhäuser auf dem 37. Platz, Just Jaques und Caro Hoffrichter starten von der Position 45 ins Gelände.

Great Twist d'Ive Z (von Gemini xx [einem Klon von Gem Twist] - Quidam de Revel / Z: Isabelle van Eeckhout / B: Bernd Heike und die Reiterin) und Julia Krajewski

"Ich habe ihn auf einem Video gesehen, fand ihn ganz interessant und nach dem Ausprobieren habe ich ihn gekauft. Als er kam, hatte er eine etwas handlichere Größe und dann fing er an, in alle Richtungen zu wachsen. Mittlerweile hat er wahrscheinlich seine 1,75 - hinten bestimmt."

"Da sieht man, wie das mit den jungen Pferden so ist. Er kam da rein und hat einen kleinen Geist gesehen" beschrieb Julia Krajewski die neue Erfahrung mit Great Twist d'Ive Z (30. mit 35,80 Punkten), der sich einige Male weigerte, in die Nähe des Hufschlags der kurzen Seite bei A zu gehen. Auf dem Abreiteplatz machten die Tokio-Olympiasiegerin und der hochaufgeschossene Sohn des Klons des Olympia-Silbermedaillengewinners von Seoul 1988 den Eindruck, als könnten sie das komplette Feld überholen. Genau so selbstbewusst starten sie in die Aufgabe, doch schon bei der zweiten Lektion, dem Mitteltrab durch die ganze Bahn, sah der Schimmel den von Julia beschriebenen Geist und machte sich ziemlich frei. Waren die Punkte hier noch recht human, gingen sie später gar bis auf eine eins zurück - da konnte auch der gute Rest nur noch für die Schadensbegrenzung sorgen. "Ich hab' mir dann überlegt, OK, jetzt musst du das zum Ende bringen, damit er das mit einem guten Gefühl beendet. Das hat er dann auch brav gemacht. In der Prüfung habe ich nur gedacht 'gut, dass ich zwei mit hab'. Bislang hat er das noch nie gemacht und ich glaube auch nicht, dass das sein Markenzeichen wird."


Sorgten heute für das beste Doppel-Deutsche-Ergebnis: Lillybelle EA (von Diarado - Lissabon / Z & B: Elisabeth Ahn) und Anna Siemer, die sich besonders über die Entwicklung freute: "Erinnerst du dich noch, beim Bundeschampionat im letzten Jahr waren wir nach der Dressur letzte - und jetzt das hier. Das ist doch grandios." OK, es war nicht der letzte Platz, sondern der vorletzte, und dennoch ist es ein super Erfolg.


"Was soll ich sagen? War gut - oder? Ich fand das sogar sehr gut zwischendurch. Ein einziges Mal habe ich auf das Notenscore geguckt und 31,9 gelesen - danach musste ich noch einmal ein Schippe drauflegen" lächelte Anna Siemer nach ihrem Ritt mit Lillybelle EA (10. - 29,50) ins Mikrofon. Leider ist es hier unmöglich, das Sprechtempo wiederzugeben - es war nur ein Hauch mehr als ein Augenblick. Jede einzelne Lektion wurde von den Richtern mit mindestens 65 % bewertet, einzig das Rückwärtsrichten fiel da aus der Rolle. "Wir wissen das mit dem Rückwärtsrichten und üben es auch fleißig, aber wir haben es noch nicht geschafft. Sie macht das eigentlich ganz gut, aber verhaspelt sich nach den ersten Tritten. Aber gut, irgendetwas müssen wir ja auch noch üben." Der Start in Le Lion war von langer Hand geplant: "Im letzten Herbst sind wir in unserer ersten langen 2* dritte geworden. Das war wirklich richtig gut, dass wir da in einem so großen Starterfeld bestehen konnten. Und da hab' ich mir gedacht, wir gucken mal, ob wir das hier auch können. Deswegen sind wir hier."

Apropos Bundeschampionat: Lillybelle EA ist das einzige Pferd aus dem 2020er Finale, das hier am Start ist.

 


Italia (von Icare d'Olymp AA - Der Dürer / Z: Gestüt Inselhof - Dr. Mechthild Bause / B: Ole Christian Gunzenhäuser) und Liv Elin Gunzenhäuser

"Sie hat alles gegeben. Leider fand sie den einen Blumentopf ein bisschen gruselig, aber im Großen und Ganzen bin ich unglaublich zufrieden" brachte Liv Elin Gunzenhäuser drei wichtige Aspekte nach ihrem Ritt mit Italia (37. - 34,90) auf den Punkt. Dem guten Engagement stand dieser eine Punkt an der Mitte der langen Seite gegenüber, der einige Male die Harmonie störte und zusätzliche Einwirkungen notwendig machte. Die überdurchschnittlich bewerteten Verstärkungen im Trab und im Galopp konnten die fehlenden Punkte teilweise ausgleichen. "Für die jungen Pferde ist es hier doch eine besondere Atmosphäre. Ich glaube, die wenigsten sind schon mal in so einen Viereck gegangen - sie zum Beispiel noch nicht. Man kann leider nicht immer berechnen, was im Viereck letztendlich passiert und ich hätte mir auch gewünscht, dass sie da nicht geguckt hätte - und das bei einem Blumentopf, der genauso aussieht, wie die anderen auch. Auf dem Abreiteplatz hatte ich so ein gutes Gefühl wie selten, was auch an der Unterstützung von Hans Melzer lag. Die war genial, das gab Ruhe und Sicherheit."

"Italia ist bei mir, seit sie 4-jährig war, sie kam eigentlich zum Verkaufen zu mir. Dann hat sie uns aber so gut gefallen, das wir beschlossen haben, sie selber zu behalten. Ich habe sie seit den ersten Geländepferdeprüfungen bis jetzt zu den tollen Drei-Sterne-Erfahrungen unter dem Sattel - und sie hat noch nie 'was falsch gemacht. Sie bemüht sich wirklich unglaublich in jedem Moment und ich hoffe, dass wir das morgen so mitnehmen können."

 


Just Jaques (von Black Jack - Nautilus) mit seiner Züchterin, Besitzerin und Reiterin Caro Hoffrichter


"Ich bin super zufrieden mit dem Pferd, ich habe nicht erwartet, dass er in dem großen Stadion so rittig bleibt" begründete Caro Hoffrichter die gute Laune nach ihrem Championatsdebüt mit Just Jaques (45. - 36,80). "Sonst friert er schon mal ein bisschen ein, bleibt dann hinter dem Schenkel - heute ließ er sich wunderschön reiten. Er hat Fehler gemacht, der Schritt ist seine Schwäche, das konnte ich dann auch nicht mehr 'rausreiten. Trotzdem bin ich ein bisschen enttäuscht von dem Ergebnis, weil er sich so super anfühlte in der Trab- und Galopptour. Ich dachte, dass hätte mich wieder 'rausgerissen, aber hat's vom Ergebnis leider doch nicht. Aber da kann ich dem Pferd nicht böse sein, er hat so toll mitgearbeitet." Auch für die Richter war es eine zweigeteilte Vorstellung. Auf der einen Seite die vielen guten Lektionen mit Bewertungen teilweise deutlich oberhalb der 70 %, auf der anderen allerdings auch die Passagen mit dem höheren Entwicklungsbedarf, die bis zu 3-3-4 für den zweiten Galoppwechsel, der erst mit dem dritten Versuch gelang, in das andere Extrem rutschten. Bestimmt versöhnlich, dass für den Gruß am Ende der Vorstellung mit 8-7-8 die höchste Einzelbenotung stand.

"Er ist selbst-gezogen. Mein Juniorenpferd, eine irische Stute, die sich schon siebenjährig verletzt hat, haben wir von Black Jack besamen lassen. Meine Mutter hat Just Jaques angeritten und 5-jährig habe ich ihn übernommen - da saß noch kein anderer drauf außer uns beiden. Für uns ist er ein Familienmitglied. Die Mutter ist das intelligenteste Pferd, das ich je hatte. Lucinda Green hat sie einmal gesehen und uns hinterher gesagt, dass sie sie sofort kaufen würde, wenn sie noch im Sport wäre. Sie war klug, konnte galoppieren, konnte sich bewegen, aber ist dann beim Galopptraining in ein Loch getreten. Leider ist sie dann nicht mehr in den Sport zurückgekommen."

 



Sie führen das Feld im CCI3*-Sterne an: Cute Girl (von Coventry - Clearway / Züchter: Hobe Magens / Besitzer: Scuderia 1918) und Kevin McNab, der, mittlerweile mit seiner Tochter auf dem Arm, einen Moment Zeit hatte: "Sie hat sich toll entwickelt und ist angekommen, sie war heute sehr leicht zu reiten." Ganz natürlich kam die Sprache auch auf den 2020-Fauxpas mit dem falschen Sprung im Cross: "Ich hatte gehofft, dass mich niemand darauf anspricht - es war einfach mein Fehler, das Pferd konnte nichts dafür. Das sind so die Dinge, es war das erste Mal, dass mir das passiert ist und hoffentlich auch das letzte Mal. Trotzdem war es gut, dass wir im letzten Jahr hier waren. Sie war heute viel relaxter, sie ist wesentlich professioneller geworden."



Sie komplettieren das Spitzentrio bei den 6-jährigen: Fibonacci de Lessac HDC (von Carinjo*HDC - Bright Silver) und Nicolas Touzaint, die hier erst ihren zweiten internationalen Start haben.

Beide Starterfelder sind die Notenabstände betreffend eng gedrängt. Anna Lena Schaaf würde bei einer Sekunde Zeitüberschreitung den Platz an Sonne behalten, Kevin McNab könnte so ein Augenblick zurückfallen lassen. Bei den 6-jährigen könnten zehn Sekunden sieben Plätze in der Rangierung kosten, bei den 7-jährigen gar 14

 


Einige Reiterstimmen zum Gelände:

Anna Siemer: Ich will alles geben, aber bei so einem jungen Pferd kann alles, kann aber auch nix. Wir haben in diesem Jahr schon 3* fast gewonnen, sind aber auch schon in 2* ausgeschieden. Also, mal schauen. Es ist halt Le Lion, jeder Sprung ist ein Abenteuer, ein ganzer Zoo ist hier versammelt. Es ist ein wunderschöner Kurs mit vielen Aufgaben. Gerade zum Ende kommen bei den 7-jährigen nochmal richtig drei Fragen direkt hintereinander. Es wird für die meisten 7-jährigen das erste Mal sein, dass sie den achten Minutenpunkt erreichen - und dann müssen wir mal gucken, wie sie reagieren. Das kann ich nicht vorhersehen. Wir haben sehr, sehr gut trainiert. Sie war der Sparring-Partner von Avondale beim Galoppieren bis Avenches und hat wirklich viel Kondition aufgebaut.

Caro Hoffrichter: Das ist ein sehr schweres Gelände, vor allem weil es so lang ist und die ganz schwierigen Aufgaben zum Schluss kommen. Es wird sich zeigen, ob die Kondition hält. Ansonsten ist es wunderschön hier, ich bin noch nie im Leben so ein tolles Gelände geritten. Ich freue mich wahnsinnig darauf, morgen das hier machen zu dürfen. Ich habe mir überall die Alternativen angeguckt, gehe aber davon aus, dass ich immer den direkten Weg reite. Ich werde es so anlegen, dass er in die Zeit rennt. Wenn ich zwischendurch merke, dass die Kondition nicht hält, werde ich das Tempo 'rausnehmen und in Ruhe bis zum Ende reiten.

Julia Krajewski: Es ist anspruchsvoll für die jungen Pferden, sehr technisch. Von den Abmessungen ist es nicht zu doll, aber es kommt alles vor, Ecken, schmal, schräg. Dann kommen ein Haufen Zuschauer und wie man es heute gesehen hat, kommt es dann auch mal zu einer Überraschung. Normalerweise sind beide sehr gute Geländepferde und ich will mal hoffen, dass sie sich da auch wohl fühlen.

Liv Elin Gunzenhäuser: Das Gelände ist technisch, anspruchsvoll, lang. Auch gegen Ende kommen noch anspruchsvolle Aufgaben, aber ich glaube, wenn man das mit dem Kopf und einer gewissen inneren Gelassenheit angeht, kann es funktionieren.

Felix Etzel: Samstag reite ich null in die Zeit - das wollen natürlich alle. Das Gelände ist anspruchsvoll wie immer, gerade bei den 7-jährigen wird sich noch einiges tun.

Alle Ergebnisse und Listen hält Worldsporttiming bereit:

https://results.worldsporttiming.com/event/68


 


21.10.2021-KK

Gute bis sehr gute Ausgangspositionen für die deutschen Reiter und Pferde in Le Lion

Lagona und Anna-Lena Schaaf setzten ein eindrucksvolles Ausrufezeichen bei den 6-jährigen Pferden und haben die Spitzenposition nach 22 Startern. Quasi am Schweif hängen Fair Lady des Broucks / Thomas Carlile sowie ChinTonic / Julia Krajewski.

Mit Outback -unter Laura Collett- führt auch beim 2014er Jahrgang ein deutsches Pferd. Heads Up / Hayden Robert Hankey, Cooley Snapchat / Selina Milnes und Evita AP / Sarah Bullimore folgen mit weniger als einem Punkt Abstand. Cinnamon Red und Josephine Schnaufer sind auf den fünften Platz geritten, Promising Pete TSF / Felix Etzel folgen auf dem achten Rang.

Beim Blick in die Genetik der 103 Pferde fallen einige Namen besonders auf. Die Canadian River x Hand in Glove xx-Tochter Gini ten Hunsel ist in beiden Prüfungen mit je einem Nachkommen vertreten. Sechs Hengste sind als Väter doppelt anwesend. In dieser Reihe steht zusätzlich Contendro, dessen Vater Contender dazu als Muttervater gelistet ist. Diamant de Semilly ist als Vater (1 x) sowie als Vatervater mit Diarado (2 x) und Dinken (1 x) vertreten. Einen ganz besonderen Hufabdruck hinterlässt in diesem Jahr allerdings OBOS Quality, der sechs direkte Söhne und Töchter präsentiert und dazu noch je einmal als Vatervater und als Muttervater in Erscheinung tritt. Grund genug, dem Pedigree und der Geschichte dieses Hengstes auf den Grund zu gehen. Dazu weiter unten mehr von Sabine Brandt.


Knapp, aber die "1" steht erst einmal für Lagona (von Lavagon - Cartani / Züchter: Theodor Sporkmann) und Anna Lena Schaaf, die gleichzeitig auch die Besitzerin ist

Bei Nice Attolico Guglielmi (E - ITA), Nikki Herbert (C - GBR) und Xavier le Sauce (M - FRA) herrschte die Dressur von Lagona und Anna-Lena Schaaf (25,80 Punkte) betreffend traute Harmonie: Alle drei RichterInnen hatten das Paar vom Niederrhein, das seit zwei Jahren in Warendorf beheimatet ist, auf dem ersten Platz gesehen. Besonders fleißig sammelten sie Punkte beim Halt vor dem Rückwärtsrichten, bei den Schlangenlinien und dem einfachen Galoppwechsel. Auf der anderen Seite fiel keine Einzelnote unter die 6,5. Anna-Lena gab wenige Augenblicke nach dem Gruß ihre Eindrücke wider: "Ich bin erst einmal super happy, wie sie das in so einem großen Stadion gemacht hat. Mit sechs Jahren so abgeklärt zu sein, dass war richtig gut. Ich hatte sie immer schön vor mir, hatte nie das Gefühl, dass sie nicht fokussiert ist oder nicht bei mir ist. Das war echt gut, ich bin super zufrieden. Ich glaube, sie könnte vielleicht noch 'ne Schippe mehr, ich hätte vielleicht noch etwas mehr riskieren können, gerade im Mitteltrag und so etwas. Ich bin aber super zufrieden, wie sie das alles angenommen hat und umgesetzt hat."


"Es freut mich, wenn es von außen so aussieht, als sei er schon ziemlich weit ausbalanciert - aber da braucht er schon noch Unterstützung" lächelte Julia Krajewski über das Fremdbild zu ChinTonic (von Contendro - Heraldik xx / Züchter: Wolfgang Lutz / Besitzer: Wilhelm Dumrath, Friederike Plagmann und die Reiterin)

Temporär hatten auch ChinTonic und Julia Krajewski (27,90) die Pole-Position besetzt. Für beide war es ein regelrechter Kurzeinsatz mit einem minimalen Zeiteinsatz bei der Vorbereitung. Julia darauf angesprochen: "ChinTonic ist noch sehr Baby, körperlich für die Dressur noch nicht ganz fertig, er ist kräftemäßig noch nicht ganz entwickelt. Bei ihm ist das immer so ein wenig 'wenn es gut ist, dann ist es gut' und wenn er sich an dem Tag nicht so 100 %-ig wohlfühlt, dann hilft länger abreiten auch nicht." Heute war es ein guter Tag. Der kleine Chipmunk-Bruder präsentierte sich in allen Lektionen wohl gelaunt, trat schwungvoll auf und ließ sich gut durch alle Lektionen pilotieren. Ein kurzer Ausfall im Galopp "Da sieht man, dass er vielleicht noch nicht so ganz auf dem Hinterbein ist" kostete ein Paar Punkte, ansonsten war es eine sehr gute Symbiose von Wollen und Können. "Ich glaube, da sitzt noch viel, viel mehr drin. Er ist ein sehr kurzes Pferd und erinnert mich dann manchmal etwas an Samourai du Thot, der 5- und 6-jährig auch nicht gerade die Sterne vom Himmel getreten hat. Aber er lässt sich gut reiten, ist total konzentriert und will alles richtig machen. Da ist er sehr wie sein großer Bruder - und heute im Viereck, viel besser kann er noch nicht gehen."


Cinnamon Red (von Cascadello I x Cordino / Züchter: Helmut Bergendahl / Besitzer: Schnaufer GbR) und Josephine Schnaufer-Völkel kamen mit der Empfehlung des 2*-L-Sieges in Le Pin au Haras nach Le Lion-d'Angers und liegen auch hier sehr aussichtsvoll im Rennen

Cinnamon Red und Josephine Schnaufer absolvierten eine sehr gleichmäßige Dressuraufgabe, der vielleicht der ein oder andere Höhepunkt gutgetan hätte. Die Fehlerfreiheit und die Einigkeit der Richter (die Abweichungen waren bei der Prozent-Umrechnung im Nachkommastellen-Bereich) führte mit 28,50 Punkten zum 5. Platz bei den 7-jährigen Pferden. Das Führungsduo liegt damit gerade einmal 4-Geländesekunden vor ihnen.


Die einzig-verbliebenen aus dem deutschen Trio des letzten Jahres sind Promising Pete TSF (von Hirtentanz x Hyalit / Züchter: Dr. Hans-Peter Karp / Besitzer: Judith und Michael Dütemeyer sowie das DOKR) und Felix Etzel, die mit dem heutigen Dressurergebnis ihr erfolgreiches Abschneiden aus 2020 sogar noch toppen können

Die Erfahrung, dass bereits eine verpatzte Lektion deutliche Auswirkungen auf die Endnote und damit auf die Rangierung hat, mussten heute Promising Pete TSF und Felix Etzel (8. - 31,30) machen. Nach den ersten Aufgaben konnten die Zuschauer auf der Anzeigetafel hinter den Noten die Platzziffer 1 lesen. Beide waren gut in die Prüfung gekommen, präsentierten einen überdurchschnittlichen Einritt und einen tollen Mitteltrab. Um das Niveau halten zu können, fehlen einfach noch einige Trainingseinheiten. Die Benotungen lagen aber weiterhin oberhalb von 70 %. Im versammelten Trab war die Mittellinie das nächste Etappenziel, von dort eine halbe Traversale nach links - und in dem Moment sprang Pete an. Die Quittung der Richter: 4-4-4,5. Weg war die Note unter 30. Nur wenige Lektionen blieben für die Aufholjagd, am Ende zu wenige. "Insgesamt ist es hier schon eine besondere Atmosphäre für die jungen Pferde. Die Reise ist schon länger als zu den anderen Turnieren und die 15 Stunden liegen den Pferden schon in den Knochen. Er war, wie immer, sehr bemüht. Er ist immer bei der Sache und lässt sich auch nicht großartig von der Atmosphäre irritieren. Hinten heraus hat so ein wenig die Kraft nachgelassen, das hab' ich schon gemerkt. Aber insgesamt bin ich schon zufrieden" fasste Felix Etzel die jüngsten Erfahrungen zusammen.


Ein weiteres Pferd aus Deutschland, das bei Laura Collett gelandet ist: Outback von Duke of Hearts xx aus der Only Six MG von Sixtus, der im Trakehner Gestüt Grigoleit geboren wurde und bereits 5-jährig auf der britischen Insel seine ersten Meriten verdient hat

Mit dem größten Kontingent ist das ISH (28) in Le Lion aufgelaufen, 14 Pferde sind beim heimischen Selle Français eingetragen. Das Zangersheide-Stutbuch findet sich in den beiden Starterlisten 10-fach, sieben Pferde kommen aus den Niederlanden (KWPN), je fünf aus Belgien (BWP) und Dänemark (DWB).

Innerhalb der deutschen Delegation haben die Holsteiner (4) die Nüstern vor den Hannoveranern und den OS-Pferden (je 3). Die Trakehner und Westfalen sind doppelt vertreten, die Rheinländer und das DSP haben je einen Vertreter vor Ort.

Weitere 11 Zuchtgebiete sind mit insgesamt 18 Nachkommen am Start.

Alle Ergebnisse und Listen hält Worldsporttiming bereit:

https://results.worldsporttiming.com/event/68

In Baden-Württemberg soll Codebraker (von Don Rico x Graf Grannus - auch das wird bei tieferer Recherche gerade unsicher) bei Konrad Kuderer das Licht der Welt erblickt haben - soweit die Kombination der Datenbanken der FEI und der FN; vielleicht kennt ja jemand dieses Pferd beziehungsweise seine Mutter: Bei British Eventing entstammt Codebraker einer gewissen Cody von Dolce Vita K, bei Horsetelex einer Penelope von Plaisir d'Amour / auf jeden Fall übernachtet er mit Eliza Stoddart nach dem ersten Dressurtag auf dem 6. Platz


Der 29 Jahre junge Oldenburger OBOS Quality 004 ist seit seinem vierten Lebensjahr "Ire". Ein lokaler Umstand, der den späteren Einfluss des Hengstes auf die Buschpferdezucht hinreichend erklärt. Die grüne Insel ist nun mal für ihre Eventer bekannt. Meist führt die Spur dann zurück nach Deutschland ...

OBOS Quality 004 ist ein Sohn des Quick Star aus einer Mutter von Domino. Domino? Wer sich ein wenig in der Springpferdezucht auskennt, wird spätestens hier hellhörig. Der Hannoveraner Domspatz-Sohn Domino deckte seit 1982 bei Paul Schockemöhle und zeichnet noch heute die Pedigrees einiger fruchtbarer Lewitzer Eigengewächse im fallenden Mutterstamm aus, allen voran der eigenwillige bunte Balou de Rouet (Domino x Gepard) sowie Paules aktuelle Lieblinge Chacoon Blue (Domino x Winston) und Diaron OLD (Domino x Efendi).

Kurz, und noch ohne Präfix als "Quality 004" im FN Jahrbuch geführt, verzeichnet der Hengst bis sechsjährig zahlreiche Siege und Platzierungen in Springpferdeprüfungen inklusive dem Bundeschampionat 1998. Später war er dann als OBOS Quality 004 u.a. unter Dermott Lennon erfolgreich für Irland auch in Nationenpreisen unterwegs, bis er sich im Alter von 13 Jahren eine Stallverletzung zuzog. Seit 2007 ist "Obs", wie er daheim nun noch kürzer, dafür aber mit reichlich inhaltlichem Bezug und Affinität genannt wird, auf dem Coolballyshan Stud im County Limerick beheimatet. Mit 200 Stuten allein in seinen ersten beiden Deckjahren avancierte er alsbald zu dessen züchterischem Aushängeschild.

Derzeit sind seine sportlich bekanntesten Nachkommen der Burghley-Sieger 2019 MGH Grafton Street/Pippa Funell, Zara Tindalls Class Affair und bei den Parcoursspringern der EM 2015-Team-Bronze-Gewinner Castlefield Eclipse / Paul Estermann (SUI) Selbst das FN-Jahrbuch verzeichnet heute bereits einige irische Nachkommen des Hengstes, von denen eine Handvoll internationale Erfolge vorweisen. Derzeit. Das mag sich im Verlauf der nächsten Tage möglicherweise ändern?   

Der quirlige kleine Vater Quick Star, ein in den USA gezogener Franzose von Galoubet x Nithard, schrieb noch echte Fernsehgeschichte, als er zunächst Meredith Michaels (damals noch ohne "Beerbaum") zu ihrem internationalen Durchbruch verhalf und später mit Nick Skelton unterwegs war. "Er hatte Sprungfedern unter den Hufen!", sagte Meredith einmal über Quick Star. Die beeindruckenden Bilder der zierlichen Meredith auf dem quicken Franzosen und später auch im Sattel seiner ebenso quicken Tochter Stella (EM Mannschaftsgold Hickstead 1999) haben die älteren Semester unserer Leser sicher noch alle im Kopf. Legendär wurde später auch sein Sohn Big Star, Nick Skeltons Olympiasieger 2012.

"Obs" Mutter Reichsdame von Domino x Flugel van la Roche x  Absatz hat mit Lagerfeld noch einen weiteren Sohn gebracht, der unter Dirk Ahlmann erfolgreich war. Gleichwohl findet dieser Hannoveraner Stamm der Ankerauge (Stamm 568 nach Schridde) seine dichteste sportliche Verbreitung in Belgien und den Niederlanden.

DANKE, Sabine :-)



21.10.2021-KK

Guten Morgen aus Le Lion: Die Klasse 2017

In etwa  vierzig Minuten eröffnen Mollegardens Korona und Aistis Vitkauskas den Reigen der diesjährigen Titelanwärter. Um 13 Uhr nehmen die 7-jährigen Pferde den Wettkampf auf. Ein guter Zeitpunkt, um Rückschau auf die Klasse 2017 zu nehmen. Was ist aus ihnen geworden, die vor vier Jahren um die Weltmeisterehren bei den älteren Pferden gekämpft haben.

Der Sieger Alertamalib'Or wird weiterhin von Astier Nicolas geritten, hatte als 8-jähriger ein zunächst gutes Jahr mit Platzierungen in 2- und 3*-Prüfungen (altes System) und zum Abschluss eine fehlerfreie Runde in der Bestzeit im Cross von Boekelo. Vor der letzten Verfassungsprüfung wurde er zurückgezogen und tauchte international erst im Herbst 2020 und im Frühjahr 2021 wieder auf. Nach einer ruhigen Runde in Saumur (3*-S) konnten beide in Avenches im Juni 3*-L gewinnen. Im August kam der dunkle Anglo-Araber-Wallach in Blair Castle (4*-S) von den Beinen und wurde in Lignières (3*-L) vor dem Gelände zurückgezogen.

Als Vize-Champion schipperte Direct Cassino mit Izzy Taylor zurück auf die britische Insel. Beide Pferde trafen in Boekelo erneut aufeinander, wobei Direct Cassino ohne die vier Springfehler sogar auf Anhieb eine Top-10-Platzierung erreicht hätte. Im Jahr darauf wurde der Ire nach Japan verkauft, nach einem Sturz in Charlbury (3*-S - September 2020) verliert sich seine Spur.

Yacabo BK, ein weiterer Spanier unter dem Sattel von Andrew Nicholson, war 2017 mit seinem Dressurergebnis 3. geworden. Mitte 2018 wechselte er Besitzer und Stall und wurde fortan von Nicola Wilson präsentiert, u.a. auch einige Wochen später in Boekelo. Nach einigen nationalen und internationalen Einsätzen im ersten Halbjahr 2019 folgte eine Pause bis März 2020 - allerdings blieb es bisher bei diesem einen Re-Start.

Sir Papillon blieb nach dem vierten Platz noch zwei Jahre bei Laura Collett, sammelte einige Schleifen (2* alt & 3* neu). Nach einem Zwischenstopp wird Sir Papillon seit Mitte 2021 3* und 4* von Thomas Rowland geritten.

Box Leo nahm das fünfte Preisgeld für Ludwig Svennerstal mit nach Schweden. Nach einem Jahr Pause startete das Paar in den beiden folgenden Jahren international jeweils nur einmal in kurzen 4*-Prüfungen, national konnten sie in 2020 in Großbritannien nur einen von drei Wettbewerben beenden. Mittlerweile sitzt Frida Andersen im Sattel und nahm in dieser Saison bei fünf Starts (3 und 4*-S) fünf Schleifen mit nach Hause und gewann dazu Anfang September das CCI3*-L in Sopot.

Vitali von Contender x Heraldik xx war an sechster Stelle das erfolgreichste deutsche Pferd. Der von Günther Fielmann gezüchtete Wallach war noch zwei Jahre mit James Avery einige Male in Ehrenrunden vertreten und hatte in 2019 eine Pause. 2020 wurde er auf der britischen Insel von Samantha Lissington vorgestellt, ehe im Winter darauf Tim Price die weitere Ausbildung übernahm. Mit dem 4*-L-Sieg im Frühjahr in Strzegom am Revers ging die Reise im Spätsommer zu den Olympischen Spielen in Tokio. Vor dem ersten Springen lugten beide von Platz vier aus noch auf die Medaillenränge - nach acht abgeworfenen Stangen in beiden Springrunden blieb der 24. Rang in der Einzelwertung und mit dem Team Neuseeland der 4. Platz.


Jum Jum und Frank Ostholt waren einziges deutsches Paar in den Top-10 (9.) - und das mit 9 Fehlerpunkten im Parcours. Die nachfolgende Saison war wohl die erfolgreichste des westfälischen Paares (u.a. 2. beim CICO3* in Waregem). In den beiden folgenden Jahren wechselten Aufs und Abs häufiger, für den angestrebten Höhepunkt, mit dem selbstgezogenen eigenen Pferd zur Europameisterschaft im eigenen Land, fanden beide keine Berücksichtigung. In 2021 kehrten mit einen Schritt zurück auf 2- und 3-Niveau auch die Erfolge zurück (2. 2*-S, 3. 3*-L und zwei Beinahe-Platzierungen bei insgesamt vier Starts).

Knapp heraus aus der Platzierung (17.) waren als zweitbestes deutsches Paar Jadore Moi und Sophie Leube heraus, deren Dressur- und Geländeergebnis für den zweiten Rang gereicht hätte - aber 13 Strafpunkte im Abschlussspringen waren dann genau einer zu viel. Mittlerweile haben beide 31 internationale Prüfungen bestritten, sich kontinuierlich mit den neuen Aufgaben und höheren Anforderungen vertraut gemacht und quasi als bisherige Krönung vor zwei Wochen den Herbstklassiker in Boekelo gewonnen. Sophie selber sagt über die gemeinsame Zeit: "Ich weiß, dass diesem Pferd keine Grenzen gesetzt sind, ich weiß, dass dieses Pferd alles kann. Ich bin mit ihr gewachsen. Das waren meine ersten 3*-Prüfungen, die ich mit ihr geritten bin. Wir wachsen zusammen da 'rein und wachsen hoffentlich weiter über uns hinaus."


Mighty Spring (26. nach einer Doppel-Null-Runde im Gelände) und Heike Jahncke sind ebenfalls immer noch ein Paar. Ein Sieg (CIC2*) und Platzierungen bis 4* (L und S) stehen mittlerweile in der gemeinsamen Vita. "In 2019 habe ich mit Mighty kürzer getreten, da die Konzentration Coco Spring und der ländlichen Euro galt. In 2020 ist sie vermehrt 4* gegangen, war in Strzegom platziert und wird durften unseren ersten Nationenpreis gehen. Dieses Jahr war eigentlich so ihre beste Saison, sie war in allen fünf Prüfungen platziert" erzählte Heike am Rande des Turniers in Boekelo. "Die Stärken von Mighty liegen absolut im Gelände. Sie geht zuhause auch schon gut Dressur, aber das kriegen wir einfach noch nicht aufs Viereck. … Ihre Entwicklung verlief eigentlich sehr stetig: 5-jährig Bundeschampionat, 6-jährig Bundeschampionat, 7-jährig Le Lion gestartet, 8-jährig 4* [nach dem neuen System] gegangen, 9-jährig nur bis 3*, 10-jährig 4* platziert."


Ein anderen Weg hat der polnische Wallach Belfast (39.) eingeschlagen. "Er hat so seinen Weg gemacht. Ich hab' immer sehr, sehr große Stücke auf ihn gehalten, am Ende war er aber für die große Tour an bunten Stangen nicht vorsichtig genug. Im Gelände ist er handlich, er konnte alles rennen, konnte alles springen und machte das auch alles gut. Es ist auch nicht das Vermögen, das ihm fehlt. Bei bunten Stangen ist er einfach unsicher und diese Unsicherheit führte dazu, dass er in die Flucht geriet" resümierte Andreas Dibowski die gemeinsame Zeit, die beide bis zu 4*-S gebracht hat.


Seit diesem Jahr wird Belfast von Maxima Hohenhorst geritten. Dibo erzählte über das neue Paar, das er als Trainer begleitet: "Über die problematischen Verhältnisse mit ihm ist sie komplett aufgeklärt worden. Sie hat sich jetzt das ganze Jahr Zeit genommen, um mit ihm zusammen zu wachsen. Sie haben auch schon die ein oder anderen Höhen und Tiefen hinter sich, aber das war mit Ansage. Ich hab' die große Chance bei ihm gesehen, wenn er in eine Hand kommt, wo er das Nummer-1-Pferd ist, dass er das auch wieder zurückgeben kann - und das er erst einmal auf kleinerem Niveau läuft, um den inneren Druck zu verlieren. Das hat jetzt auch dieses Jahr gedauert. Jetzt in Ströhen, was für mich eigentlich so die ungünstigste Prüfung im Gelände war, da hatte sie ihn so weit, dass sie ganz souverän eine Null-Runde in der Zeit geritten ist." Diese Leistung haben Belfast und Maxima am vergangenen Wochenende mit einem fehlerfreien Gelände knapp oberhalb der Bestzeit bei der Intro in Strzegom bestätigt.


Von den 58 Startern sind inzwischen 3 im 5*-Sektor angekommen. Chilli Knight (7.) konnte mit Gemma Tattersall die Königsklasse in Bicton vor einigen Wochen gewinnen. Drei Pferde waren bei den Olympischen Spielen in Tokio am Start, eines davon als Ersatzpferd lediglich im Springen. Zwei Pferde sind mit Nachwuchsreitern bei der EM in Segersjö gestartet. 44 Pferde sind in 4*-Prüfungen gestartet worden, vier gingen hierbei als Têtenpferde auf die Ehrenrunde, weitere 26 waren als Schleifensammler aktiv. Von den 40 Pferden, die auch in 2021 Einträge in der FEI-Datenbank haben, werden 26 weiterhin von ihren Le Lion-ReiterInnen ausgebildet.

Danke an Christiane Jahnke (https://www.chrissis-pferdebilder.com/) für die Bilder von Jadore Moi und Belfast/Dibo.



20.10.2021-KK

Und noch ein Championat - Die WM der jungen Vielseitigkeitspferde

Alle deutschen Pferde haben die erste Verfassungsprüfung in Le Lion-d'Angers erfolgreich absolviert und kämpfen ab morgen um die beiden Titel der Weltmeister der jungen Vielseitigkeitspferde in dem 5.000-Einwohner-Städtchen im Nordwesten Frankreichs.

Um 9 Uhr starten die 6-jährigen mit ihrer Dressur; den deutschen Auftakt machen Chintonic und Julia Krajewski um 9:23 Uhr. Knapp eine Stunde später (10:13 Uhr) werden Lagona und Anna-Lena Schaaf das Richtertrio begrüßen. Die Nachmittage (jeweils ab 13 Uhr) sind traditionell den älteren Pferden vorbehalten. Um 15:09 Uhr greifen Cinnamon Red und Josephine Schnaufer-Völkel in das Geschehen ein, Promising Pete TSF und Felix Etzel folgen um 16:22 Uhr.

Am Freitag starten Julia Krajewski mit ihrem zweiten Pferd Great Twist d'Ive Z (10:55 Uhr), Italia / Liv Elin Gunzenhäuser (14:34 Uhr), Lillybelle EA / Anna Siemer (15:02 Uhr) und Just Jaques / Caro Hoffrichter (16:01 Uhr).

Insgesamt stehen bei den Pferden des Jahrgangs 2015 45 Pferde auf der Dressurstarterliste. Vier Kandidaten wurden von den Richtern und der Veterinärin zunächst in die Holding Box geschickt. Kiekeboe W (Alvaro Blanco-Traba Centener) ging daraus direkt wieder in den Stall, die übrigen erhielten nach der zweiten Präsentation das OK.

Bei den 7-jährigen Pferde benötigten drei den Umweg und wurden anschließend akzeptiert, so dass nun 58 Paare um den Titel, die Schleifen und die Geld- und Ehrenpreise kämpfen.

Alle Ergebnisse und Listen hält Worldsporttiming bereit:

https://results.worldsporttiming.com/event/68

Auf dem Bild: Chintonic und Julia Krajewski trabten als erste der lediglich acht deutschen Paare über die Vorführbahn.




10.10.2021-KK          Jadore Moi und Sophie Leube gewinnen Boekelo

Nach einem bis zum letzten Sprung spannenden Wettbewerb haben Jadore Moi und Sophie Leube ihren erste lange 4-Sterne-Prüfung gewonnen. Mit auf dem Podest standen William Fox-Pitt (GBR - Grafennacht) und Sidney Dufresne (FRA - Tresor Mail). In der Siegerehrung des Nationencups erklang die britische Nationalhymne, in der Ehrenrunde folgten die Amerikaner und die Deutschen, wobei unser Team als einziges heute lediglich Zeitfehler mit in den Wertung nahm.

 

Sophie Leube, eingerahmt von William Fox-Pitt und Sidney Dufresne

Tresor Mail / Sidney Dufresne (27,00 Punkte) und Grafennacht / William Fox-Pitt (26,10) hatten Sophie mächtig unter Druck gesetzt. Anders als der Ansager es dem Publikum erzählte, konnte sich das deutsche Paar keinen einzigen Springfehler leisten, maximal eine kleine Zeitüberschreitung wäre im grünen Bereich gewesen. An den Einsprüngen beider Kombinationen war Jadore Moi leicht in Kontakt mit den Stangen gekommen, am vorletzten Hindernis, einem Steilsprung, war das Glück auf Sophies Seite, als die Stange in die Originalposition zurück

Jadore Moi (11-jährige bayerische Stute von Conthargos x Asi; Z: Hans Freiherr von Schön, B: BG Jadore Mai und die Reiterin) und Sophie Leube auf dem Weg zum Sieg

rollte - das war es nur noch der dunkelrote Oxer. Die Uhr stoppte bei 84,83 Sekunden, 0,40 Punkte für die Zeitüberschreitung blieben ohne Einfluss. Der Sieg ist ihrer. "Das war aufregend. Ich weiß, dass sie alles kann und ich das beste Pferd habe, das es gibt. Sie hat so unbegrenzte Möglichkeiten und wir sind so ein tolles Team seit sie fünfjährig zu mir kam. Ich bin einfach nur überwältigt und glücklich - und immer noch sprachlos. Das war ich gestern Abend schon, aber heute noch mehr. Auf diesem Niveau ist das mit Abstand mein größter Erfolg, das hier ist eine ganz andere Liga."


Barbados (12-jähriger in Polen gezogener Wallach von Moravia x Jape xx; Züchter: Roman Drabinski - Besitzerin: Susanna Dibowski) und Alina Dibowski

"Am Ende überwiegt die Freude über die Platzierung und das Quali-Ergebnis und dass das Pferd sich unglaublich gut angefühlt hat. Also auch wenn jetzt zwei Fehler passiert sind, es war ein schweres Springen, eine große Kulisse, ein unglaublich starkes Starterfeld, was einen auch irgendwie beeinflusst. Ich hab' natürlich versucht, das alles auszublenden - ich würde natürlich auch nicht zugeben, dass mich da irgendwas beeinflusst hat, aber ich bin unheimlich stolz, was wir an diesem Wochenende geleistet haben. Er hat sich super-fit angefühlt, ganz konzentriert und fokussiert und wollte eigentlich nicht an die Latte. In die Linie 4 - 5ab kam ich im Kreuzgalopp und zu schief 'rein und da kam die Quittung bei 5a. Bei 6 kam ich minimal zu dicht, dann hat er sich vorne verdreht und kam einfach aus der Balance. Aus Boekelo nehme ich mit, dass ich auch vor Publikum schon vieles abrufen kann, was ich im Training reiten kann. Es war ein tolles Turnier und unsere erfolgreichste Saison. Bei uns zuhause wird er immer 'Wohnzimmerpferd' genannt und ist zum Glück unverkäuflich" sprudelte es aus Alina Dibowski nach ihrem tollen Debüt mit Barbados (14. - 36,90) einfach nur so heraus.


Carlitos Quidditch K (9-jähriger Holsteiner von Quiwi Dream x San Patrignano Cassini; Z: Miriam Kühl, offizielle B: Bodil Ipsen [Schwester der Reiterin} und Malin Hansen-Hotopp

Mit Sieben-Meilen-Stiefeln galoppierte der hoch aufgeschossene Schimmel durch den Parcours. Bei seinen Sprüngen hinterließ er den Eindruck, dass, wenn er in seiner holsteinischen Heimat am Nordseestrand abspringt, er dennoch erst in der Ostsee landet. Einzig am letzten Sprung touchierte er ganz leicht die Stange. Es wird spannend sein, dieses Paar weiter zu beobachten und irgendwann zu lesen, dass sie ihr Dressurergebnis als Endergebnis stehen haben. Wegen der 3,60 Zeitfehler verpassten Carlitos Quidditch K und Malin Hansen-Hotopp (16. - 40,10 Punkte) allerdings denkbar knapp die Platzierungsränge. O-Ton Malin: "Mit Quidditch bin ich mega zufrieden. Ich weiß nicht, ob ich das alles kann, aber er ist auf jeden Fall ein Weltpferd. Egal, ob Gelände oder Springen, das ist einfach, ja" und da war sie einen Moment sprachlos. "Mal gucken, wo es hingeht, er muss natürlich auch gesund bleiben und ist einfach ein tolles Pferd - und meiner. Das gönne ich mir, ihn selber zu reiten - und da freue ich mich auch drauf."


Dekorateurin Baumeister (11-jährige ZdPf-Stute von Salvanto x Amerigo Vespucci xx; Z: Johann Brunkhorst, B: baumeister programm KG) und Cord Mysegaes

Nach einer fulminanten Geländerunde durften auch Dekorateurin Baumeister und Cord Mysegaes (17. - 44,70) vor dem Start Richtung Platzierung schielen. Die Stute fühlte sich heute auf dem Platz wesentlich wohler als noch am Freitag, ging sehr motiviert die ersten Sprünge an. Die Hoffnungen schwanden allerdings, als am grauen Oxer (7) eine Stange in den hellen Sand fiel. Gefühlt etwas zu flott ging es über den Oxer-Einsprung der dreifachen Kombination, am Mittelsprung (Steil) konnte Dekorateurin Baumeister die enge Distanz noch ausgleichen, am Aussprung (Steil) kam ein zweiter Abwurf hinzu. "Es war eine tolle Atmosphäre hier, vor allem nach der Corona-Zeit. Es ist natürlich toll, hier zu reiten. Sie ist ein tolles Pferd, hat ein gewaltiges Springvermögen. Hier war die Zeit das Problem, man musste unheimlich nach vorne galoppieren und in den Distanzen dann wieder zurück - und das hat heute an den beiden Stellen nicht so gut geklappt." Auf die Frage nach dem Boekelo-Fazit holte Cord etwas weiter aus: "Vor dreißig Jahren war ich schon mal hier. Da bin ich am vorletzten Hindernis gestürzt - also haben wir uns deutlich gesteigert."


Brennus (10-jähriger polnischer Wallach von Moravia x Aprizzo xx; Z: Miroslaw Gorny, B: Susanna Dibowski) und Andreas Dibowski

Brennus und Andreas Dibowski  (25. - 55,90): Der "Diesel" war heute extrem zuverlässig, bemühte sich an und zwischen den Sprüngen redlich. Mit einem sehr wachen Ohr war am ersten Sprung zu vernehmen, dass die oberste Stange aus Holz ist. Am Einsprung zur dreifachen Kombination fehlte am Ende sowohl die Höhe, als auch die Weite und die Stange rollte aus der Auflage. Zu dem Abwurf addierten sich 3,60 Strafpunkte für die Zeitüberschreitung. Andreas: "Meine Tochter ist happy - dann kann ich auch happy sein. Er sprang sehr, sehr gut, war motiviert und wach. Er hat schon in Sopot einen Fehler an der hinteren Stange des Oxer-Einsprungs der Kombination gehabt. Er guckt dann vielleicht, wie er hinten heraus kommen soll und lässt sich dann einfach ein bisschen fallen. Ich fand ihn sehr gut zu reiten, sehr schön und er machte sehr, sehr gute Sprünge. Es war gut, dass wir hergekommen sind. Jetzt weiß man, wo man steht und woran man arbeiten muss."


Monsieur Schnabel (13-jähriger Trakehner von Grafenstolz x Heraldik xx; Z: Günter Schnabel GbR) und Malin Hansen-Hotopp, die auch Besitzerin ist

"Monsieur Schnabel hatte mal wieder einen Rückfall in frühere Zeiten" erzählte Malin Hansen-Hotopp (27. - 56,70) nach ihrem zweiten Ritte heute. "Eigentlich war die Saison im Springen überraschend gut, er hatte auch mal einen Fehler - aber wir waren ganz happy. Er ist einfach so, wie er ist. Ich bin froh, dass ich mit ihm wieder solche Prüfungen reiten kann, das hilft mir auch beim Schimmel." Insgesamt rollten fünf Stangen aus den Auflagen, hinzu kamen 1,60 Zeitstrafpunkte.


EQUISTROS Siena just do it (9-jährige Westfälin von Semper FI x Weltrat; Z: Anke Just) und ihre Besitzerin Ingrid Klimke

EQUISTROS Siena just do it und Ingrid Klimke (34. - 62,80): "Das war ihre bisher beste Springrunde" kommentierte Bundestrainer Hans Melzer die gerade absolvierte Leistung. Schon auf dem Abreiteplatz war zwischen Siena und den Hindernissen viel Luft. Dort und auch im Parcours berührte die Dame mit den mega-flinken Beinen keine einzige Stange. Lediglich 0,40 Punkte wurde für die Zeitüberschreitung von wenigen Zehntel-Sekunden dem Cross-Ergebnis hinzugerechnet. Ingrid: "Sie springt vom allerfeinsten und ist hier voll in ihrem Element. Springen macht sie total gerne, kann sie super, mit viel Vermögen und Übersicht. Sie ist schlau, unheimlich schlau. Die Woche hier war einfach traumhaft. Die Geländestrecke gestern war richtig toll, ein super Boden, tolle Aufgaben, viel zu lernen. Klar, der blöde Verbeiläufer hätte nicht sein müssen. Wenn ich später dran gewesen wäre, wäre ich bestimmt außen 'rum geritten. Aber, wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Sie hat viel gelernt - weiter geht's."


Nach der finalen Entscheidung der Richter, die Verweigerung von Pasadena und Josephine Schnaufer-Völkel an Hindernis 27 weiter aufrecht zu erhalten, hat Josephine umgehend de LKW beladen und hat noch am Samstagabend die Heimreise angetreten.



Grafennacht (9-jährige Oldenburgerin von Grafenstolz x Narew xx aus dem Besitz von Amanda Gould) und William Fox-Pitt / GBR - 2. mit 26,10 Punkten; wenn die Einträge bei British Eventing und in der FEI-Datenbank stimmen, kann William sich wahrscheinlich auf eine sehr lange Partnerschaft freuen: Grafennachts Mutter soll noch mit 23 Jahren CIC* platziert gewesen sein

Tresor Mail (14-jähriger SF-Hengst von Jaguar Mail x Iowa; Z: Iris de Fleurieu, B: Agnes Trouble)  und Sidney Dufresne  / FRA - 3. mit 27,00 Punkten

Coolparks Sarco (9-jähriger Ire von Shannondale Sarco St. Ghyvan; Z: Michael Burke, B: Jo Lambert & James Lambert OBE) und Nicola Wilson / GBR - 4. mit 30,00 Punkten

QC Diamantaire (11-jähriger Oldenburger von Diarado x Sandro Hit; Z Berthold Gerdes, B: Carol Stehpens) und Sydney Elliot / USA - 5. mit 30,70 Punkten




Als selbst der Pfleger von Jadore Moi und gleichzeitig Ehemann von Sophie Leube benötigt wurde, um die ganzen Ehrenpreise zu tragen, sprang spontan William Fox-Pitt als Groom ein; vor der Siegerehrung hatten Sophie und William einige gemeinsame Runden gedreht, was Hans Melzer rufen ließ: "Sag ihm, das Pferd ist nicht zu kaufen". Das Thema hatten wir einige Minuten zuvor ebenfalls auf dem Schirm: "Kein Mensch kann sie kaufen, sie ist unverkäuflich" lächelte Sophie Leube dabei ins Mikrofon.






Auf Wiedersehen in Boekelo 2022


Alle Ergebnisse hat die Rechenstelle:

https://rechenstelle.de/de/veranstaltungen/2021/boekelo/



9.10.2021-KK 

Jadore Moi und Sophie Leube lächeln weiterhin von der Spitze

 

Nach einem ereignisreichen Geländetag bestätigen Jadore Moi und Sophie Leube ihre Dressurleistung mit einer famosen Doppel-Null-Runde und führen das Klassement nun vor Grafennacht und William Fox-Pitt (GBR) sowie Danito und Tamra Smith (USA) an. In der Teamwertung führen weiterhin die Briten vor den Amerikanern und den Deutschen - allerdings mit größeren Abständen. Beste Einzelreiterin ist Alina Dibowski, die mit Barbados sieben Sekunden unter der Bestzeit ohne Hindernisfehler ins Ziel kam und sich vom 19. auf den 7. Platz verbesserte.

Nach einem Jahr Corona-Pause war die wahrscheinlich längste Partymeile der Welt wieder in Betrieb. Nach Angaben des Veranstalters strömten heute rund 60.000 Menschen an die knapp unter sechs Kilometer lange Cross-Strecke. Zwischen den zahllosen Sponsorenzelten hindurch sollten Reiter und Pferde 28 Hindernisse in möglichst 10:16 Minuten überwinden. Auf Grund der unglücklichen Positionierung gegen die Sonne wurde ein Sprung (7) vor dem ersten Starter abgebaut, der Einsprung in den Wasserkomplex (der direkte Weg bei 20a) versetzt.


Jadore Moi und Sophie Leube an Hindernis 23a

Als eines von elf Paaren, die immer noch mit ihrem Dressurergebnis geführt werden, kamen Jadore Moi und Sophie Leube (24,40 Punkte) ins Ziel. "Ich bin schon immer nervös, aber ich weiß, dass das gut ist und ich das auch brauche" beschrieb Sophie Leube die Zeit vor dem Start ins Gelände. "Dann werde ich ruhiger und ernster und bin dann auch sehr fokussiert und bekomme es dann auch ganz gut umgesetzt. Unterwegs war es mega und hat total Spaß gemacht. Es war ein irres Gefühl mit den vielen Zuschauern. Das kennt man ja schon aus Le Lion, auch in Aachen waren ja wieder ein paar Menschen, die applaudiert haben. Aber hier ist das schon viel. Mein Pferd lässt sich davon aber überhaupt nicht irritieren, es feuert sie eher an. Ich weiß, dass diesem Pferd keine Grenzen gesetzt sind, dass sie alles kann. Sie hat so einen Fokus, so einen Spaß und so einen Ehrgeiz. Am Ende aber auch so ein Vertrauen, dass ich ihr aber auch komplett vertraue." Die obligatorische Frage auf den Ausblick: "Ich weiß, dass das Pferd null gehen kann, weil sie ein tolles Springpferd ist. Ich weiß aber auch, dass ich genauso gut die Nerven verlieren kann oder was auch immer passieren kann. Also eigentlich bin ich nervenstark, sie ist ein toller Springer und wir könnten morgen ein schöne Null-Runde reiten."


Barbados und Alina Dibowski an Hindernis 18

Von der allerfeinsten Seite zeigten sich auch Barbados und Alina Dibowski, die ebenfalls noch mit dem Dressurergebnis (28,50) geführt werden und den Sonntag vom 7. Platz aus beginnen. Schon gestern erzählte Vater und Trainer Andreas Dibowski davon, dass Alina -wie auch Sophie Leube- an der Coffin-Kombination (Hindernis 11) den nur unwesentlich längeren Weg über die C-Alternative wählen würde. Trotz der Extra-Meter war es für das Debütanten-Paar problemlos, in die Zeit zu galoppieren. "Sensationell" kommentierte Andreas am Abend diesen Parforce-Ritt. "Sie geht jetzt schon mit so einer Abgeklärtheit an diese Aufgaben. Sie macht sich sehr, sehr viele Gedanken im Vorfeld, man merkt auch eine gewisse Anspannung, aber wenn sie auf ihrem Pferd sitzt, kann sie das abrufen, was wir eins zu eins besprochen haben. Was sie immer wieder auszeichnet ist, dass wenn auch auf so einem Level mal etwas unvorhergesehenes passiert, kann sie unmittelbar und sofort auf die Situation reagieren - und das sieht nie irgendwie unsicher aus." Alina selber sei total happy und habe nur von ihrem Pferd geschwärmt. "Wir alle wissen es zu schätzen, was für ein unglaubliches Geschenk dieses Pferd ist. Sie hat mit ihm fünfjährig die Goldene Schärpe geritten, dann das Nachwuchschampionat, deutsche Meisterschaften und Europameisterschaften - und jetzt ist sie hier oben angekommen." Auf die Frage, was er ihr gesagt habe: "Ich bin stolz auf dich."


Monsieur Schnabel und Malin Hansen-Hotopp an Hindernis 2

Malin Hansen-Hotopp hatte gestern schon zum Besten gegeben, dass der Herr Schnabel das Tempo im Cross bestimmen würde. Am Ende wurden es 25 Sekunden, die Monsieur Schnabel länger unterwegs war, als der Course-Designer es vorgesehen hatte, was die Reiterin aber dennoch zu einem authentischen Lächeln nach dem letzten Hindernis veranlasste. Die Ergebnisdatei der Rechenstelle ist allerdings unerbittlich: Mit nun 35,10 Punkten wurde aus dem ehemals 5. Platz der 16. Damit rangiert der braune Grafenstolz-Sohn zwei Positionen vor seinem Stallkollegen Carlitos Quidditch K, der ebenfalls alle Hindernisse fehlerfrei überwand, allerdings 13 Sekunden weniger benötigte und sich um 13 Plätze (36,50 Punkte) nach vorne arbeitete.


Carlitos Quidditch K und Malin Hansen-Hotopp an Hindernis 23b

Dekorateurin Baumeister und Cord Mysegaes an Hindernis 17

Brennus und Andreas Dibowski an Hindernis 3

Nach der Dressur hatte sich Cord Mysegaes noch mit einem Schmunzeln über das Temperament von Dekorateurin Baumeister geäußert. Heute hatte genau dieses erhebliche Vorteile: Ohne Hindernisfehler und mit noch fünf Rest-Sekunden auf der Uhr galoppierten beide nach diesem schweren Kurs über die Ziellinie und können sich über einen Sprung in der Ergebnisliste bis auf den 19. Rang (36,70 Punkte - vorher 51.) freuen. Die sechsten im Bunde der deutschen Paare ohne Hindernisfehler sind Brennus und Andreas Dibowski (29. - 49,50). O-Ton Andreas: "Barbados ist bei uns im Stall der Ferrari, Brennus eher der Diesel, da war mir schon klar, dass ich hier nicht in die Zeit galoppieren kann. Dann kam die Atmosphäre hinzu und auch der Sturz in Sopot lag uns wohl noch auf der Seele, das ist dann nicht gerade vertrauensförderlich. An den Sprüngen war er sehr souverän, sehr gut bei mir. Zum Schluss musste ich einmal den langen Weg wählen, weil er sich in der Landung verstolpert hatte. Da war die Balance weg und ich habe mich für die Alternative entschieden."


Pasadena und Josephine Schnaufer-Völkel an Hindernis 11b

Diskussionsbedarf mit den Richtern hatte Josephine Schnaufer-Völkel über den Ablauf an eben diesem Sprung (27). Nach ihrer eigenen Einschätzung hat sie Pasadena nach einer unglücklichen Landung (Sprung 26) direkt auf den Weg zur Alternative

EQUISTROS Siena just do it und Ingrid Klimke an Hinderns 2

gebracht, die Jury wertete die Situation allerdings mit einer Verweigerung. Im Moment steht diese auch noch so im Fence-Report und in der Ergebnisliste (31. - 51,30). Ganz eindeutig war der Vorbeiläufer von EQUISTROS Siena just do it und Ingrid Klimke (37. - 62,40) am Coffin (11). Nach einem großen Satz über den Graben war die geplante Linie weg, Ingrid musste korrigieren, aber da war Siena schon links am schmalen C-Element vorbei.


Ruling Spirit und Jule  Wewer an Hindernis 16a

Jule Wewer gab nach zwei Verweigerungen (9a - Einsprung des ersten Wasserkomplexes und die Ecke bei 17) auf. Mighty Spring ließ an Hindernis 5 ein Bein stehen, der anschließende Rumpler war für Heike Jahncke unmöglich auszusitzen und es katapultierte sie aus dem Sattel. Niklas Bschorer hatte Back in Time bereits gestern Abend aus dem Wettbewerb genommen.

Mighty Spring und Heike Jahncke an Hindernis 4c

EDIT: Sah es gestern aus der Distanz noch so aus, als hätte Mighty Spring an Hindernis 5 ein Bein stehen lassen, muss diese Aussage revidiert werden: Heike Jahncke hatte heute ein Videoausschnitt auf ihrem Handy, der die Situation deutlich klaren werden lies. Mighty Spring war mit den Vorderbeinen schon in der Flugphase - brach dann plötzlich den Sprung ab, kam mit beiden Vorderbeinen an das Hindernis, rettete sich artistisch über das Hindernis und bei diesem Rumpler hatte Heike keine Chance.


Coolparks Sarco und Nicola Wilson (4. mit 25,60 Punkten) waren im positiven Sinne fleißige Punktesammler für das aktuell führende britische Team  -  hier auf dem direkten Weg durch das zweite Wasserhindernis über Sprung 20 c; nach einem Galoppsprung folgte der Absprung in das Wasser (20d), an dem einige Paare strauchelten

Clover und Balázs Kaizinger (HUN - 32. - 52,30) an dem Birkenoxer, an dem zwei Reiterinnen plötzlich das Gras unter den Stiefelsohlen hatten; Clover ist eines von vier Pferden des Jahrgangs 2013 die morgen noch startberechtigt sind; über das Bundeschampionat (u.a. Sieger des Kleines Finales 2019, 3. im Finale 2019, 10. in 2018) und die Weltmeisterschaft in Le Lion- d'Angers hat er den Weg in den großen Sport gemacht


Der Bundestrainer stand nach dem Abschluss des Geländetages für eine kurze Analyse zur Verfügung: "Schade mit Ingrid, das junge Pferd ist immer mal gut für so einen Wackler. Der Sprung ist zwar ganz schön schmal, aber wenn sie das sehen und voll konzentriert sind geht das. Der Rest war dann wieder sehr gut. Malin mit dem Schimmel [Carlitos Quidditch K] war toll, wie erwartet, das war sehr gut. Mighty Spring sprang draußen vom feinsten, immer total auf groß, aber schon am ersten machte sie einen zu. Anschließend ging das, aber an 5 guckte und guckte und guckte sie und zog gar nicht zu dem Steilsprung hin. Man hat heute nicht mehr so viele von diesen tiefen Kanten, da haben viele Pferde einen komischen Sprung gemacht. Sophie war einfach klasse, sie hat alles richtig gemacht und ist auch schnell geritten. Am Coffin hatten wir gesagt, dass sie dort den langen Weg reiten soll. Sie hat so ein schnelles Pferd,

weshalb sollten wir da ein Risiko eingehen, so nach dem Motto 'no medals for heroes'. Das war nicht viel länger, das waren vielleicht zwei, drei Sekunden. Auf jeden Fall war das super. Ich bin ganz stolz auf sie. Cord war unglaublich, Alina vom feinsten. Ihre erste Vier-Sterne-lang in ihrem Leben, gleich null in der Zeit, top. Das war eine tolle Runde, auch total sicher und fokussiert. Jules Pferd hat die Tage hier schlecht gefressen und gesoffen und sie erzählte hinterher, dass sie schon von Anfang an richtig reiten musste, sonst brennt der richtig. Er hat hier in den vier Tagen einfach zu viel Substanz verloren. Das mit Pasadena hier war schade, da muss ich gleich noch mal zu den Richtern hin. Bis jetzt steht die Aussage der Richter und des TDs, dass sie auch auf dem Video gesehen hätten, dass Pasadena vorne seitlich vorbeispringt. Der Rest war auch toll, eine tolle Runde, unheimlich positiv und auch schnell genug. Dibos Pferd war eigentlich schon am Wasser müde und er kämpft einfach nicht, aber ist ohne Hindernisfehler nach Hause gekommen. Malin hat ihren Monsieur Schnabel super überall 'rüber geritten, sie war ganz stolz. Der kann nicht in die Zeit laufen, aber er ist null gegangen. Hier waren viele reelle Aufgaben und man hat ja auch gesehen, dass es ein paar ganz easy gemacht haben und trotzdem ist hier und da immer mal wieder was passiert. Das besondere hier, und das müssen Pferde auch lernen, ist die Atmosphäre. Das ist ja fast so, als wenn Bayern München hier heute gespielt hätte. Das ist schon eine Konzentrationssache, wenn links Leute stehen und rechts Leute stehen, hier wird gefeiert, da wird gefeiert. Boekelo ist wie ein Championat, die Pferde nehmen unheimlich viel mit von hier. Die Pferde die in Le Lion und hier waren, die sind für große Publikumsprüfungen bestens vorbereitet."

Den elf Doppel-Nullern und 22 Startern ohne Hindernisfehler stehen elf ausgeschiedene Paare gegenüber. Sieben Mal stiegen ReiterInnen vorzeitig aus den Sätteln, drei Pferde kamen von den Beinen, ein Paar musste nach drei Verweigerungen an drei verschiedenen Hindernissen den Ritt beenden. Fünf Stürze passierten am zweiten Wasser (20d), zwei am Birkenoxer (13). Soweit es verlautbart wurde, sind alle Pferde und Reiter wohlauf. Besonders verweigerungsanfällig waren das Coffin (Hindernis 11 - 5 Stopps) und das zweite Element der Doppelhecke (27 - 7). Noch sind 44 Paare im Wettbewerb.

Einen sicherlich spannenden Sonntag werden alle Beteiligten erleben. Der Beginn der Verfassungsprüfung wurde gerade auf 9:30 Uhr verschoben, anschließend geht es in den Springparcours. Im Moment trennt die ersten sechs Paare gerade einmal ein Springfehler. Aber auch Carlitos Quidditch K und Dekorateurin Baumeister sind weniger als vier Strafpunkte von den Platzierungsrängen entfernt.

Alle Listen und Ergebnisse hat die Rechenstelle:

https://rechenstelle.de/de/veranstaltungen/2021/boekelo/

Die Boekelo-Veranstalter stellen auf Ihrer Homepage die bewegten Bilder zur Verfügung:

https://military-boekelo.nl/LiveStream/LiveStream-dezelivestreamisweeractiefindeweekvandeMilitary





8.10.2021-KK

    Monsieur Schnabel & Malin Hansen-Hotopp als Tagessieger auf Platz 5

Das gestern bereits führende Quartett mit Jadore Moi / Sophie Leube, Lady Chin van't Moerven Z / Tim Lips (NED),  Danito / Tamra Smith (USA) und Grafennacht / William Fox-Pitt hatte die Messlatte für die 28 Einzelreiter zu hoch gelegt. Niemandem gelang es, in diese Phalanx einzudringen. Mit der heutigen Bestbewertung von 25,10 Punkten gehen Monsieur Schnabel und Malin Hansen-Hotopp vom 5. Rang in den morgigen Geländeteil der 4-Sterne von Boekelo. Pasadena und Josephine Schnaufer-Völkel sowie Barbados und Alina Dibowski blieben ebenfalls unter 30 Punkten und übernachten auf den Plätzen 18 und 19.

Monsieur Schnabel und Malin Hansen-Hotopp starteten eine klassische Aufholjagd. Nach der verpatzten ersten Lektion wurden sie mit je 5 Punkten der drei Richter temporär auf dem letzten Platz gelistet. Doch diese Momentaufnahme dauerte nur etwas mehr als einen Augenblick. Schon vor dem Ende des Trabteils lag der Schnitt auf Grund der deutlichen Verstärkungen und der sicheren Übergänge schnell bei deutlich über 70 %. Kleine Unsicherheiten in den beiden halben Schrittpirouetten bremsten das Überholmanöver etwas, aber mit guten Galopptraversalen und fliegenden Wechseln (O-Ton Malin: "Die waren gefühlt die Höhepunkte der ganzen Aufgabe.") und den Schlussnoten knabberten beide mächtig an den 75 %.

Monsieur Schnabel und Malin Hansen-Hotopp

Malin einige Minuten nach dem Schlussgruß: "Ich freu' mich riesig. Eigentlich geht er toll Dressur, aber er irgendetwas ging immer mal nicht so gut - wie heute am Anfang. Ich freu' mich, dass er heute so gut war, dass er das dann noch ausgleichen konnte, das war toll. Die Entscheidung für Quidditch in der Mannschaft hat Hans Melzer getroffen. Der Herr Schnabel ist so ein wenig unsicher beim Springen. Das ging in der letzten Zeit ganz gut, aber er wäre nie ein Mannschaftspferd, weil er doch ein bisschen einen eigenen Kopf hat. Im Gelände läuft er nur so schnell wie er möchte, mal schnell und mal nicht so schnell. Im Springen kann er gut gehen, kann aber auch mal Fehler machen. Da wäre es für mich auch kein gutes Gefühl, ihn in der Mannschaft zu reiten."


Pasadena und Josephine Schnaufer-Völkel

Pasadena und Josephine Schnaufer-Völkel (18. - 28,10) präsentierten von Beginn an eine sehr gleichmäßige Leistung, wobei sowohl im Trab als auch im Galopp jeweils die Traversalen nach links von den Richtern bestbewertet wurden. Einzig im Schritt schien Pasadena eine Last mit dem fliegenden Getier zu haben und stampfte einige Male vehement ihren linken Vorderhuf in den weißen Sand. Josephine: "Ich war sehr zufrieden. Pasadena hat sich sehr gut präsentiert und war gut drauf, allerdings ein bisschen genervt von den Fliegen. Sie ist da ganz, ganz, ganz sensibel, dafür hat sie sich sehr bemüht im Viereck und alles gegeben."


Barbados und Alina Dibowski (19. - 28,50) taten als frisch gekürte Team-Europameister und 8. der Einzelwertung von Segersjö den nächsten Karriereschritt. In der für beide ersten langen 4-Sterne-Prüfung präsentierten sie den Juroren eine sehr beständige Leistung über alle Lektionen und Gangarten hinweg. Einzig im ersten versammelten Schritt mit der halben Pirouette nach links sank die Benotung unter die 60 %-Marke. Die Gesamtbewertungen der Richter liegen nur knapp 2 Prozentpunkte auseinander, haben aber mit den Plätzen 29, 12 und 16 einen deutlichen Unterschied in der Rangierung ausgemacht.

Barbados und Alina Dibowski

Alina interessierte das unmittelbar nach dem Ritt relativ wenig: "Das ist die beste Endnote die wir in einer 4-Sterne je hatten. Wir haben das tatsächlich noch nie unter die 30 geschafft. Er war total bei mir, vielleicht hat er auch gemerkt, dass es unser letztes Turnier in diesem Jahr ist und hat es vielleicht auch genossen. Es hat einfach Spaß gemacht und die Note hat sich dann einfach so ergeben. Ich bin einfach nur speechless; das geht nicht besser, wirklich."

Der "doppelte" Dibo: Bevor er am Nachmittag selber in den Sattel stieg, kümmerte er sich am Morgen um die Belange seiner Tochter Alina

"Klar, ist man angespannt als Elternteil…" ließ Vater und Trainer Andreas Dibowski einen kleinen Einblick in sein Seelenleben zu. "… Ich glaube nicht, dass da was passiert, auch im Gelände nicht. Ich wünsche ihr, dass sie Erfolg hat und das sie belohnt wird für ihren Fleiß und das, was sie da alles 'reinsteckt und letztendlich hat sie auch viel entbehrt." Und als Analytiker: "Wie das dann so ist, man kann immer irgendwas ein bisschen besser machen. Ein paar Punkte lässt sie dann noch mal liegen. Heute hat sie ihn in der Linkstraversale einmal verloren, in der Pirouette blieb er ihr einmal stehen und das Halten ist dann zu abrupt - und sie fing zu schüchtern an."


Brennus und Andreas Dibowski

Brennus und Andreas Dibowski (26. - 30,30) lagen knapp oberhalb der von Alina angesprochenen Marke: "Ohne den Fehler in der zweiten Pirouette hätten wir die 30 auch geknackt" war eine seiner ersten Aussagen nachdem er Brennus in die Hände seiner Frau und seiner Tochter gegeben hatte. Auch für den sehr nahen Barbados-Verwandten (beide stammen vom selben Hengst, die Brennus-Mutter ist eine Tochter der Barbados-Mutter) wäre es die erste 4*-u-30-Dressur geworden und ist dennoch das beste 4*-Ergebnis und das zweitbeste dieser Saison. Die höchsten Noten verteilten die Richter in den Schritt- und Galopplektionen - leider mit dem Fauxpas in der zweiten Pirouette, als Brennus unerwartet ein Bein stehen ließ. Hier noch einmal der Analytiker: "Er ist natürlich überhaupt kein Dressurtalent. Er macht einen super, super guten Job, aber er ist halt kein Bewegungswunder - er trabt, wie er trabt. Aber er ist sehr zuverlässig, im Grunde genommen, macht er das, was er zuhause macht, auch im Wettkampf. Er lässt sich überhaupt nicht irritieren, ist null-guckig. Und das mit der Kurzkehrtwendung war halt richtig teuer."


Ruling Spirit und Jule Wewer

Ruling Spirit und Jule Wewer (38. - 33,10) waren von den teilweise deutlich besseren Dressurleistungen in dieser Saison mehr als nur eine Nüsternbreite entfernt: "Das mit dem letzten Wechsel war natürlich ein bisschen schade. Ich kriegte ihn aber schon auf dem Abreiteplatz nicht so locker, wie er eigentlich gehen kann. Ich hatte mir gewünscht, dass er ein bisschen mehr über den Rücken trabt, dann wird es für ihn leichter, nachher die Wechsel zu springen. Er ist einfach ein Pferd, dem es sehr, sehr schwer fällt. Das weiß man und es klappt nicht immer. Am Ende hat er aber trotzdem einen guten Job gemacht."


Back in Time und Niklas Bschorer

Back in Time und Niklas Bschorer (46. - 35,00) sind im letzten Jahr in Strzegom und Mitte August in Arville in einer 4*-Prüfung gestartet und lieferten heute ein Ergebnis, dass ziemlich in der Mitte der bisherigen 15 internationalen Prüfungen liegt. Den grundsätzlich durchaus guten Noten im Trab und im Galopp stehen die knappen Bewertungen beim ersten Gruß, der Schrittarbeit und beiden fliegenden Wechseln gegenüber. Niklas äußerte sich am Nachmittag: "Ich habe noch ein sehr unerfahrenes Pferd, ich glaube, dass hat man auch gesehen. Sie hat ein bisschen auf den Bildschirm geguckt und so. Sie hatte echt tolle Highlights dabei, natürlich auch viele Fehler. Im Endeffekt kann man aber zufrieden sein."


Dekorateurin Baumeister und Cord Mysegaes

Dekorateurin Baumeister und Cord Mysegaes (51. - 36,70) haben ein für ihre Verhältnisse durchschnittliches Ergebnis erritten. Einigen Patzern im Galopp und bei den Wechseln standen keine echten Höhepunkte entgegen. Cord brachte es beim Treffen im Gelände auf den Punkt: "Es ist eine sehr schwierige Disziplin, weil sie in einem hohen Maße engagiert ist. Sie ehrgeizig, alles richtig machen zu wollen und deshalb hatten wir etwas Tempramenz-Schwierigkeiten, die wir dann aber ganz gut in den Griff bekommen haben, so dass sie das noch ganz ordentlich absolviert hat. Insofern können wir damit erst mal weiter arbeiten."


Zwei Teilnehmerinnen haben ihre Pferde bereits vor der Dressur zurückgezogen, so dass nach dem aktuellen Stand 59 Paare in den Boekelo-Cross starten werden. Im Moment (Freitag, 18:20 Uhr) steht die Entscheidung über den Start ins Gelände noch aus: Entweder um 10 Uhr oder vielleicht aber auch erst um 11 Uhr soll der erste Countdown herunter gezählt sein.

Alle Listen und Ergebnisse hat die Rechenstelle:

https://rechenstelle.de/de/veranstaltungen/2021/boekelo/

Die Boekelo-Veranstalter stellen auf Ihrer Homepage die bewegten Bilder zur Verfügung:

https://military-boekelo.nl/LiveStream/LiveStream-dezelivestreamisweeractiefindeweekvandeMilitary


7.10.2021-KK     Jadore Moi und Sophie Leube grüßen von der Tête

Mit gerade einmal 0,1 Punkten Vorsprung führen Jadore Moi und Sophie Leube nach dem ersten Dressurag in Boekelo das Feld an. Die Niederländer freuen sich über den zweiten Platz von Lady Chin van't Moerven Z und Tim Lips, die 2/10tel Punkte von Danito und Tamra Shmith (USA) trennen. Ebenso groß ist der Abstand zu Grafennacht und William Fox-Pitt. In der Team-Wertung führen die Briten vor den Amerikanern und den Deutschen. Alle Einzelreiter gehen am morgigen Freitag auf das Dressurviereck.

Nach einem Jahr Corona-Pause steht Herbstklassiker in der niederländischen Provinz Overijssel passend zum 50-jährigen Jubiläum wieder im internationalen Terminkalender. Neblig begann dieser Donnerstag: Bei einem 100-Meter-Viereck hätte es am Vormittag wohl eines Extra-Richters bei A bedurft. Die Temperaturen passten eher zu Ende Oktober, der freundliche Mensch, der den Reitern den Eingang ins Viereck öffnete, hatte seinen Mantelkragen aufgestellt und schütze seine Finger selbst nach der Essenspause noch mit Lederhandschuhen. Der zum zweiten Mal eingesetzte All-Wetter-Reitboden zeigte deutlich seine Vorteile. Die Spuren in der Ladengasse und dem Umfeld des Stadions sind aussagefähiger als jede Literangabe der Regenmengen der letzten Tage. Passend zum verhaltenen Wetter waren auch die meisten der rund um die Bande platzierten Sponsorenzelte nach verschlossen.

Die meisten Menschen waren sehr gut zuzuordnen: Die mit den grünen Jacken kamen entweder aus Irland oder gehörten zum Boekelo-Team, die blauen Oberteile trugen den Union Jack, Stars and Stripes, das Drei-Kronen-Logo oder den Schriftzug FRANCE - es sei denn, es war ein orangener Streifen eingenäht… Das größte Teilnehmerkontingent (4 Team- und 7 Einzelreiter) stellen die Deutschen mit ihrem roten Outfit. Die Starterliste ist in diesem Jahr 61 Zeilen lang. Das kleinste Feld dieser Dekade führt der Veranstalter auf ein besonderes Jahr mit den Olympischen Spielen und der Europameisterschaft zurück. Um die Zahl richtig einzusortieren: Vor einer Woche sahen die Zuschauer im französischen Lignières (ebenfalls CCI4*-L) gerade einmal zehn Starter im Parcours. Während dort Baccarat d'Argonnes Gewinngeldkonto eine Gutschrift von 4.000 € erhielt, wird der Boekelo-Sieger am Sonntag einen Scheck über 12.500 € erhalten - und ist damit aber immer noch weit von den 37.000 € entfernt, die William Coleman / Off the Record im August aus Aachen (4*-S) mitnehmen konnten.

Jadore Moi und Sophie Leube auf dem Weg zur Führung

Das Maß der Dinge waren heute Jadore Moi und Sophie Leube, die mit der zweitbesten Dressurbewertung (24,40 Punkte) ihrer gemeinsamen Karriere die Führung nach bislang 33 gestarteten Mannschafts-Paaren übernommen haben. "Sie war schon angespannt, es ist hier schon eine andere Atmosphäre. Auch das Abreiten auf der Wiese und nur der kurze Moment auf Sand war schon schwierig. Eigentlich gibt es keine besonderen Gründe, aber sie war halt einfach angespannter, ein bisschen aufgeregter auf dem Viereck. Ich musste sie ein bisschen mehr auf mich konzentrieren und selber immer wieder tief durchatmen - aber sie hat super zugehört, toll reagiert und toll umgesetzt" hatte Sophie Leube nach einem Schreckmoment das Lächeln wieder im Gesicht. Bei der obligatorischen Materialkontrolle nach dem Ritt stand Jadore Moi plötzlich ohne Zaumzeug, aber mit Reiterin da.

Der größte Pluspunkt war heute die fast gleichmäßig gute Leistung in allen Lektionen. Bei der ersten Schrittpirouette (5,5-7-7,5) und dem Angaloppieren (8-7-6) waren die Richter uneinig, keine andere Anforderung wurde mit weniger als 6,5 bewertet. Auf die Frage nach den überdurchschnittlichen fliegenden Wechseln meinte Sophie: "Wir haben viele geübt, immer wieder an verschieden Stellen, auch mal 4er- und 3er-Wechsel, so dass das alles selbstverständlich wird." Bemerkenswert dabei, dass alle drei Richter das Paar aus Rhynern am Ende bei 181,50 Punkten sahen. Für Merel Schurink (NED - bei M) war es die Tagesbestleistung, für Andrew Bennie (NZL - bei C) und Christina Klingspor (SWE - bi E) jeweils der 3. Platz.

EQUISTROs Siena just do it und Ingrid Klimke (10. mit 29,20 Punkten) eröffneten den deutschen Reigen. Machte Siena um das Viereck herum noch den Eindruck, als sie die Anspannung größer als die Konzentration, drehte sich das Verhältnis auf der Mittellinie um 180°. Stets fokussiert, immer bei der Sache präsentierte die 9-jährige Dunkelbraune jede einzelne Lektion, wobei die im Trab die meisten Punkte brachten. Der versammelte Schritt mit den beiden halben Pirouetten und der erste fliegende Galoppwechsel knabberten dagegen an einer besseren Bewertung. Der Bundestrainer Hans Melzer bei einem seiner letzten Auftritte erläuterte den frühen Einsatz von Siena: "Sie war schon deutlich gelassener als in Aachen. Das mit dem ersten Startplatz haben wir gemacht, weil es da hier auf dem Platz ruhiger ist."

Ebenfalls erst 9 Jahre ist Carlitos Quidditch K, der mit Malin Hansen-Hotopp (17. - 31,70) in das Nationenpreisteam berufen wurde. Der Holsteiner Schimmel war auf den Punkt fit und erzielte sein bisher bestes 4*-Resultat. Malin: "Auf einer Skala von 0 bis 10 ist die Zufriedenheit bei siebeneinhalb  -  oder auch acht." Wie es die Gesamtbewertung schon vermuten lässt, bewegten sich die vergebenen Punkte ganz überwiegend zwischen 6 ½ und 7, die Aufgaben im Schritt bieten noch Luft nach oben. Der starke Galopp brachte mit 7-7-8 als Einzellektion die meisten Punkte, beim Übergang zum versammelten Tempo touchierte der Schimmel die Viereckbegrenzung, reagierte entsprechend und bekam mit 6-6-5 eine direkte Quittung. Malin: "Ein, zwei Kleinigkeiten haben Punkte gekostet, aber er ist erst neun. Es war ein langer Weg, bis dass er in dieser Saison so konstant geht. Er wird immer besser und diese Weiterentwicklung ist schön."

"Sie war ganz schön on fire" brachte Heike Jahncke den Gemütszustand von Mighty Spring (28. - 36,30) auf den Punkt. Schon beim Einritt war die Mittellinie zeitweise neben statt unter den Hufen, nach dem Gruß war plötzlich die Nase doch recht weit vor der Senkrechten. Nach dem Schulter herein glich die temporäre Platzziffer der Anzahl der Starter. Von da ab an ging es im Ranking langsam aber sicher aufwärts. Die Trablektionen inklusive der halben Traversalen lagen oberhalb von 65 %, ebenso der Mittelschritt. Die Schrittpirouetten sind ausbaufähig, mit den Verstärkungen gingen die Punktzahlen wieder nach oben. Im Galopp fühlte sich die positiv auffällige Mighty Magic-Tochter wieder wohler, wobei die beiden fliegenden Wechsel misslangen.

Morgen geht es ab 10:30 Uhr mit Dekorateurin Baumeister / Cord Mysegaes und Barbados / Alina Dibowski weiter, anschließend folgen über den Tag verteilt die übrigen fünf deutschen Paare.

Alle Listen und Ergebnisse hat die Rechenstelle:

https://rechenstelle.de/de/veranstaltungen/2021/boekelo/

Die Boekelo-Veranstalter stellen auf Ihrer Homepage die bewegten Bilder zur Verfügung:

https://military-boekelo.nl/LiveStream/LiveStream-dezelivestreamisweeractiefindeweekvandeMilitary



26.09.2021-KK Die Euro-Woche 2021 - Zwei Mal 'God save the Queen"

Beide Europameistertitel und dazu die beiden anderen Einzelmedaillen schippern heute Abend über den Kanal auf die britische Insel. JL Dublin und Nicola Wilson haben ihre Führung souverän verteidigt, Brookfield Inocent und Piggy March sowie Corouet und Sarah Bullimore blieben ebenfalls fehlerfrei und freuen sich nun über Silber und Bronze. Neben Nicola und Piggy standen für das Team auch Kitty King (Vendredi Biats) und Rosalind Canter (Allstar B)

ganz oben auf dem Podest. Die Silbermedaillen wurden Michael Jung (fischerWild Wave), Ingrid Klimke (SAP Hale Bob OLD), Anna Siemer (FRH Butts Avondale) und Andreas Dibowski (FRH Corrida) um den Hals gehangen. Der Weg der Bronzemedaillen in die Vitrinen wird noch etwas weiter sein: Die Schweden mit Sara Algotsson-Ostholt (Chicuelo), Malin Josefsson (Golden Midnight), Malin Petersen (Charly Brown) und Christoffer Forsberg (Hippo's Sapporo) holten -wie schon in 2019 in Luhmühlen- das dritte Edelmetall.


Für mindestens zwei Jahre Vielseitigkeitseuropameister: JL Dublin und Nicola Wilson

Sekt oder Selters hieß es für Nicole Wilson vor dem Start in den knapp 500 Meter langen Springparcours. Zeitfehler waren auf Grund der anscheinend auf sehr großen Bögen abgemessenen Linie so gut wie unmöglich. Blieben also die Hindernisse, die die Entscheidung bringen mussten. Die Ausgangslage war klar: Ohne Fehler wird es der Titel, mit einem Abwurf würde es Blech werden, mehr lag bei den Vorleistungen außerhalb der Vorstellungskraft. Mit der Routine von zahlreichen Championatseinsätzen und weit über 400 internationalen Vielseitigkeitsstarts steuerte die 44-jährige Nicola Wilson ihren 10-jährigen Holsteiner JL Dublin über jedes einzelne der zwölf Hindernisse. Nach gut einer Minute war der Drops gelutscht und in Zukunft steht neben einigen Mannschaftsgoldmedaillen der erste Einzeltitel in ihrer Vita.


Als aktuelle Badminton-Champions jetzt auf dem Silberrang im Einzelwettbewerb: Brookfield Inocent und Piggy March

Das Team um Brookfield Inocent und Piggy March scheint für ihre strikte Haltung auf eine Reise als Reservisten zu den Olympischen Spiele zu verzichten, heute belohnt worden zu sein. Durch die Doppel-Null-Runde gewann Piggy ihre zweite Einzelsilbermedaille nach Fontainebleau 2009.


Beste Einzelreiterin im Wettbewerb: Corouet und Sarah Bullimore gewinnen Bronze

Für Sarah Bullimore ist der Gewinn der Bronzemedaille im doppelten Sinne ein ganz besonderer Erfolg: Für die 48-jährige ist es die erste Championatsmedaille - und das mit einem Pferd aus der eigenen Zucht. Am Nachmittag ließ sie einen kleinen Einblick in ihre Gefühlswelt zu: "Gestern morgen war ich ganz schön nervös und hab' mir immer wieder gesagt 'Mach bloß keinen dummen Fehler. Bis zu deinem nächsten Championat vergehen wahrscheinlich wieder zehn Jahre'. Heute bin ich einfach nur glücklich, mit diesem selbstgezogenen Pferd diesen Erfolg geschafft zu haben." Zehn Jahre ist jetzt etwas hochgegriffen, sechs sind es aber schon, als sie in Blair Castle das erste Mal den Union Jack auf dem Jackett trug - mit Corouets Mutter Lilly Corinne unter dem Sattel.


Ein hocherfreulicher und zugleich ärgerlicher 4. Platz für fischerWild Wave und Michael Jung

Lediglich 0,3 Punkte hinter dem Bronzerang werden fischerWild Wave und Michael Jung als 4. in die Geschichte dieser Europameisterschaft von Avenches eingehen. Mit dem Dressurergebnis beendeten das jüngste Pferd im Lot und der Horber Reitmeister dieses Championat. Auf die Frage, wie stark die punktuell negative Bewertung von Freitag nun doch nervt: "Sehr." Dabei hatte er heute einige Male das Glück auf seiner Seite - oder war es das Können, dass fischerWild Wave die Stangen immer nur so berührte, dass sie in den Auflagen liegen blieben? Michael konnte : "Null ist null. Es war spannend, tatsächlich. Ich musste schon mehr tun als sonst, aber trotzdem ist er gut gesprungen, auch gerade nach dem Gelände gestern. Er war auf dem Abreiteplatz richtig gut - und wie das dann manchmal so ist, es war heute nicht die allerbeste Runde. Aber trotzdem Null, das ist wichtig."




Mannschaftssilber beim wahrscheinlich letzten gemeinsamen Championat: SAP Hale Bob OLD und Ingrid Klimke

Das Quäntchen Glück blieb SAP Hale Bob OLD und Ingrid Klimke heute in der Einzelkonkurrenz verwehrt, dabei hat sich Bobby wirklich richtig angestrengt und kaum Holzkontakt gehabt. Vielleicht war der Kurs nach der anstrengenden gestrigen Runde auch einfach drei Sprünge zu lang. Vorher war alles gut gegangen, aber an diesem rot-weißen Steilsprung rollte die oberste Stange aus den Auflagen. Ingrid nach einer kleinen Verschnaufpause: "Ich fand, er sprang super. Ich hatte einen super Rhythmus, alles so wie wir es gedacht haben. Ich wollte den Steil auch so ein bisschen halbgroß mitnehmen und dann ist er wohl leicht drangekommen. Trotzdem sprang er gut, hatte Späßchen im Galopp, war locker und sprang schön durch den Körper."

Vor sechs Jahren hatte SAP Hale Bob OLD seinen ersten Einsatz bei einem kontinentalen Championat und wurde in Blair Castle 5. Es folgten die beiden Titel in Strzegom und in Luhmühlen und nun wieder ein fünfter Rang.


Sie hatten vor zwei Jahren in Luhmühlen ein vielbeachtetes Championatsdebüt und verbessern sich in Avenches auf den siebten Rang: Carjatan S und Christoph Wahler

Eine tolle Runde absolvierten Carjatan S und Christoph Wahler über die bunten Stangen. Sehr selbstbewusst sprang der große Schimmel über jeden einzelnen Sprung sowie durch die beiden Kombinationen. Der Lohn der Anstrengungen sind 26,8 Punkte und der 7. Platz im Gesamtklassement - die zwei Sekunden von gestern kosteten einen Platz und 1.500 € Futtergeld. Die Reitermeinung: "Mein Pferd war frisch, er hat es mir sehr leicht gemacht. Wenn du so einen hast, ist Springreiten leicht. Heute war es eh leicht, aber wenn du so einen leichten Parcours hast, dann wird ein Fehler extrem teuer und extrem ärgerlich und deswegen muss man sehr konzentriert sein. Insgesamt war die EM gut. Ich hätte mir vielleicht ein, zwei Punkte in der Dressur weniger gewünscht und im Gelände ein oder zwei Sekunden schneller - aber das heute war super. Und jetzt muss ich Michi gucken." Weg war er.


Die zweite Euro-Platzierung nacheinander und für die Reiterin die erste Medaille im Seniorenlager: FRH Butts Avondale und Anna Siemer

Fast sehr gut war auch die Vorstellung von FRH Butts Avondale und Anna Siemer, einzig am Einsprung zur zweifachen Kombination, einem blau-weißen Oxer, fehlte die notwendige Höhe und die Stange fiel in den Sand. Aus dem möglichen 11. Platz wurde der 17 (mit 37,1 Punkten) - und damit die zweite Euro-Platzierung nacheinander. Anna selber beurteilte die Situation um den Klotz: "Ich muss besser reiten. Ich kam dicht über den Einsprung [in die Distanz vor der Kombination] und dachte, ich muss Galopp mitnehmen und dann war es zu viel, 'nen tuck flach."


In der Mittagspause wurde noch geunkt und spekuliert: Würden FRH Corrida und Andreas Dibowski bei einem Abbruch der Veranstaltung als Europameister geehrt werden? Ohne Springfehler und deutlich innerhalb der Bestzeit meisterte das Paar aus Döhle den Springparcours und setzte sich temporär an die Spitze des Feldes

Von 45 Parcoursrunden in internationalen Vielseitigkeiten hatten sie vor Avenches 41 ohne Hindernisfehler absolviert. Heute kam die 42. hinzu: FRH Corrida und Andreas Dibowski absolvierten die 12 Hindernisse mit den 15 Sprüngen mit viel Selbstbewusstsein und einer großen Portion Erfahrung. Weder die Linienführung, noch die Distanzen stellten das routinierte Paar vor irgendwelche Probleme, die Höhe sowieso nicht. Wenn hätte höchstens das hohe Engagement der Stute irgendetwas auslösen können. Die Wege und das Tempo hatte Dibo passend gewählt, im Ziel hatte er die Zeit bis auf gut eine Sekunde aufgebraucht. In der Ergebnisliste taucht das Paar aus dem Luhmühlener Umland mit 40,8 Punkten auf dem 22. Rang auf. Angesprochen auf den Eindruck der Tage in der Schweiz: "Das Pferd hat einen super-tollen Job gemacht, meine eigenen Erwartungen waren natürlich größer, vor allem nach der sensationellen Dressur. Da war ich gestern schon von mir selber enttäuscht, dass ich da nicht mehr Risikobereitschaft gezeigt habe und dem Team nicht mehr dienlich sein konnte. Ich hoffe, die schaffen es jetzt auch mit mir als Streichergebnis."



Ärgern, Schaum abwischen und wieder angreifen: Heute gelang der erste Teil der Zukunft für Casino und Dirk Schrade

Casino und Dirk Schrade hatten am späten Vormittag den Auftakt für das deutsche Team gemacht. Nach dem Motto 'Holsteiner springen Häuser' spielte der Schimmel mit den Anforderungen. Dirk meinte später: "Für uns hätten die Auflagen durchaus drei Löcher liegen dürfen." Bis auf den Aussprung der zweifachen Kombination, wo es einen ganz leichten Holzkontakt gab, hätte das gut und gerne gepasst - und wenn der Schimmel dann noch die Beine richtig anzieht, dürfen es auch gerne vier oder fünf Löcher mehr sein. Die Uhr zeigte eine Reserve von gut fünf Sekunden. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass es über die drei Tage der 44. Platz (74,1 Punkte) wurde. Dirk fasste seine Zeit am Murtensee knackig zusammen: "Ich weiß, dass ich ein gutes Pferd habe. Es war nicht meine Woche. Ich glaube, nächstes Jahr wird's anders und dann ist es ein sehr auffälliges Pferd, der wenig Schwächen hat - und da freue ich mich schon drauf." Auf die Frage, ob er sich im Kalender für das nächste Jahr Freiraum für einen Trip nach Italien schafft: "Ich hoffe, dass ich mir da was freihalten muss. Wenn nicht, ist etwas schief gelaufen."


Der Silber-Trainer Hans Melzer äußerte sich zwischen dem letzten Ritt und der Siegerehrung: "Man muss das sportlich nehmen, die waren wirklich besser. Die hatten in der Dressur schon, bis auf Ingrid, die Nase vorne. Im Gelände waren sie auch schneller, wir hatten ein paar mit ein paar Sekunden drüber, nur einen in der Zeit. Dann musst du einfach im Springen auch Null reiten, das ist so. Man muss das voll anerkennen. Tolles Team, was die Engländer haben. Aber ich bin stolz auf unsere Truppe. Wir hatten ja, mit der Ausnahme von Bobby, nicht unsere Top-Paare hier und die haben sich toll geschlagen und Annas erste Mannschaftsmedaille hat sie sich redlich verdient."

Aus vermeintlich Doppel-Bronze wurde der sechste Platz in der Einzelkonkurrenz: Api du Libaire und Maxime Livio

Halten die Fahne der Eidgenossen hoch: Cartania und Felix Vogg auf dem achten Platz

Punktesammler für das britische Gold-Team: Vendredi Biats und Kitty King

Platz zehn für den Weltmeister der jungen Pferde aus 2017: Monkeying Around und Izzy Taylor

In einem Herzschlagfinale gab es Bronze für die schwedische Mannschaft: Chicuelo und Sara Algotsson-Ostholt

Nachdem das Drei-Kronen-Team sein Endergebnis manifestiert hatte, lag es auf dem fünften Rang; zunächst sorgten Grandeur de Lully CH / Robin Godel dafür, das es einen Platz hinauf ging. Als Api du Libaire / Maxime Livio am Aussprung der zweifachen Kombination die Stange vor die Füße viel, sahen sich die Schweden plötzlich mit der Bronzemedaille dekoriert

Insgesamt waren die Anforderungen eher an der unteren Grenze angesiedelt. Die Höhe der Hindernisse war überschaubar, alle Distanzen klar und gut reitbar und die beiden Kombinationen einladend. Bereits in der ersten Hälfte der vermeintlich schwächeren Paare verzeichneten die Richter zwölf fehlerfreie Ritte innerhalb der Bestzeit, bei den Top-25 Startern war es ein weiteres Dutzend. Lediglich 6 Paare mussten sich Zeitfehler in den Wertungsbogen schreiben lassen.

Drei Pferde nahmen die Richter am Morgen in der Verfassungsprüfung nach einem Zwischenstopp in der Holdingbox aus dem Wettbewerb, eines wurde daraus direkt in den Stall gebracht, zwei Pferde wurden vorher zurückgezogen.

Das Schlusswort soll Andreas Dibowski haben: "Es war an keinem Tag möglich, die Briten zu schlagen." Und in Richtung der in der Pressekonferenz neben ihm sitzenden Insulaner: "Ihr könnt aber sicher sein, dass wir daran arbeiten."

Alle Ergebnislisten hält die Rechenstelle bereit:

www.rechenstelle.de/de/veranstaltungen/2021/avenches-2/


25.09.2021-KK Die Euro-Woche 2021 - Der Geländetag

Es sind von den nackten Zahlen her lediglich Nuancen, die sich nach dem Geländetag verändert haben, aber sie haben es in sich. JL Dublin und Nicola Wilson haben vor rund 10.000 Zuschauern auf dem IENA-Gelände in Avenches die Führung von SAP Hale Bob OLD übernommen, die nun auf dem zweiten Platz vor Api du Libaire und Maxime Livio liegen. Bei den Teams blieb die Reihenfolge auf den Medaillenrängen von diesen Nuancen unberührt: Großbritannien führt weiterhin vor Deutschland und Frankreich.

Das beste deutsche Cross-Ergebnis lieferten fischerWild Wave und Michael Jung, die sich um einen Rang auf den 6. Platz verbesserten, Carjatan S und Christoph Wahler kamen von 12 auf 8, FRH Butts Avondale und Anna Siemer gar von 38 auf 15. Für FRH Corrida und Andreas Dibowski ging es wegen der Zeitüberschreitung und des dicht zusammen liegenden Mittelfelds vom 11. Platz abwärts auf 30. Ein Vorbeiläufer und die daraus resultierenden Zeitfehler ließen Casino und Dirk Schrade um 20 Plätze auf die 52. Position abrutschen.

Wer sich zu den nachfolgenden Ausführungen einen eigenen Eindruck von den Hindernissen machen möchte: www.eventing-inside.de/Euro_Avenches_Cross

Aktuell in Richtung Doppel-Silber unterwegs: SAP Hale Bob OLD und Ingrid Klimke

"Ich bin sehr glücklich über diese Runde mit Bobby. Ich müsste lügen, wenn ich nicht lieber 2 Sekunden unter der Bestzeit geblieben wäre, aber es ist jetzt so. Am Sieben-Minuten-Punkt war ich einige Sekunden vor der Zeit, da wollte ich vermeiden, deutlich unter der Bestzeit ins Ziel zu kommen. Vor dem letzten Wassereinsprung hat Bobby noch einen kleinen Extra-Galoppsprung eingelegt, da war ich wohl zu schnell. Er ist so schlau, so clever, ich konnte jeden Moment genießen" erzählte Ingrid knapp eine Stunde nach ihrem Ritt mit SAP Hale Bob OLD. Am Ende waren es drei Sekunden Zeitüberschreitung und damit genau zwei zu viel für die Führung (21,4 Punkte).

Die erste Klippe, das Coffin (Hindernis 4), stellte beide vor keine Probleme. Ein ganz leichter Holzkontakt beim Einsprung, sicher über den Graben und genau die Mitte der Bürste getroffen - weiter ging's. Bei der Kombination auf der Rennbahn (6 und 7) ging es über den etwas längeren Weg. Auch alles gut. Aus den Lautsprecher ertönten anschließend nur gute Nachrichten. Im zweiten Wasser wählte Ingrid die anspruchsvolle 6-er-Vorwärtsdistanz, Bobby huschte mit aller Routine über den Aussprung bei 23b. Nach dem 24. Hindernis wirkte Hale Bob, als müsse er mit gespitzten Ohren einen Moment verschnaufen. Ingrid darauf angesprochen: "Keineswegs, er war top-fit." Nach zwei weiteren Einzelsprüngen folgte der letzte Wasserkomplex, den Ingrid weiter oben selber beschrieben hat. Lediglich 0,6 Punkte trennen die Reitmeisterin und ihren langjährigen Gefährten von der erfolgreichen Titelverteidigung und dem ersten gemeinsamen Three-peat in der Geschichte des europäischen Vielseitigkeitssports.


Nach der verpatzten Generalprobe in Arville wurde es heute eine Demonstration des Könnens: fischerWild Wave und Michael Jung können morgen mit einer fehlerfreien Parcoursrunde das Spitzenquintett mächtig unter Druck setzen

"Ich bin sehr, sehr glücklich über fischerWild Wave. Er hat wirklich alles gezeigt, was er kann. Wieder. Er kann einfach super galoppieren, er ist schnell. Er ist in jeder Situation, auch wenn es nicht immer danach aussieht, geschickt. Ich bin einfach nur super glücklich. Man reitet bei so einem Championat natürlich alles auf 110 % sicher. Vielleicht sah es dadurch hier und da nicht ganz so harmonisch und easy aus, aber er hat überall super mitgemacht, super gekämpft. Ich bin einfach nur begeistert von ihm, was er springen kann, wie clever er ist, was er galoppieren kann. Er hätte auch noch drei oder vier Minuten länger rennen können, so leicht macht er das. Er sieht auf den ersten Blick nicht danach aus, aber er hat richtig Blut und richtig Ausdauer. Da freue ich mich auf die Zukunft."

Mit gespitzten Ohren galoppierte und sprang fischerWild Wave mit Michael Jung durch das Coffin (4). An der Kombination mit der Rennbahnhecke (6 und 7) ging es über den Weg, den zuvor bereits FRH Butts Avondale / Anna Siemer und später auch Bobby / Ingrid nehmen sollten. Die nächsten Informationen erfolgten durch die Stadionsprecher. Alles passte. Besonders auffällig war, wie wenig Zeit der Youngster an den Hindernissen verlor. Unmittelbar nach der Landung war er schon wieder mit Tempo unterwegs. Frisch und flott ging es durch das zweite Wasser -dabei trällerte Olivia Newton-John ihr "You're the one that I want" aus den zahlreichen Boxen- und auch über die nächsten Hindernisse. Im Ziel sollte es die schnellste Runde des Tages sein, 11 Sekunden unter der Bestzeit. Mit dem Dressurergebnis von 23,9 Punkten ging es im aktuellen Ranking zwar "nur" um einen Platz herauf, aber bis zu den Medaillenrängen haben die beiden den Rückstand von drei Punkten auf 1,4 Punkte verringert. Drei Punkte sind es bis zu den führenden JL Dublin / Nicola Wilson. Allerdings hat die Britin den Vorteil, im Gelände eine Sekunde mehr gebraucht zu haben und damit näher an der Bestzeit zu sein.


Sie bestätigten ihre Top-Leistung aus Luhmühlen: Carjatan S und Christoph Wahler

"Die zwei Sekunden ärgern mich, weil mein Pferd sie heute nicht verdient hat. Ich habe einfach zum letzten Sprung zwei Mal zu viel gezogen, weil ich unsicher geworden bin aus der Wendung heraus. Was den Rest des Kurses gut funktioniert hat, ihn in seinem Rhythmus zu halten, das ist mit bei der letzten Kombination und dem allerletzten Sprung nicht mehr so gelungen. Da musste er sich dann noch einmal so richtig anstrengen - und das hätte nicht sein müssen. Da ärgere ich mich. Ansonsten war das Pferd ganz, ganz, ganz gut. Er war überall super in der Spur. Er hat mir von Anfang an das Gefühl gegeben, dass, wenn ich keinen Fehler mache, er auch keinen macht. Und das ist für einen Reiter ein ganz tolles Gefühl.

Weil, egal wie hoch, wie weit, oder wie schräg die Dinger sind, er springt da einfach rüber. Da freue ich mich extrem." Auf die Besonderheiten des Kurses mit seinen vielen Wendungen und Kringel angesprochen meinte Christoph Wahler: "Das war richtig harte Arbeit. Überall. Du hattest nie mal zwei Minuten wo du sagst, hier haben wir klare Linien und die Pferde können frisch galoppieren, sondern es ist Arbeit von vorne bis hinten. Ich glaube, für einen Vollblüter, der ganz schnell auf den Füßen ist, ist das ein schöner Kurs. Für mein Pferd und mich war das heute einfach Arbeit, rundherum. Er hat das super angenommen, war die ganze Zeit bei mir, die ganze Zeit vor mir, aber Kurse wie Luhmühlen liegen uns doch deutlich mehr."

Vor dem ersten Tiefsprung (9a) ließ sich Carjatan S gut regulieren, an der nachfolgenden Ecke musste Christoph kurz die Richtung nachregulieren, sicher ging es auf die lange Galoppstrecke. Die Ansager berichteten von einer kleinen Unsicherheit an 10a, durch die Heckenkombination (16a/b) ging es auf der Ideallinie. Das erste Wasser (18) und die beiden Einzelsprünge vor dem Rennbahninneren, problemlos. Anschließend kamen die guten Nachrichten wieder aus den Lautsprechern. Bis hierher haben die zwei Sekunden Zeitüberschreitung (aktuell 26,8 Punkte) noch keinen Einfluss auf die Rangierung.


Ein hervorragendes Pfadfinder-Team: FRH Butts Avondale und Anna Siemer

Völlig aus dem Häuschen war Anna Siemer, die laut kreischend ans Mikrofon trat: "Ganz komisch ist, wenn die Leute vor Sprung zwei schon 'Ahhhhhhh' schreien. Da weiß man gar nicht, bin ich falsch abgebogen oder warum schreien die so?   …   Ich glaube, sie freut sich schon, wenn jemand sagt 'Mauuuus, renn'. Und dann ist sie auch so, ja mach ich, kein Problem - die da oben bremst ja immer nur. … Es sind wirklich viele Wendungen, und ein rittiges Pferd ist ja grundsätzlich von Vorteil, habe ich gehört, in jeder Disziplin. Mit einer leichten Verbindung kann man diese Wendungen besser reiten. Wenn du einen hast, der richtig stark ist und pullt, und dann noch ein scharfes Gebiss, ich glaube, dann wird es

anstrengend. … Wenn du Avondale nach den wechselnden Böden fragen würdest, die hat sie gar nicht gesehen. Jetzt muss man aber auch sagen, Avondale hat so ein paar über vierhundert Kilo. Da hat sie natürlich eine ganz andere Verdrängung auf dem Boden, als wenn da sechshundertfuffzig Kilo angeschmettert kommen. Das darf man nicht unterschätzen. … Wir arbeiten ja mit dem DOKR mit der Leistungsdiagnostik zusammen und sie ist ja heute auch wieder mit dem GPS gelaufen und ich weiß nicht warum, aber meine einzige Angst beim Geländereiten ist, dass ich ein müdes Pferd habe. Das ist bisher noch nicht passiert. Sie ist so trainiert, dass sie das laufen muss und das gibt mir als Reiter ein besseres Gefühl - auch am Anfang mal schnell reiten zu können. Wenn du dir nicht ganz sicher bist, ob sie das konditionell halten können und du verpasst die ersten drei Minuten wo viele Galoppstrecken sind, dann wird es schwer. Vor 16 hatte ich bei der Zeit ein Plus von zehn oder elf Sekunden, da bin ich dann dort einmal den langen Weg geritten, weil zwei vor mir dort einen Stopp hatten. Bei 6 bin ich außen herum geritten, das kostet aber nur zwei oder drei Sekunden."

Auf dem Weg zu Hindernis 9 wurde FRH Butts Avondale als schnellste Maus von Mexiko angekündigt, an und zwischen den beiden Sprüngen hat sie allen gezeigt, wo der beste Weg ist. Klasse. Die Extrarunde im Hinderniskomplex 16 beschrieb Anna Siemer ja schon am Mikro. Gut ging es über 18, 19 und 20. Dann war wieder zuhören angesagt. Bis kurz vor dem Ziel hätte man meinen können, es klappt mit der Zeit, dann wurden die vier Sekunden Zeitüberschreitung ausgerufen. Mit 33,1 Punkten haben FRH Butts Avondale und Anna Siemer exakt das Ergebnis, das auch für Leonidas II / Padraig McCarthy in der Ergebnisliste steht. Allerdings lieferte der Ire mit einer Sekunde unter der Bestzeit heute das Top-Ergebnis im Cross und rangiert nun vor Anna.


Springgewaltig unterwegs: FRH Corrida und Andreas Dibowski

"Sie war schon sehr stark, das kenne ich auch schon vor ihr. Sie hört dann nicht mehr zu und dann verliert man an jedem einzelnen Sprung. Es war dann doch sehr technisch zwischendurch und man musste schon sehr exakt auf der Linie sein und dann brauch' ich zu viel Vorbereitung und dann läuft einem einfach die Zeit weg. Sie ist dann kein Pferd, das zwischen den Sprüngen im Achthundert-Meter-Tempo galoppieren kann. Sie nimmt dann einen großen Galopp wieder, aber ich darf dann auch nicht zu viel, dann krieg ich wieder nicht zurück für die nächste Aufgabe. Und es kam ja hier in den letzten drei Minuten Schlag auf Schlag. Bis

sieben Minuten war ich noch so an der Zeit dran, aber dann lief es mir einfach weg. Der Kurs lässt sich gut reiten, da laufen ja auch genug in die Zeit. … Corrida verbraucht sich an jedem Sprung, das ist einfach nicht rationell genug. Dazu kommt ja, je mehr sie gegen mich kämpft, desto mehr fußt sich auch ab. Sie ist ein sehr vorsichtiger Springer und wenn sie dann vom Gebiss nicht loskommt, springt sich halt noch höher. Auf solchen Kursen steht sie sich dann wirklich selber im Weg."

Dibo hat seine Runde mit FRH Corrida -wie immer- exakt analysiert. An 9a/b waren sie gut unterwegs, kamen flott bei 16 an. Einen kurzen Schreckensmoment gab es am Einsprung, als Corrida das rechte Vorderbein stehen ließ. Den Rumpler konnte Andreas gut aussitzen und so ohne einen Umweg auch das B-Element meistern. Danach hätte es eine Kopie zu Avondale / Anna sein können: Gut über 18 bis 20. Danach galt es wieder die Lauscher aufzusperren. "She's hungry" war Corrida auch für den Ansager flott unterwegs, den Rest hat Andreas selber kommentiert.


Ganz klar ein Paar mit Zukunft: Casino und Dirk Schrade

"Was war los? Erst einmal bin ich super zufrieden mit dem Pferd. Das wird ein ganz großer, der spielt mit den Aufgaben hier eigentlich. Ich hab's noch nicht ganz ausgewertet, aber mein erstes Gefühl ist, ich hab natürlich schon 'frech' angefangen, bei eins, zwei, drei jedes Mal einen Galoppsprung ausgelassen wenn nicht sogar zwei. Dann springt er an zwei natürlich riesig hoch, weil er einfach ein Springer ist, an drei genauso. Dann bin ich aber wirklich voll durchgekommen. Da hatte ich schon auf dem Weg zu vier ein bisschen Respekt, ob das jetzt nicht zu doll war. Aber er hat sich schön aufnehmen lassen, sprang super in das

Coffin rein. Aber durch die drei unheimlich großen Sprünge vorher sprang einfach viel zu weit rein. Vielleicht war er auch noch ein bisschen an der Hand, das er gegen die Hand sprang. Aber er sprang sauber und ganz vorsichtig da rein. Und dann war es so vom Gefühl her, hat er sich überlegt, noch einen Galoppsprung zu machen und gedacht, nee, nee, heute gehen wir vorwärts und In-Out irgendwie über den Graben rüber. Bei diesem Ausweichen und losdrücken kam ich ein bisschen auf die Innenbahn, hab' dann noch auf den schmalen drauf gelenkt aus dem Loch 'raus und da hat er dann gesagt, puhh, das ist mir dann doch 'nen bisschen zu viel. Da hätte ich mir einfach ein bisschen mehr Zeit nehmen müssen, vielleicht auch die ersten nicht ganz so überreiten oder so vorwärts anlegen. Danach war das easy, der wackelte nicht an einem Sprung, ich konnte genau das reiten, was ich wollte."

Hier bietet sich die Möglichkeit, die Berichterstattung abzukürzen. Dirk hat alles gesagt, die Bilder von Casino und ihm ergänzen seine Aussagen visuell.


© IENA - Serge Petrillo

Auf dem Weg zum Doppel-Gold? JL Dublin und Nicola Wilson bringen ihr Dressurergebnis über die Cross-Ziellinie; klar, dass sie am Abend nur lobende Worte fand: "Wir sechs Mädels unterstützen uns alle gegenseitig und haben dahinter ein tolles Team. Nach der ersten Runde am Mittwoch fand ich das Gelände schrecklich, aber danach wurde meine Meinung immer besser. Heute fand ich den Kurs ganz gut und mein Pferd hat mich sehr glücklich gemacht, er hat mir ein fantastisches Gefühl gegeben."



Das könnte Doppel-Bronze werden: Api du Libaire und Maxime Livio aus Frankreich, der ebenfalls gut gelaunt in der Pressekonferenz erschien: "Mein Pferd ist ja noch nicht so erfahren, aber wir haben uns heute sehr gut verstanden. Mit allen Abfragen ist er gut fertig geworden und hat in jeder Situation für mich gekämpft. Mit unserem Team habe ich lange über den richtigen Weg von 6 nach 7 diskutiert. Ich fand den direkten Weg mit 4 Galoppsprüngen in der Vorwärtsdistanz bei seiner Qualität besser  -  und es war die richtige Wahl."


Ein paar Worte noch von Mike Etherington-Smith, der mit einem Glas Champagner zur Pressekonferenz erschien: "In der kurzen Zeit die Euro zu bauen war schon eine Herausforderung für das gesamte Team. Wir sind glücklich, dass wir alles so geschafft haben und es heute so gut gelaufen ist. Klar, wir haben auch Glück mit dem Wetter gehabt, es war trocken und wir konnten den Boden mit der Bewässerung in einen guten Zustand bringen. Mit viel Regen hätten wir einen schwierigen Tag bekommen. Unser Ziel war es, die guten Paare nach vorne zu bekommen - und wenn ich hier in die Runde schaue, ist uns das ganz gut gelungen. Einen Kurs für ein Teamevent zu bauen, ist immer schwieriger als ein normales Turnier. Wir haben dabei ein Hauptaugenmerk auf den guten Rhythmus gelegt. So konnten auch die weniger erfahrenen Reiter und viele junge Pferde gut durch das Gelände kommen."

Von den 67 Startern sind noch 58 im Wettbewerb. Sieben Doppel-Null-Runden stehen sieben "eliminated"-Einträge in der Ergebnisliste entgegen. Zwei Reiter haben einen Sprung ausgelassen, für zwei Paare kam der Ausschluss nach drei Verweigerungen. Cesar V / Joseph Murphy (IRL) und Canvalencia / Malgorzata Korycka (POL) hatten jeweils einen Sturz zwischen den Hindernissen 15 und 16. Gwendolen Fer (FRA) konnte einen Rumpler an 23a nur für zwei Galoppsprünge aussitzen und stand dann mit den Stiefeln im Wasser. Besonders anfällig für Verweigerungen waren 16b (5), der Aussprung des Coffins (4c - 3; und 2 ausgelöste MIMs an 4a) sowie das Blumentrapez 10a (3).

War die Dominanz der Briten nach der Dressur mit allen sechs Paaren unter den Top-20 schon beeindruckend, ist sie jetzt schon fast erschreckend: Fünf von ihnen finden sich aktuell unter den besten zehn Paaren. Bei den Pferden gibt es ein deutliches Übergewicht zu Gunsten der deutschen Zuchtgebiete: Den sieben heimischen Vierbeinern stehen zwei aus Frankreich und ein Ire gegenüber. Einzig gegen den Trend der Jugend (9 Pferde sind zwischen 9 und 12 Jahre alt) hält SAP Hale Bob OLD mit seinen 17 Jahren. Die Spitzengruppe liegt vor dem Springen wahrlich eng beisammen. Ein Springfehler kann zwischen dem Titel und Platz 6 alles bedeuten - und davor kommt noch die Verfassungsprüfung. Es wird ein spannender Sonntag werden.


Ein weiterer Doppel-Nuller: Cartania und Felix Vogg (SUI) verbessern sich von 19 auf 9 und verhelfen dem Schweizer-Team zu einem vierten Platz im Zwischenklassement

Sie trugen dazu bei, dass die irische Mannschaft sich vom 11. Platz auf den 5. vorarbeiten konnte: Ballybolger Talismann und Sam Watson


Mit dem Team Schweden auf dem 6. Platz: Chicuelo und Sara Algotsson-Ostholt

Beste in der Mannschaft aus der Alpenrepublik (7. Platz): van Helsing P und Lea Siegl

Via Doppel-Null auf Platz vier nach dem Gelände: Brookfield Inocent und Piggy March (GBR)

Platz sieben hinter Michael Jung: Vendredi Biats und Kitty King (GBR)

Die fünfte Britin in den Top-10: Izzy Taylor und Monkeying Around

SAP Hale Bob OLD

und

Ingrid Klimke

fischerWild Wave

und

Michael Jung


Carjatan S / Christoph Wahler



FRH Corrida / Andreas Dibowski


FRH Butts Avondale /

Anna Siemer

Casino / Dirk Schrade am Einsprung des Coffins,

in dem unglücklichen Moment

und beim zweiten Versuch

Casino / Dirk Schrade

Alle Starter- und Ergebnislisten sowie den Liveticker hält die Rechenstelle bereit:

www.rechenstelle.de/de/veranstaltungen/2021/avenches-2/

Bewegte Bilder wird Clipmyhorse übertragen, Sonntag gibt es die Einblicke hinter der Bezahl-Schranke:

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25.09.2021-KK

Die Euro-Woche 2021 -

Neun Momente einer Analyse und sechs Meinungen zu einem Kurs

Nur wenige Augenblicke nach ihrer Championatsdressur mit FRH Butts Avondale tauschte sich Anna Siemer mit den Trainern Hans Melzer und Jürgen Koschel aus. Hier eine Bilddokumentation in Ausschnitten...


Nachher warten 32 Hindernisse, 5.765 Meter Galoppstrecke und eine Bestzeit von 10:07 Minuten auf die 67 Teilnehmer der 35. Europameisterschaft der Vielseitigkeitsreiter. So sehen die deutschen Teilnehmer die Aufgaben von Mike Etherington-Smith:

Andreas Dibowski (FRH Corrida / Startzeit 12:44 Uhr): "Es sind sehr viele unterschiedliche Aufgaben, sehr interessante Aufgaben. Ich könnte natürlich jetzt sagen, was mir nicht gefällt. Das tue ich aber nicht." Aus der Runde kam die Frage, wie viele Probleme er lösen möchte: "32." Nachgehakt, ob die gute Dressurleistung einen Einfluss auf die Herangehensweise an den Kurs hat: "Nein, ich hoffe erst einmal heil 'rüberzukommen. Es ist natürlich ein gewisser Druck da, den mache ich mir selber, den muss ich versuchen auch so gering wie möglich zu halten, ich habe natürlich auch meine eigenen Erwartungen. Es wird sich nichts ändern. Ich bin jetzt kein Kamikaze-Reiter, ich versuche, da heil 'rüberzukommen und das bestmögliche daraus zu machen. Das Pferd ist super-fit, das hat sie auch in der letzten Prüfung in Strzegom gezeigt."

Anna Siemer (FRH Butts Avondale / 11:28) "Es sind viele Wendungen. Ich will nicht sagen, dass es kringelig ist, aber man muss gut wissen, wann kommt eine Wendung und wo muss man denn hin. Das muss nachher ganz genau im Kopf sein." Was hast Du Dir vorgenommen: "Null und schnell." Wie schnell: "In der Zeit, das reicht."

Christoph Wahler (Carjatan S / 12:16) "Das Gelände finde ich schwer, sehr anspruchsvoll, es sind sehr viele Richtungswechsel. Es gibt ganz schöne viele Wegübergänge, wo die Pferde unheimlich gut auf den Füßen sein müssen, viel wechselnder Boden, mit denen man als Reiter rechnen muss. Viele Schwierigkeiten auch am Ende noch, wenn die Pferde sicherlich einen kleinen Tick müde oder angestrengt zumindest im Kopf sind. Mal gucken, ich freu' mich drauf."

Dirk Schrade (Casino / 13:36): "Is'n Championatskurs, man muss, glaub' ich, sehr konzentriert bleiben weil überall kleine Fehler passieren können. Die Zeit wird sicherlich schwer zu halten sein, weil es schon sehr kringelig ist. Aber ich denke, es ist machbar, wenn man jeden Sprung konzentriert reitet. Und es ist, glaub' ich, ein Vorteil hier, wenn man sicher in der Distanzwahl ist, damit da keine Folgefehler passieren. Auch die Einzelsprünge stehen so, dass sie korrekt angeritten werden wollen und nicht nur dass man den Weg entlang galoppiert und dann ist der Sprung vor einem. Das ist clever gemacht, aber man muss sich anstrengen."

Ingrid Klimke (SAP Hale Bob OLD / 15:36) "Ich bin schon jetzt vier Mal abgelaufen. Lieber einmal mehr als einmal zu wenig, weil ja gerade mit den Schneisen und den Wegen und dem Gekringel, ich glaube, da muss man als Reiter ganz genau die Kurven wissen, die Ideallinie immer haben, dass man keine Zeit verschenkt weil es bestimmt auch schwer sein wird, in die Zeit zu reiten. Ich bin natürlich froh, dass ich ein schnelles Pferd habe und habe mir auch alle direkten Wege angeguckt. Für mich ist es gut zu wissen, dass Bobby eben auch schon in Badminton war und schon viele schwere Kurse hinter sich hat. Das gibt einem dann auch ein gutes Vertrauen. Er ist ein alter Hase und kennt das Geschäft. Alle Aufgaben die da so sind hatten wir ja irgendwie, irgendwo schon mal gehabt. Von daher freue ich mich sehr auf morgen." Dann kam die Frage nach der Doppelhecke [12 und 13]: "Das kommt aufs Pferd an. Wenn man ein junges Pferd hat, das sich sehr überspringt und so eine Hecke nicht auswischt, dann kann das wirklich sehr schwer werden. Wenn man einen alten Hasen hat der sehr rationell ist, kann das auch eine Ideallinie sehr schön sein. Also, man ist ja nie vor Überraschungen sicher und muss vom ersten bis zum letzten Hindernis jedes einzelne Hindernis, man darf keines unterschätzen, man muss überall richtig auf der Linie sein, das Pferd in der Balance haben, zwischendurch schnell reiten, aber immer wieder die Vorbereitungspunkte nutzen, dass man sie wirklich ganz sicher einrahmt, weil ja ganz oft schräg oder schmal kommt. … Da muss man als Reiter sehr konzentriert sein und unheimlich unterstützen und den Pferden ganz klar die Richtung sagen. … Null und in der Zeit, das ist die Mission. Klar."

Michael Jung (fischerWild Wave / 14:20) "Ich glaube, es ist schwer genug, gut für ein Championat. Überall sind Alternativen, es ist fair gebaut. Die Zeit wird sicherlich ein Thema, das wird man sehen nach den ersten paar Reitern, wie sich das überall galoppieren lässt. Es sind Schwierigkeiten überall gut verteilt, nichts ist übermäßig schwer, wo man sich richtig Kopfzerbrechen macht. Aber ich glaube, man muss überall gut konzentriert sein, muss selber so ein bisschen wissen, wo sein Pferd die Stärken und Schwächen hat. Auf jeden Fall ist das nicht einfach so zum 'runtergaloppieren." Gefragt wurde er, ob sein Plan schon steht: "Nicht genau. Wir laufen jetzt noch ein paar Mal ab, haben heute Abend noch ein Teamgespräch, wo wir alles nochmal durchgehen und dann werden wir sicherlich das eine oder andere dann besprechen. Also ich denke heute Abend steht der Plan. Ich hab' schon so ein paar Ideen, aber wir schauen alles nochmal genau an und ich bin ja ein bisschen weiter hinten dran, da können wir genau gucken, wie es läuft. Und je nachdem bleibe ich da an der ein oder anderen Stelle noch etwas flexibel."

Im Gelände sind sich Chris Bartle und Andreas Dibowski über den Weg gelaufen. Einige Anforderungen des Aufbauers Mike Etherington-Smith stießen bei Dibo auf Kritik. Die Botschaft des Ex-Bundestrainers an seinen ehemaligen Schützling: "Konzentriere dich auf die Aufgaben, die du lösen musst - nicht auf die Sachen, auf die du keinen Einfluss hast." Er will es machen.

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24.09.2021-KK    Die Euro-Woche 2021 - Der Dressur zweiter Teil

SAP Hale Bob OLD und Ingrid Klimke haben mit einem fulminanten Endspurt die Führungsposition im Wettkampf um die Titelverteidigung übernommen. Ihre stärkste Konkurrenten sind nach der Dressur die amtierenden Weltmeister Allstar B und Rosalind Canter (GBR) sowie die gestern bestbewerteten JL Dublin und Nicola Wilson. Vom siebten Platz aus starten fischerWild Wave und Michael Jung

morgen in das Gelände, FRH Corrida und Andreas Dibowski (11.) rangieren direkt vor Carjatan S und Christoph Wahler. Am Vormittag sind Casino und Dirk Schrade auf den 32. Platz geritten, FRH Butts Avondale und Anna Siemer stehen auf dem 38. Rang der insgesamt 67. Teilnehmer.

In der Teamwertung sind nach wie vor die Briten (64,80 Punkte) das Maß der Dinge. Mit einer Differenz von etwas mehr als einem Springfehler hat die deutsche Mannschaft (69,70) den zweiten Platz vor den Franzosen (77,30) übernommen.

Glänzend war bereits die Präsentation von SAP Hale Bob OLD und Ingrid Klimke auf dem Abreiteplatz, funkelten doch von Bobbys Fliegenschutzmaske und Ingrids Helm die Glitzersteine in der Nachmittagssonne. Das goldene Reiterabzeichen -direkt unter dem Bundesadler auf goldenem Grund - am Frack trug seinen Teil dazu bei. In der Arena ließ sich Bobby noch vor dem Startzeichen der Richter einmal

ablenken und war die nächsten Meter sehr flott unterwegs. Aber es war eine Unsicherheit nur für etwas mehr als einen Augenblick. Ein paar Extra-Meter im Galopp und die Harmonie war wieder hergestellt. Im Vorfeld hatte Hans Melzer sich auf die Frage nach Ergebnis festgelegt: "Vorne, ganz vorne. Mit ihrer Korrektheit müsste sie das schaffen - auf jeden Fall hat sie die Chance dazu." Die nächsten Minuten sollten zeigen, wie wichtig der zweite Satz werden würde.

Bei den ersten Zwischenergebnissen rangierten die beiden bei ihrem vierten Europameisterschafts-einsatz wirklich ganz vorne, verlorenen im Galopp und Schritt trotz der guten Leistung etwas an Boden. Je näher das Ende der Aufgabe kam, desto kleiner wurden die Platzziffern wieder. Bei der Wendung auf die Mitteillinie sah alles nach einem tollen 2. Rang aus - ehe das Halten (9-10-10) und die durchgängige 9 bei der Harmonienote den Ausschlag gaben - womit wir wieder bei der Korrektheit angekommen sind. Bei einer relativ einheitlichen Bewertung (166,5-170,5-166) der drei Richter hält das Endresultat von 20,2 Punkten mit 0,4 Punkten nur den Hauch eines Vorsprungs vor Allstar B und Rosalind Canter bereit, die selber nur 0,3 Punkte vor JL Dublin und Nicola Wilson in der Hand hat. Wie dicht die Leistungen dieser drei Paare in 18 von 20 Lektionen beieinander gelegen haben zeigt der Blick auf die unteren Teile der Notenbögen: Allein der Gruß und die Schlussbewertung sorgten mit 83 zu 78 und 76 Punkten für die minimalen Unterschiede.

Knapp vorne bedeutet auch 1. Platz und im Moment das Maß der Dinge: SAP Hale Bob OLD und Ingrid Klimke   

"Mit dem ersten Applaus der Zuschauer war er so etwas von 'auf Sendung'" beschrieb Ingrid den kurzen Moment der Unsicherheit vor dem Beginn der Aufgabe. "Vom Gefühl her fand ich es total schön, ich hatte so eine super Anlehnung. Jede Lektion konnte ich richtig reiten, er hat total gewartet und gehorcht. In den Traversalen konnte ich immer noch etwas Schwung holen, die Wechsel fand ich locker. Vom Gefühl er war es fehlerfrei. Ich hab' dann natürlich auch mal auf die Tafel geguckt und gedacht  'Bobby, das letzte Halten muss eine Zehn werden, sonst schaffen wir das nicht mehr."


Danke an Annette Dölger    -www.pferdegrafie.com-    für das Bild

 


Nach der Morgenarbeit reichten Michael Jung für die finale Vorbereitung auf den ersten Championatseinsatz von fischerWild Wave gute 25 Minuten. Unter den Augen von Vater Joachim Jung und dem Jürgen Koschel wurde auf dem Vorbereitungsviereck am letzten Feinschliff gearbeitet. In der Arena zeigte sich der braune Holsteiner auf den Punkt fit und spulte trotz seiner Jugend ein tolles Programm ab. Jede einzelne Lektion sah sicher aus, die Leistung immer abrufbar. Anfänglich lagen die Bewertungen bei um die 80 %. Warum Christian Landolt (Richter bei E) im Mittel- und starken Schritt lediglich die 6,5 gezückt hat, wird wohl sein Geheimnis bleiben. Insgesamt lag er am Ende deutlich hinter seinen beiden Kollegen zurück und hatte das deutsche Paar lediglich auf dem 14. Platz gesehen. Wie es das Endresultat von 23,9 Punkten bereits vermuten lässt, lagen die Bewertungen für die einzelnen Lektionen immer zwischen 7 und 8,5 - mit den beiden oben beschriebenen Ausnahmen und einer 9 von Christian Steiner beim letzten Gruß. Insgesamt war es ihr bisher bestes 4*-Dressurergebnis. Die reiterliche Leistung von Michael Jung quittierte Hans Melzer: "Auf dich ist Verlass."

Gehen als Jäger in die Startbox: fischerWild Wave und Michael Jung

"Er hat sich stetig verbessert und gibt mir immer ein gutes Gefühl. Letztendlich ist es das, was man sich immer wünscht, das es immer bergauf geht Richtung Championat und man auf dem Championat die beste Leistung abliefern kann. Das hat jetzt in der Dressur schon mal geklappt. Da bin ich sehr, sehr zufrieden, sehr glücklich drüber. Vom Gefühl hat er sich gut reiten lassen, vom Seitenbild sah er, glaub ich, sehr gut aus. Er hat einen sehr guten Grundschwung, Seitengänge macht er sehr gut. Schulter herein und auch Traversalen, da kreuzt er richtig gut.

Der erste Wechsel war vom Gefühl her gut, beim zweiten ist er mir so ein bisschen in die Ecke weggeschwommen. Sonst, glaube ich, war es eine sehr korrekte Dressur mit einigen Höhepunkten. Der Schritt war richtig gut. Er hat eine gute Mischung gehabt aus Pep und Ausdruck, aber trotzdem die gewisse Losgelassenheit." Auf die Frage, ob er mit dieser Entwicklung von fischerWild Wave gerechnet habe : "Ehrlich gesagt: Ja. Meine Wunschnote war so Richtung 20 und ich hatte wirklich ein gutes Gefühl." Und gefragt, ob er eine Erklärung für die Schrittbewertung von Christian Landolt hat: "Nein." Er hat einen sehr, sehr guten Schritt, er hat sich dieses Mal. Er hat sich dieses Mal auch sehr gut reiten lassen, ist auch sehr gut von der Anlehnung gewesen, hatte Fleiß genug. Nein, keine Ahnung."


Der Gruß erinnerte an die Zeiten, als Dirk Schrade noch in der Uniform der Luftwaffe ritt. Einfach zackig, wie er im Sattel von Casino den Richtern signalisierte, dass er nun bereit sei. Vor dem Einritt auf das Viereck gab es noch eine Schrecksekunde, als Casino sich für einen Moment deutlich ablenken ließ. Dirk galoppierte einen zusätzlichen Zirkel und ritt schnurgerade auf der Mittellinie. Nach den Trablektionen sahen die Noten so aus, als könnte die seit dem letzten Jahr vereinte Kombination ihr bisheriges 4*-Bestergebnis abliefern. In der ordentlichen Schrittarbeit war es eine Richtereinschätzung, die das Ergebnis sacken ließ. Bereits beim Angaloppieren zeigte sich, dass Casino spätestens jetzt "an" war. In der Wendung vor dem ersten fliegenden Wechsel musste Dirk sogar aufpassen, die Balance zu halten; der Wechsel selber war weit weg von dem, was die beiden noch wenige Minuten zuvor auf dem Abreiteplatz gezeigt hatten: 5-5-4. Mit einer gehörigen Portion Erfahrung brachte Dirk den Schimmel gut durch die nächste Traversale, ehe es beim Übergang zur Galoppverstärkung erneut eine Unstimmigkeit gab. Die folgenden Trablektionen lagen bei knapp 70 %, die Schlussaufstellung (7,5-9-8) und die doppelt zählenden Noten für die Harmonie zwischen Reiter und Pferd (7,5-7,5-7) sorgten für die weitere Verbesserung des Gesamtergebnisses.

Wird morgen ein bisschen schneller galoppieren: Casino unter Dirk Schrade

"So kenne ich ihn wirklich nicht. Er ist immer total konzentriert in der Prüfung und eher so auf der triebigen Seite" war die erste Einschätzung von Dirk Schrade nach seinem Ritt mit Casino. "Aber dem gefällt es hier gut in der Schweiz, deswegen hat er jetzt hier ein wenig Emotionen gezeigt - und dann muss er halt morgen dafür ein bisschen schneller gehen" setzte er mit einem Lächeln fort. "Spaß beiseite: So habe ich das Pferd noch nie erlebt, jetzt weiß man's. Man kriegt immer neue Erfahrungen über ein Pferd und das macht es ja auch so interessant. Bisschen schade, weil er ja sehr solide Dressur gehen kann. Heute wurde

er einfach 'nen bisschen spannig. … Mit der Note bin ich ganz gut weggekommen, er war halt schon spannig - da muss er am Anfang gute Punkte bekommen haben. Am Ende war er halt einmal von der Fahnenstange, dass muss man ganz ehrlich sagen. … Abhaken, geht weiter. Das ist ja das Schöne an unserer Disziplin, dass es noch nicht fertig ist."


Weltmeister und Olympiareservisten und nun??? Allstar B und Rosalind Canter

Das beste Dutzend nach der Dressur setzt sich aus fünf Briten, vier Deutschen und je einem Paar aus Frankreich, Österreich und den Niederlanden zusammen. Zwischen SAP Hale Bob OLD und Carjatan S liegen dabei gerade einmal 5,8 Punkte, umgerechnet für das Gelände lediglich 15 Sekunden - und das bei einem Kurs, der auf Grund seiner Linienführung wahrscheinlich zu etlichen Zeitfehlern führen wird.

Nicola Wilson mit JL Dublin von Diarado aus der Zarinna von Canto (bei unserer Le Lion-Berichterstattung in 2018 hatten wir den Muttervater aus der FEI-Datenbank übernommen; die heutige Recherche zeigt aber, dass der dortige Eintrag 'Cantano' wohl falsch ist), Züchter ist Volker Göttsche-Götze aus Groß Buchwald, verkauft wurde JL Dublin in 2015 für 50.000 € über die Holsteiner Auktion via Francesca Pollara

© IENA

Die Liste der bisherigen Team-Europameister beinhaltet mit Großbritannien (22 Einträge), Deutschland (6), Russland (3 aus den Zeiten der UdSSR), Schweden (2) und Irland lediglich fünf verschiedene Einträge. Mit dem Blick auf die Qualität von Pferden und Reitern sieht es im Moment danach aus, als würde die Liste am Ende des Events so fortgeführt werden. Falls jemand noch einen Beweis für die Dominanz der Briten benötigt: Vendredi Biats / Kitty King liefern das Streichergebnis für das Team - und liegen in der Einzelwertung auf dem 8. Platz.

Noch einmal Michael Jung, quasi wie ein Wort zum Samstag:

"Ich liebe was ich hier mache - aber es ist nicht nur just for fun."

Alle Starter- und Ergebnislisten sowie den Liveticker hält die Rechenstelle bereit:

https://rechenstelle.de/de/veranstaltungen/2021/avenches-2/

Bewegte Bilder wird Clipmyhorse übertragen, die beiden Dressurtage werden frei gestreamt, am Samstag und Sonntag gibt es die Einblicke hinter der Bezahl-Schranke:

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23.09.2021-KK    Die Euro-Woche 2021 - Der Dressur erster Teil

Das war deutlich: In beiden Tageshälften waren es die Reiterinnen von der britischen Insel, die die Maßstäbe gesetzt haben. Zunächst waren es Brookfield Inocent und Piggy March, die die Führung übernommen haben. Nach der Mittagspause waren es JL Dublin und Nicola Wilson, die sich noch vor ihre Teamkollegin gesetzt haben. Direkt dahinter folgen FRH Corrida / Andreas Dibowski und Carjatan S / Christoph Wahler.

Den Auftakt aus deutscher Sicht hatten FRH Butts Avondale und Anna Siemer auf das Viereck gebracht. Die dunkle Nobre xx-Tochter, die nach einem früheren Aufenthaltsort ihres Züchters und Besitzers Prof. Dr. Volker Steinkraus in den USA benannt ist, war schon auf beiden Vorbereitungsplätzen sehr gelassen, wackelte mit den Ohren und zeigte eine sehr rege Maultätigkeit. Diese Lockerheit konnte Anna mit in die Prüfung nehmen. Die ersten Lektionen ließen die Hoffnung auf eine Bewertung oberhalb der 70 Prozent zu. Einschränkungen gab es in den drei Schrittlektionen, wo alle Benotungen lediglich zwischen 5 und 6,5 lagen und dem zweiten fliegenden Wechsel, der von allen drei Richtern mit 4 Punkten bewertet wurde. In der Gesamtbewertung sind es nun 31,50 Punkte, damit zwar 3,40 Punkte mehr als beim 5*-Debüt in Kentucky im April, aber auch 0,40 weniger als bei der Euro vor zwei Jahren.

FRH Butts Avondale (*2007, Hannoveranerin von Nobre xx x Heraldik xx) mit Anna Siemer

"Sie hat es brav gemacht, es ist ein ordentliches Ergebnis. Mit Sicherheit geht es deutlich besser, aber wir sind auf einem Turnier, wo das Gelände länger ist als die Dressur - und das ist doch gut für mich und mein Pferd" war Annas erste Einschätzung nur wenige Minuten nach dem Ritt. "Von der Atmosphäre hat sie sich nicht anstecken lassen, da hab' ich gar nicht so mit gerechnet. Ich hätte ich mehr reiten können, mehr riskieren können" fasste sie sich dabei bildlich an die eigene Nase.


Gleich neun Punkte gegenüber Luhmühlen konnten FRH Corrida und Andreas Dibowski gutmachen. Mit 25,60 Punkten rangiert die Döhler Kombination in Sichtweite zu den beiden britischen Paaren (20,90 bzw. 23,30). Auf dem Übungsviereck zeigte Corrida nach dem letzten Mittelgalopp, dass sie den auch kreuzweise kann, in der Arena nutzte Dibo fast die komplette Vorbereitungszeit und ritt sechs Sekunden vor dem Ablauf der Uhr auf das Viereck. Es schien, als hätte sich jeder einzelne Augenblick gelohnt. Nach dem ersten Drittel der Aufgabe war auf der Anzeigetafel "Rank 2" zu lesen. Der begrenzte Schritt drückte anschließend auf die Note, die Bewertung ging Richtung 70 %. Im Galopp fühlte sich Corrida sichtbar wohler, die Noten wurden wieder besser, bei der Trabarbeit lagen sie deutlich über 80 %. Eigentlich schade, dass die Aufgabe nur eine Trabverstärkung fordert.

FRH Corrida (*2009, Hannoveranerin von Contendro I x Espri) mit Andreas Dibowski

"Sie war schon die ganzen Wochen seit Tokio gut drauf, sie war immer entspannt und ich konnte ihre Leistung abrufen. Sonst haben wir immer mal wieder so Wackelmomente beim Halten, aber hier, haben die Trainer gesagt, stand sie immer gut. … Das Pferd fühlt sich einfach wohl, sie ist unkompliziert im Umgang. … Auch die Tokio-Reise hat ihr überhaupt nichts ausgemacht. … In Tokio habe ich sehr intensiv mit Jürgen Koschel trainieren können und das nach der Rückkehr auch fortgesetzt. Das hat uns viel geholfen" erzählte Andreas Dibowski. Auf die Frage nach seinem Gemütszustand: "Ich bin tatsächlich sehr zufrieden."


"Der haut jetzt richtig einen raus" hatte Bundestrainer Hans Melzer vor dem Einritt von Carjatan S und Christoph Wahler behauptet. Er sollte recht behalten. Als bester Einzelreiter wird Christoph Wahler mit seinem Carjatan S im Zwischenklassement auf dem vierten Platz geführt. Mit den 26 Punkten kommen die beiden nahe an die eigenen 4*-Bestbewertungen heran. Um möglichst viel Ruhe aus der Vorbereitung mit in die Aufgabe zu nehmen, ritt Christoph den positiv-auffälligen Schimmel im Schritt in das Stadion. Schon nach weniger als 50 Metern erschrak Carjatan, fing sich aber sehr schnell wieder. Bis zum Halt vor dem Rückwärtsrichten lagen die Bewertungen der Richter bei knapp 78%. Nach eigenen Angaben führte ein Reiterfehler in der Vorbereitung zum misslungenen ersten fliegenden Galoppwechsel, für den es nur je 4 Punkte gab. Mit der Ausnahme von zwei Schrittlektionen wurde jeder andere Teil der Aufgabe mit 70 % oder mehr bewertet, der letzte Halt sogar mit 8-9-9.

Carjatan S (*2009, Holsteiner von Clearway x Galant Vert xx) mit Christoph Wahler

"Mit vielen Sachen bin ich ganz, ganz zufrieden. Ich glaube, wir hatten eine gute Trabtour, er ist einen super Schritt gegangen und war immer total bei mir. Ich bin schlecht zum ersten Wechsel hingeritten, das war teuer. Ich hatte ein tolles Gefühl heute. … Bei den Aufgaben mit mehr Verstärkungen hätte ich vielleicht noch mehr riskiert, hier wollte ich aber das er sehr ruhig bleibt" resümierte Christoph Wahler nach seinem Ritt.


Wer noch mehr zu Carjatan S, Anna Siemer, Andreas Dibowski und Christoph Wahler lesen möchte, wird    h i e r   in besonderen Porträts fündig.


Alle Starter- und Ergebnislisten sowie den Liveticker hält die Rechenstelle bereit:

https://rechenstelle.de/de/veranstaltungen/2021/avenches-2/

Bewegte Bilder wird Clipmyhorse übertragen, die beiden Dressurtage werden frei gestreamt, am Samstag und Sonntag gibt es die Einblicke hinter der Bezahl-Schranke:

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23.09.2021-KK Die Euro-Woche 2021 - Der Vorausblick auf Samstag

Erst relativ spät hat Mike Etherington-Smith die Aufgabe des Geländebauers für die Europameisterschaft übernommen und 32 Hindernisse auf das Rennbahngelände in Avenches gesetzt. Auf überwiegend mit sattem Gras bewachsenem Untergrund werden die Pferde am Samstag galoppieren, dabei einige Male die rote Aschebahn der Traber kreuzen. Mehrere Geländesenken wurden für ein besseres Geläuf aufgefüllt. Nach den aktuellen Angaben ist die Streckenlänge auf 5.765 Meter gemessen worden, die Reiter sollten nach 10:07 Minuten im Ziel sein.

Sehr viele Kombinationen sind auf die Strecke gesetzt, größtenteils angeboten mit Alternativen auf deutliche längeren Wegen. Apropos Wege, die werden zu einer verstärkten Konzentrationsaufgabe werden. Es geht kreuz und quer über das gesamte Areal, teilweise mit überraschenden Wendungen. Es wird spannend zu sehen, ob alle Reiter dabei die Orientierung behalten.

In der Bildergalerie folgen Aufnahmen von allen Hindernissen mit kurzen Anmerkungen:

Auch ein Klick auf das Bild führt zum Galerie...




22.09.2021-KK

Die Euro-Woche 2021 - Die erste Verfassung und ein Blick in die Starterliste

Alle Pferde der deutschen Reiter haben ohne Probleme die erste Verfassungsprüfung absolviert. Die Verantwortlichen mit und um Bundestrainer Hans Melzer haben entschieden, dass FRH Butts Avondale, FRH Corrida,

 

fischerWild Wave und SAP Hale Bob in dieser Reihenfolge für das Team starten. "Beide haben absolut gute Chancen für die Einzelwertung" war seine Aussage zu Carjatan S und Casino. "Michi und Christoph hatten ja in Arville beide einen Sturz, da haben wir Michi wegen der größeren Erfahrung für das Team gesetzt; bei Dirk und Casino ist es erst die zweite gemeinsame Saison, da wollten wir mit einem Mannschaftseinsatz keinen zusätzlichen Druck aufbauen."

Damit gehen für das Team drei der vier Reiter an den Start, die als Titelverteidiger in das Land der Eidgenossen gereist sind, mit FRH Corrida und SAP Hale Bob OLD zwei Pferde, die schon für das Gold in der Westergellerser Heide gekämpft haben. FRH Butts Avondale und Anna Siemer waren vor zwei Jahren das bestplatzierte Paar der deutschen Einzelreiter.

Die Briten als Vize-Meister haben -die Pferde betreffend- ihr komplettes Team neu aufgestellt, bei den drittplatzierten Schweden sind lediglich Golden Midnight / Malin Josefsson wieder dabei. Insgesamt starten in Avenches 13 Teams, Russland und Tschechien sind gegenüber Luhmühlen hinzu gekommen, Finnland ist in diesem Jahr nur mit einer Einzelreiterin vertreten.

Von den Top-20 aus Luhmühlen sind als Paare noch SAP Hale Bob OLD / Ingrid Klimke, Vendredi Biats / Kitty King (GBR - 7.), FRH Corrida / Andreas Dibowski (16.)  und Carjatan S / Christoph Wahler (20.) dabei. Neben der Titelverteidigerin Ingrid Klimke sind mit Michael Jung ( FBW La Biosthetique Sam FBW - Luhmühlen 2011, Halunke - Malmö 2013 und fischerTakinou - Blair Castle 2015) und Jean Lou Bigot (Twist la Beige - Achselschwang 1993) zwei Ex-Europameister am Start. Sollte Ingrid ihrem Triumpf wiederholen, wäre sie nach Michael Jung und Virginia Elliot (auch Holgate bzw. Leng / Priceless - Burghley 1985, Night Cap - Luhmühlen 1987, Master Craftsman - Burghley 1989). In diesem Fall würde auch "Bobby" einen neuen Maßstab setzen: Er wäre das erste Pferd mit drei kontinentalen Vielseitigkeitstiteln.

Apropos Luhmühlen 2019: Wer war noch gleich im Gelände mit der schnellsten Runde unterwegs, wer hat die Bestzeit genau getroffen oder warum kamen schon nach den ersten beiden Startern unwohle Gefühle hoch? Dann gab es noch einen ganz besonders unglücklichen Euro-Pechvogel  -  alle Berichte sind auf     eventing-inside.de/Europameisterschaft-Senioren/ zusammengefasst.

Bei der Anzahl der startenden Reiter war die deutsche Föderation ja auf die Ausschreibung festgelegt. Anders sieht es bei den Pferden aus: Insgesamt 38 der auf der Starterliste stehenden 67 Vierbeiner kommt aus deutschen Landen. Besonders stark sind die Holsteiner mit 11 Nachkommen vertreten, die Hannoveraner mit 7. Zehn Pferde sind bei beim französischen Selle Français-Stutbuch eingetragen, sechs beim KWPN in den Niederlanden und fünf gelten als Irish Sporthorse. Neben dem deutschen Team sind auch die Niederländer und die Franzosen ausschließlich national beritten.

Ihre letzte Euro dürften wohl SAP Hale Bob OLD, Milana (Esteban Benitez Valle - ESP) und Constantin M (Mia Hastrup - DEN) bestreiten: Sie sind mittlerweile 17 Jahre. Drei Youngster des 2012er Jahrgangs gehen morgen und übermorgen auf das Dressurviereck: fischerWild Wave, Jewelent (Claire Abbott - IRL) und Trnka-Ruf (Miroslav Trunda - CZE).

Mit MP Imagine If (Mikhail Nastenko - RUS) und Ferreolus Lat (Miloslav Prihoda - CZE) sind zwei Pferde am Start, die bei den Olympischen Spielen vor ein paar Wochen in die Wertung gekommen sind. The Quizmaster (Merel Blom - NED) und ASCI Champ de Tailleur (Janneke Boonzaaijer - NED) sind im Gelände ausgeschieden, Chicuelo (Sara Algotsson-Ostholt - SWE) wurde lediglich im Springen eingesetzt.


Teampremiere und Pathfinder: FRH Butts Avondale aus der Zucht und dem Besitz von Prof. Dr. Volker Steinkraus mit Anna Siemer

Beide könnten hier in die Vielseitigkeitsgeschichtsbücher eingehen: SAP Hale Bob OLD (Z: Dr. Volker Lück) mit seiner Besitzerin Ingrid Klimke

Nach einem tollen Wochenende in Luhmühlen und einem Patzer bei der Generalproben mit dem Vertrauen des Bundestrainer dabei: Carjatan S (Z: Carl-Friedrich Söhrmann, B: Lena Thönies und der Reiter) mit Christoph Wahler


Die Startzeiten der deutschen Paare in der Dressur:

Donnerstag / Uhr

10:45      FRH Butts Avondale / Anna Siemer

12:15      Carjatan S / Christoph Wahler

14:22:30 FRH Corrida / Andreas Dibowski

Freitag / Uhr

10:00      Casino / Dirk Schrade

11:07:30  fischerWild Wave / Michael Jung

14:45      SAP Hale Bob OLD / Ingrid Klimke


Nach Blair Castle 2015 das erste Championat für Dirk Schrade, jetzt mit Casino (Z: Behrend Jacobs, B: Freya Rethmeier)

 

Auch diese beiden hatten ein sehr vielversprechendes Luhmühlen-Event und einen Aussetzer in Arville: fischerWild Wave (aus der Zucht der ZG Marks/Muffels und dem Besitz von Klaus und Sabine Fischer sowie Brigitte, Joachim, Philip und Michael Jung) mit Michael Jung

Sie hat schon seit vielen Jahren einen besonderen Stand im Stall: "Aus der Prinzessin wird langsam eine Kaiserin" erzählte Wiebke Nicolaysen am Dienstag mit einem Lächeln über FRH Corrida (Z: Dr. Rainer Zurmaar, B: Alina, Susanna und Andreas Dibowski) mit 'Dibo' an den Zügeln


Alle Starter- und Ergebnislisten sowie den Liveticker hält die Rechenstelle bereit: https://rechenstelle.de/de/veranstaltungen/2021/avenches-2/

Bewegte Bilder wird Clipmyhorse übertragen, die beiden Dressurtage werden frei gestreamt, am Samstag und Sonntag gibt es die Einblicke hinter der Bezahl-Schranke: https://www.clipmyhorse.tv/de_DE/events/6321


22.09.2021-KK   Die Euro-Woche 2021 - Ein Rück- und Ausblick

Eine halbe Autostunde von Bern entfernt liegt Avenches am Murtensee, lediglich knapp 10 Kilometer sind es bis zum Neuenburger See mit Neuchâtel am gegenüber liegenden Ufer. Lässt man den Blick weiter schweifen, tauchen die ersten Gipfel der französischen Alpen auf. Und genau hier, auf dem Gelände des Nationalen Reitzentrums (www.iena.ch) beginnen am heutigen Mittwoch die

 

europäischen Vielseitigkeitsreiter mit der Verfassungsprüfung ihr 35. kontinentales Championat. Zum zweiten Mal nach Frauenfeld im August 1983 werden die Champions in der Schweiz gekürt.

Oran und Hansueli Schmutz hatten zwei Jahre zuvor in Horsens (DEN) mit ihrem Einzelgewinn vor Santiago / Helmut Rethemeier und Inis Meain / Brian Mc Sweeney (IRL)  dafür gesorgt, dass die FEI die Ausrichtung der Titelkämpfe auf die Schultern der Eidgenossen gelegt hat.

Mistic Mynstrel und Rachel Bayliss (GBR) wurden nach vier Tagen mit der Meisterschärpe geehrt. Silber ging an die damals amtierenden Weltmeister Regal Realm / Lucinda Green (GBR), Bronze sicherten sich Joel / Niels Persson (SWE). Die Schweden nahmen die Mannschaftsgoldmedaille mit in die Heimat, die Briten und die Franzosen standen auf den anderen Stufen des Podestes.

Ebenso wie der vormalige Europameister reisten auch die deutschen Vertreter (Peacetime / Bettina Hoy, Agazu / Helmut Rethemeier, Kim / Karl Siemens-Fischer, My Fair Lady / Claus Erhorn, Power Game / Rüdiger Schwarz, und ??? -  vielleicht kann sich ja noch der ein oder andere Leser oder Leserin daran erinnern und schreibt das in einen Kommentar) ohne Edelmetall ab.   EDIT: Die drei Fragezeichen sind aufgeklärt: Takar xx und Horst Karsten waren in Frauenfeld für das Team am Start, mussten aber auf Grund einer Hufbeinprellung die Prüfung bereits nach der Dressur beenden. Danke an die vielen Menschen, die sich eingebracht haben und besonders an Uta Helkenberg und Dr. Annette Wyrwoll, die die Lösung parat hatten 🙂

Wesentlich besser lief es da für die Adlerträger bei der letzten EM in Luhmühlen: Drei der vier möglichen Medaillen blieben im Land, die deutsche Nationalhymne erklang für das Team und SAP Hale Bob OLD / Ingrid Klimke. Silber und Bronze sicherten sich Michael Jung (fischerChipmunk FRH) und Cathal Daniels (IRL - Rioghan Rua) sowie Großbritannien und Frankreich. Den deutschen Erfolg komplettierten weitere fünf Paare in der Platzierung und drei auf den Rängen 21 bis 29.

Mit FRH Butts Avondale / Anna Siemer, SAP Hale Bob OLD / Ingrid Klimke, Carjatan S / Christoph Wahler, Casino / Dirk Schrade, fischerWild Wave / Michael Jung und FRH Corrida / Andreas Dibowski stehen weitere 63 Starter auf der Nennungsliste, die sich heute um 15 Uhr dem Richtergremium mit Andrew Bennie (NZL), Christian Landlot (SUI) und Christian Steiner (AUT) sowie den Veterinären präsentieren werden. Siebzehn Nationen sind in Avenches vertreten, von denen fünf (Belgien, Frankreich, Großbritannien, Italien und Deutschland) das volle Kontingent von sechs Startplätzen ausschöpfen, das erstmals auch für die ausrichtende Nation gilt. Morgen und Freitag wird jeweils ab 10 Uhr Dressur geritten, am Samstag verlässt das erste Paar um 11 Uhr die Startbox in das Gelände. Der Sonntag ist in drei Abschnitte geteilt: Die letzte Verfassungsprüfung startet um 9 Uhr, ab 11 Uhr geht es in den Springparcours, ehe ab 14 Uhr der finale Part stattfinden wird.

Vorbereitet ist diese Europameisterschaft auch für die Zuschauer, die nach strengen Corona-Regeln auf das IENA-Gelände dürfen. Auffallend zurückhaltend sind die Organisatoren allerdings mit der analogen Außenwerbung. Auf der Fahrt übers Land war ein einziges Plakat mit dem Hinweis auf Avenches zu sehen - dabei ging es aber um das Filmfestival, das Anfang Oktober über die Leinwand gehen wird. Wiebke Nicolaysen, die Corrida-Kümmerin, darauf angesprochen: "Wir sind über die Autobahn gekommen, da war ein Hinweisschild an der Abfahrt - sonst habe ich nichts gesehen." Immerhin der Hinweis auf der Avenches-Homepage ist deutlich größer als die der anderen Events.

Im Hotel findet sich eine reichliche Flyer-Auslage über Aktivitätsmöglichkeiten in der Umgebung, die sogar bis zum Olympia-Museum in Lausanne reichen, und das ist immerhin noch mehr als 50 Kilometer entfernt. Jonathan, der sehr freundliche Mensch an der Hotelrezeption, meinte, er wisse schon, dass das Championat stattfindet, schließlich sei sein Haus mit sehr vielen Teilnehmern und Offiziellen belegt. Mehr Informationen könnte wahrscheinlich der Chef geben, er würde schließlich in Frankreich wohnen.

Auf dem Bild lächelt Anna Siemer beim gestrigen internen Pre-Vetcheck mit Hans Melzer, Peter Thomsen und Dr. Matthias Niederhofer in die Kamera. Nach der offiziellen Verfassungsprüfung wird die deutsche Mannschaftsführung am Nachmittag die Teambesetzung bekannt geben.


Alle Starter- und Ergebnislisten sowie den Liveticker hält die Rechenstelle bereit: https://rechenstelle.de/de/veranstaltungen/2021/avenches-2/

Bewegte Bilder wird Clipmyhorse übertragen, die beiden Dressurtage werden frei gestreamt, am Samstag und Sonntag gibt es die Einblicke hinter der Bezahl-Schranke: https://www.clipmyhorse.tv/de_DE/events/6321


 


12.09.2021-KK

Das Lied der Italiener erklingt in Twenge

Mit der rechten Hand auf dem Herzen sang Pietro Grandis, der mit Fortune III die erste Abteilung des CCI-3*-S in Langenhagen gewonnen hat, voller Stolz die Nationalhymne seines Heimatlandes. Mit auf dem Podest standen Anna Siemer und Linus Richter. Die Goldschleife in der zweiten Abteilung sicherte sich Linus Weiß vor Christine Lang und Lara Krüger.


Hier geht's zum kompletten Text und allen Bildern...


Auf dem Weg zum Sieg: Fortune III und Pietro Grandis (ITA)

 


15.08.2021-SB & KK

Schärpen für I Candy Splash EA WE,

Lillet & Das Fräulein Inge         

Von Auktionserfahrungen, Internet-Bekanntschaften und den Schwestern Frieda und Inge

Mit dem Sieg von Das Fräulein Inge unter dem Sattel von Amke Gröttrup vor Clearsky und Rockett, beide von Louise Romeike geritten, gingen heute Nachmittag die Bundeschampionate 2021 der Vielseitigkeitspferde zu Ende. Zuvor hatte bei den 5-jährigen Pferde Lillet mit Andreas Dibowski den Titel vor Duplexx / Jan Matthias und Ibby frisky / Jule Wewer gewonnen. Pony-Siegerin wurde I Candy Splash EA WE, vorgestellt von Annika Lorenzen, vor Golden Girl's Nelly / Sina Brügger und Best Performance / Lisa Marie Wust. Damit konnte keiner der Führenden des ersten Finaltages aus dem Vorsprung Kapital schlagen. Einzig Lillet fährt mit zwei Goldschleifen zurück in die heimatlichen Gefilde.

Hier geht es zu allen Berichten und Fotos der vier Tage Warendorf...



05.08.2021 Das war sie, die Olympia-Vielseitigkeitsprüfung 2020 in 2021

Zahlen - Daten - Fakten - Meinung - sowie alle Berichte und Fotos auf der Eventing-Inside-Olympia-Sonderseite   //   Ein Klick auf eines der Bilder reicht...


© FEI/Kai Försterling


23.07.2021 Sivarie ist die neue Trakehner-Geländechampionesse / Schwarzrotgold SB bekommt die Goldschleife

Auf nach Münster, wohin der Verband der Trakehner-Freunde die Anhänger der Elchschaufel-Träger an diesem Wochenende eingeladen hat, um die 2021er Champions zu küren. Bei den Vielseitigkeitspferden siegte im Rahmen einer Geländepferdeprüfung der Klasse L mit Weile die sechsjährige Schimmelstute Sivarie (vorgestellt von Arne Bergendahl), gefolgt von Tango (Ida Marie Schmitz) und Fürst Unique (Lenya Beckmann). 

Der Sieg in der Prüfung indes ging nach Hannover: Wenn der markante und im gesunden Rechteck stehende dunkelbraune Wallach Schwarzrotgold SB aus der Zucht und dem Besitz von Sabine Byl sich auf dem großen Geländeplatze in Bewegung setzt, sucht man unwillkürlich nach einer ebenso markanten Springabstammung auf der Starterliste...

Platz zwei in der Gesamtwertung und bestes Pferd mit der Elchschaufel: Die neue Verbands-Championesse Sivarie unter Arne Bergendahl

Als Hannoveraner bei den Trackis erfolgreich: Schwarzrotgold SB unter Wiebke Jaspers

Hier geht's zum kompletten Text und allen Bildern...


16.05.2021 PdB an Maya Marie Fernandez, Nane Nikolaus Dehn und Anna-Lena Schaaf

Fairytale / Anna-Lena Schaaf fügten ihrer langen Erfolgsliste mit dem Start-Ziel-Sieg beim 2021er Preis der Besten der Jungen Reiter in Warendorf einen weiteren Eintrag hinzu. Nach einer Ergebniskorrektur der Cross-Resultate bei den Junioren gingen Goldschleife und Schärpe an Zilia D / Nane Nikolaus Dehn. Bei den Ponyreitern holten sich Maruto / Maya Marie Fernandez die Dressurführung zurück und gingen als erste auf die Ehrenrunde.

Zuverlässig in Dressur, Gelände und Springen: Fairytale und Anna-Lena Schaaf gewannen mit über 10 Punkten Abstand den Preis der Besten 2021; bereits vor dem Einritt stand Anna-Lena als Siegerin fest, da sie in diesem Moment letzte Starterin schon mit Debby in Führung lag

Sie profitierten von der geänderten Geländezeit: Zilia D und Nane Nikolaus Dehn sind die neuen Titelträger der Junioren und gingen mit der Dressurbewertung über die heutige Ziellinie

Das beste Dressurergebnis, die beste Runde im Parcours und gestern ein paar Zeitfehler, in der Summe die geringste Punktzahl aller 20 StarterInnen: Maruto und Maya Marie Fernandez sicherten sich den Preis der Besten in der Kategorie Ponys

Eine besondere Ehrung erfuhr

Calvin Böckmann,

der für seine Erfolge in Spring- und Vielseitigkeitssätteln das Goldene Reitabzeichen angesteckt bekam.

Hier geht's zum kompletten Text...

Und hier zu allen Preis der Besten-Bilder von beiden Tagen...

 

 09.05.2021 Marbach: Als Dressursieger zum Gesamtgewinn

fischerChipmunk FRH und Michael Jung haben mit der schnellsten Geländerunde das CCI-4*-S in Marbach gewonnen. Viamant du Matz / Sandra Auffahrt behielten ihren zweiten Platz, den sie schon nach dem Springen inne hatten; auf den dritten Rang schoben sich DSP Fighting Line / Lea Siegl (AUT), die vom 32. Platz kommend ihre Dressurbewertung über die Ziellinie brachten.

fischerChipmunk FRH und Michael Jung haben einen weiteren Schritt auf den Saisonhöhepunkt gemacht

Tiefsprung in Richtung Höchstleistung: Viamant du Matz und Sandra Auffarth sind seit fast zwei Jahren ohne Gelände-Hindernisfehler unterwegs

Die Marbacher Berge waren für sie wahrscheinlich nur Hügel: DSP Fighting Line und Lea Siegl gaben nach einer knapp 30er Dressur richtig Gas

Hier geht's zum kompletten Text...

Und hier gibt's alle Marbach-Bilder...



2020 und vorher:

Das Archiv 2020 ist nun abrufbar, genauso wie die Rubrik 'Pferde und Menschen'.

Die Jahre 2019 und 2018 folgen sukzessive in den nächsten Wochen - bis zur WM der Jungen Pferde in Le Lion soll alles wieder abrufbar sein :-)   Tokio

Eventing-Inside
DAS Magazin für den Vielseitigkeitssport